Den Computer fühlen und hören

Blinux als Wegweiser zu neuen Benutzerschnittstellen

Wissen | Hintergrund

Einen Computer ohne Monitor bedienen? Für die meisten PC-Benutzer unvorstellbar, aber für blinde Menschen ganz selbstverständlich: Sie ertasten Programmausgaben mit den Fingerkuppen auf einer Schriftzeile oder lassen sich den Bildschirminhalt von einer synthetischen Stimme vorlesen. Aber das Fehlen einer visuellen Rückmeldung läßt Benutzerschnittstellen auch aus einer neuen Perspektive erscheinen - und Themen wie akustische Navigation gehen weit über die Gruppe der Blinden hinaus.

Aufmacher

In Deutschland gibt es ungefähr 155 000 blinde und 500 000 stark sehbehinderte Menschen mit einem Sehrest unter fünf Prozent. Von den 10 000 berufstätigen Blinden arbeiten derzeit etwa 6000 mit Computern, und zwar überwiegend in der Telekommunikation (vorwiegend Telefonisten), in der Verwaltung und als Schreibkräfte. Ungefähr 220 blinde Computeranwender arbeiten als Programmierer oder EDV-Kaufleute, 410 haben als Akademiker in verschiedensten Bereichen mit Computern zu tun. Zur Zeit absolvieren etwa 14 000 blinde Kinder und Jugendliche ihre Ausbildung [[#lit03 3]].

Mit entsprechender Ausstattung - Braille-Zeilen zur taktilen Textausgabe oder einer Sprachausgabe, die den Bildschirminhalt vorliest - erweitern Computer die Kommunikationsmöglichkeiten von blinden Menschen. So lassen sich Schriftstücke einscannen und über den Rechner ausgeben. Und das Internet öffnet Blinden neben vielfältigen Informationsquellen - beispielsweise Online-Ausgaben von Zeitungen - neue Freizeit- und Kontaktmöglichkeiten, sowohl zu anderen Betroffenen wie auch (ohne Benachteiligung!) zu Sehenden.

Braille-Zeile
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Blinde Computerbenutzer lesen den Bildschirminhalt mittels Braille-Zeile.

Hardware-Lösungen, die direkt auf die Grafikkarte zugreifen, funktionieren jedoch nur mit alten ISA-Grafikkarten, weil bisher kein Hersteller eine PCI-Lösung anbietet. Allerdings sind die zugehörigen Braille-Zeilen manchmal günstig gebraucht zu bekommen, weil sie nicht mit Windows zusammenarbeiten. Sie sind unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem: Sogar das Verfolgen des Boot-Vorgangs oder die Manipulation der BIOS-Einstellungen werden damit für Blinde möglich. Software-Lösungen wie JAWS unter Windows (Job Access With Speech [[#lit06 6]]), die am Grafiktreiber lauschen, sind hingegen so eng an das Betriebssystem sowie Grafikkarte und -treiber gebunden, daß man sie in der Regel zusammen mit einem kompletten Rechner erwirbt.

Da ein blinder Nutzer zeilenweise erkundet, was auf dem Bildschirm angezeigt wird, benötigt er Hinweise, in welchem Zusammenhang die angezeigten Informationen stehen; nur so läßt sich ein Menüeintrag von geschriebenem Text oder Fehlermeldungen unterscheiden.

Braille-Zeilen verfügen daher über Zusatztasten, die Statusinformation wie Attributfarbe oder Cursorposition liefern und das Navigieren auf dem Bildschirm erlauben. Bei Preisen zwischen 10 000 und 40 000 Mark [[#lit01 1]] sind sie jedoch für den privaten Gebrauch fast unerschwinglich - Fürsorgestellen und Krankenkassen tragen die Kosten in der Regel nur, um Blinden Zugang zu normalen Arbeitsplätzen und Ausbildungsmöglichkeiten zu verschaffen -, und jede Braille-Zeile benötigt ihren eigenen Treiber. Das gilt auch für Sprachsynthesizer; eine Sprachausgabe läßt sich allerdings auch in Software mit einer Standard-Soundkarte realisieren.

Schwierig für Sprachausgaben ist die in der EDV häufige Mischung von englischen und deutschen Texten: Englischer Text, mit der deutschen Aussprache-Datenbank vorgelesen, ist nahezu unverständlich. Daher bevorzugen Braille-Kundige die Schriftzeilen. Auch ist Korrekturlesen oder Programmieren mit reiner Sprachausgabe nicht möglich.

Daher ist das textorientierte DOS unter blinden Computeranwendern nach wie vor sehr beliebt. Es bietet jedoch kein Multitasking und nur rudimentäre Netzfunktionalität. Linux ist hier eine echte Alternative: Es ist wesentlich leistungsfähiger und komfortabler, läßt sich jedoch vollständig auf der Kommandozeile bedienen.

Während DOS nicht mehr weiterentwickelt wird, vorhandene Software kaum noch gepflegt wird und neue Hardware fast keine Unterstützung findet, entstehen für Linux nach wie vor auch textorientierte Konsolenanwendungen. Linux ist zudem deutlich stabiler und sicherer als DOS - bei entsprechender Konfiguration führen Bedienfehler unter Linux nicht gleich zum Absturz oder gar zur Zerstörung des Systems.

Lynx
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Lynx
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Internet-Zugriff auf der Linux-Konsole mit Lynx

Da das PC-Unix wie auch die meisten Linux-Applikationen kostenlos aus dem Internet erhältlich sind, läßt sich für den Preis der Sprach- und Braille-Adaption JAWS - 3000 Mark für Windows 95/98, 5000 für die NT-Version - ein Linux-basiertes System inklusive Hardware aufbauen, in dem eine Sprachnavigation per Standard-Soundkarte arbeitet. Interessant wären derartige Systeme vor allem für Heimanwender, denen die Kostenträger in der Regel keinen Zuschuß gewähren.

So macht es durchaus Sinn, DOS-Benutzern einen sanften Umstieg auf Linux zu ermöglichen, wie es der blinde Informatiker Klaus-Peter Wegge vorschlägt (siehe [#interview Interview]). Zu prüfen bleibt, ob die von Blinden verwendeten DOS-Applikationen in der DOS-Emulation laufen - inklusive Braille-Zeilen und Sprachausgaben. Und natürlich muß sich die Hardware-Unterstützung noch ausweiten.

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Aber Zöbelein möchte mehr: Blinux soll das erste Betriebssystem der Welt werden, das Blinde per akustischer oder Braille-Navigation selbst installieren können. Zu diesem Zweck verhandelt er gerade mit Distributoren über eine spezielle Blinux-Distribution, die solide Hardware-Erkennung mit einem Sprachausgabe- und Braille-Treiber kombiniert.

Mit der Entwicklung von Blinux werden auch eine Reihe von Themen angegangen, die über die Gruppe der Sehbehinderten und Blinden hinaus interessant sind. Die Beteiligten leisten Grundlagenarbeit bei der Entwicklung akustischer Benutzerschnittstellen; eine Notwendigkeit, wenn Computer zunehmend Lebensbereiche erobern, in denen sich kein Monitor einsetzen läßt - man denke nur an tragbare Computer, die sich komplett per Spracheingabe und akustischer Navigation steuern lassen und so dem Anwender beispielsweise während einer Autofahrt die EMail vorlesen können. Auch die Bereiche OCR oder Hardware-Erkennung weisen über Blinux hinaus.

Dem Ziel, Linux für Blinde zugänglich zu machen, wird Blinux in seinem heutigen Zustand allerdings nur bedingt gerecht. Dem blinden Informatik-Studenten aus Paderborn, der günstig eine der wenigen unterstützten Braille-Zeilen ergattern konnte, oder dem Emacs-Fan, der sein Augenlicht als Erwachsener verloren hat, bieten sich mit BRLTTY und Emacspeak ausgereifte Lösungen, die Linux und das Internet zugänglich machen. Für den Laien hingegen sind heute noch keine direkt einsetzbaren Lösungen `von der Stange´ vorhanden. (odi)

[1] Peter Röbke-Dörr, Braille & Co., PC-Hilfen für Blinde, c't 4/98, S. 200,

[2] Blinux

[3] Angaben nach: Deutscher Blinden- und Sehbehinderten-Verband, Bonn; zusammengestellt nach Studien für das Jahr 1995

[4] Tips und Software für blinde Linux-Benutzer: http://www.uni-paderborn.de/cs/heiss/blinux/index-de.html

[5] Internet für Blinde: http://www.c-ab.de/info/reports/1997/german/blind.htm

[6] JAWS

[7] Ultrasonix: http://henge1.henge.com/~brian/ultralin.html

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Lynx
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Klaus-Peter Wegge

In Zusammenarbeit mit einem Online-Dienst und Zeitungsredaktionen hat er einen Internet-Service entwickelt, der Blinden und Sehbehinderten unkomplizierten Zugang zu Informationen ermöglichen soll, die sich Sehenden ganz selbstverständlich erschließen [[#lit05 5]]. Das zugehörige Software-Paket besteht aus GNU-Programmen mit speziellen Anpassungen für die Zielgruppe und wird sowohl unter Linux als auch unter DOS für wenig Geld verfügbar sein. WWW-Seiten, die SSL, Java oder Javascript einsetzen, bleiben allerdings vorerst weiter unzugänglich.

c't: Für Blinde und Sehbehinderte, die den Computer nutzen wollen, ist Hardware und Software oft unerschwinglich teuer und wird darum häufig nur eingesetzt, um den Zugang zu Berufs- und Ausbildungschancen zu eröffnen. Damit dominiert in diesem Markt automatisch Windows-Software. Wie paßt da Linux ins Bild?

Wegge: Im Berufsleben kommt man einfach nicht an Windows vorbei: Eine Firma, die komplett auf Windows NT und die Textverarbeitung XY setzt, wird sagen, daß der Blinde selbstverständlich dieses System nutzen muß. Ich sehe Linux daher vor allem im privaten und universitären Bereich als attraktive Alternative. Es kann aber auch in Firmen eingesetzt werden, wenn es vor allem darauf ankommt, daß ein Mitarbeiter seine Aufgabe gut und effizient erledigt und weniger darauf, welches Werkzeug er dafür benutzt.

c't: Der Zugang zur Welt der elektronischen Daten ist für Blinde schon schwer genug, wieso soll sich ein blinder Nutzer zusätzlich mit einem Nischen-Betriebssystem wie Linux auseinandersetzen?

Wegge: Linux hat den ganz großen Vorteil, daß es dort eine saubere Trennung zwischen der grafischen Oberfläche und dem eigentlichen Betriebssystem mit seiner textorientierten Präsentation gibt. Das heißt: Heute und wahrscheinlich auch noch viele Jahre lang wird man Linux komplett auf der Konsole bedienen können. Die textorientierte Präsentation auf der Blindenschriftzeile oder auf der Sprachausgabe beherrscht ein Blinder sehr gut. Abgesehen davon ist es zur Zeit unheimlich schwierig zu beurteilen, wie sich dieses Betriebssystem entwickeln wird.

c't: Viele Blinde arbeiten heute noch mit DOS, weil es eine textorientierte Oberfläche hat. Was könnte diese Personengruppe motivieren, zu Linux zu wechseln?

Wegge: Viele möchten mehr Komfort, als DOS bietet. Linux wird weiterentwickelt, und über das Internet erhält man exzellenten Support sowie Kontakte zu Gleichgesinnten. Außerdem laufen die meisten DOS-Programme - vor allem die, die bisher von Blinden benutzt wurden - auch in der DOS-Emulation von Linux. Für den blinden Nutzer bietet Linux eigentlich nur Fortschritte: Zum Beispiel ist es sehr einfach, eine CD zu brennen oder einfach mal mehrere Fenster zu öffnen. Unter dem guten alten DOS geht das nicht so leicht.

Wir wollen den Nutzern unserer Adaption einen sanften Umstieg ermöglichen. Wir sind bemüht, so weit wie möglich alle Blindenschriftzeilen zu unterstützen. Dabei sind wir allerdings auf die Mitarbeit der Herstellerfirmen angewiesen, die nicht immer reibungsfrei funktioniert. Zusätzlich gibt es unter Linux Sprachausgaben und Vergrößerungsprogramme für die Schrift, so daß auch ein Sehbehinderter sehr einfach mit Linux arbeiten kann.

c't: Bisher produzieren nur wenige Software-Unternehmen kommerziell für Linux. Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Qualität - etwa bei der Sprachausgabe-Software MBROLA?

Wegge: Sie finden für Linux sehr viel qualitativ hochwertige Software, und dazu gehört auch diese kostenlose Sprachausgabe, die ich übrigens selbst gerne verwende, weil besonders die an der Uni Bonn entwickelte Unterstützung der deutschen Aussprache gut funktioniert.

c't: Was leisten die von Ihnen entwickelten Programme im Unterschied zu den bereits vorhandenen?

Wegge: Der Screenreader UXDOTS ist ein Treiberprogramm, das Blindenschriftzeilen mit dem Unix-Betriebssystem verbindet. Bislang gab es so etwas nur mit eingeschränkter Funktionalität, und es wurden nur wenige Blindenschriftzeilen unterstützt. Wir haben diese Anpassung erheblich erweitert. So kann UXDOTS Farbattribute in Blindenschrift umsetzen, das heißt, es erscheint auf der Blindenschriftzeile: `Diese Zeile ist jetzt farbig´, und als Blinder kann ich herausfinden, welche Farbe dahintersteckt, wenn ich diese Information brauche - etwa um festzustellen, ob ein Menüeintrag aktiv oder inaktiv ist.

Ich kann Fenster definieren, ich kann auf dem Bildschirm suchen, und es werden diverse Videomodi unterstützt: Ich könnte den Bildschirm beispielsweise auf 132 mal 60 Zeichen einstellen. Diese ganzen Adaptionstechniken funktionieren auch über Maschinengrenzen hinaus: Ein Programm, das auf einer Sun unter Solaris läuft, kann mit UXDOTS vom Linux-Rechner aus übers Netz bedient werden. Unsere textbasierte Internet-Software enthält zusätzlich zu einer angepaßten lynx-Version (Arbeitstitel: `lynx++´) Dienstprogramme, die das Internet und all seine Basisdienste für den Blinden nutzbar machen: EMail, News und Chat.

c't: Wie stehen die Chancen, mit Hilfe von Linux eine preiswerte EDV-Lösung für Blinde und Sehbehinderte zu realisieren? Werden die Kosten für die Blindenschriftzeile nicht ohnehin von der Fürsorge oder Krankenkasse übernommen?

Wegge: Für den Privatbereich ist das Thema Zuschuß immer schwierig. Es wäre sehr interessant, halbwegs preisgünstige Lösungen zu präsentieren, wobei man ganz klar sagen muß: Der Hauptkostenpunkt bei einer Computerlösung ist immer die Blindenschriftzeile - eine kleine Blindenschriftzeile liegt bei 10 000 Mark, eine große Komfortzeile bei 35 000 bis 40 000 Mark. Die Idee hinter unserer Adaption ist auch, mit der Linux-Anbindung ältere Zeilen zu unterstützen, die man als privater Nutzer vielleicht gebraucht erwerben kann. Ein gerade ergangenes Urteil, das eine Krankenkasse zur Kostenübernahme für eine 40er-Braille-Zeile gezwungen hat, scheint mir nur schwer auf andere Fälle übertragbar. Da muß man die weitere Entwicklung abwarten.

c't: Wie kommt es eigentlich, daß diese Zeilen so teuer sind?

Wegge: Der Hauptgrund liegt einfach darin, daß es sich dabei um eine sehr empfindliche Mechanik handelt, die sehr präzise funktionieren muß. Stellen Sie sich vor, es klemmt ein Punkt - schon ist die Telefonnummer verfälscht, und ich rufe nicht meine Freundin, sondern sonst wen an. Das Setzen der Punkte muß viele, viele Millionen Male funktionieren. Hier handelt es sich um aufwendige Einzelfertigungen in sehr geringen Stückzahlen, woraus sich der exorbitante Preis ergibt. (Frank Fremerey/odi)

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Mehr als die Hälfte der Nutzer von Blinux sind Computer-Experten (20), die Altersspanne reicht von 19 bis 54 Jahren. Sie verfügen im Schnitt über eine neunjährige Erfahrung mit DOS, drei Jahre mit Windows und fünf Jahre mit dem Internet. 80 Prozent sind englischsprachig und blind; sehbehinderte deutschsprachige Nutzer sind in der Minderheit. Fast alle benutzen den Computer beruflich und zu Hause. In den knapp zwei Jahren, seit es Blinux gibt, hat sich Emacspeak zur beliebtesten Anwendung gemausert: Von den 15 Befragten, die das Programm ausprobiert haben, nutzen es elf immer noch.

Keiner der Blinuxer, die unserem Aufruf folgten, verwendet ausschließlich Blinux. Unter den Programmen, die neben Blinux weiterbenutzt werden, sind DOS-Treiber für die verschiedensten Braille-Zeilen und Hardware-Sprachausgaben dominierend. Mit zehn Nennungen ist die Windows-Adaption JAWS die meistbenutzte Einzelapplikation.

Neben Linux verwenden alle Befragten weiterhin DOS- oder Windows-Lösungen, weil es Vorleseautomaten und moderne Internet-Browser mit SSL-, Java- und Javascript-Funktion für die Linux-Kommandozeile noch nicht gibt. Außerdem ist die Hardware-Unterstützung von Blinux sehr lückenhaft, so daß vier Teilnehmer ihr Linux per DOS-Terminal bedienen; andere wollen mit dem Einstieg warten, bis Blinux ihre Hardware unterstützt. Unter den Blinux-Entwicklern finden sich etliche sehende Linux-Freaks, die versuchen, Linux für Freunde und Bekannte zugänglich zu machen.

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Hasan Karahasan

Blinde Computernutzer sind auf Zusatzgeräte wie Sprachsynthesizer oder Braille-Zeilen angewiesen, die über betriebssystemabhängige Treiber mit den nötigen Informationen versorgt werden. Daher ist es für Blinde immer schwierig, ein Betriebssystem zu installieren: Erst wenn das System läuft, läßt sich die Zugangs-Software installieren; während des Installationsvorganges hat ein blinder Anwender keinen Zugriff auf die Ausgaben am Bildschirm. Diese Schwierigkeiten werden gern als Gegenargument angeführt, wenn es um Linux für Blinde geht; dabei wird allerdings übersehen, daß dieser Umstand für alle Betriebssysteme gilt.

Einige Hersteller von Braille-Zeilen bieten sogenannte Hardware-Lösungen, bei denen eine spezielle Karte den Inhalt des Bildspeichers an die Zeile schickt. Diese Karten sind für das Betriebssystem völlig transparent, funktionieren jedoch nur im Textmodus. Da der Textmodus in der Windows-Welt an Bedeutung verloren hat, sind neuere Braille-Zeilen nicht mehr für eine Hardware-Anbindung vorgesehen. Mit einer solchen Zeile ist es jedoch kein Problem, ein System einzurichten, dessen Installation im Textmodus läuft.

Zunächst habe ich im Internet nach einer Anleitung gesucht, wie man Linux aus dem Netz laden und installieren kann. http://visar.csustan.edu/giveaway_dl.html beschreibt die Vorgehensweise für alle wichtigen Distributionen. Nach der Entscheidung für SuSE ließen sich die nötigen Pakete aus dem Netz downloaden. Die Boot-Diskette mußte ich unter DOS erstellen; nach dem Booten ist alles weitere eigentlich selbsterklärend. Sobald das Installationsprogramm Yast gestartet ist, kann man kaum noch etwas falsch machen.

Was für andere gilt, gilt natürlich auch für blinde Linux-Nutzer: Je besser man sich zuvor informiert hat, desto weniger Überraschungen gibt es. Das SuSE-Installationshandbuch und das Linux-Anwenderhandbuch von Sebastian Hetze, die ich mir zuvor zum Lesen aus dem Netz besorgt hatte, haben mich bereits auf den Linux-Einstieg vorbereitet.

Unter DOS und Windows nutze ich meine Rechner derzeit hauptsächlich fürs Internet, einfache Textverarbeitung, Erstellen von CD-ROMs, OCR und ähnliches. Linux setze ich zur Zeit zum Kennenlernen der Unix-Welt und zum Programmieren ein. Mittelfristig würde ich gerne weitere Anwendungsbereiche nach Linux migrieren. Bislang verwende ich nur die Braille-Zeile; beim Blinux-Projekt habe ich jedoch von verschiedenen Steuerprogrammen für Sprachausgaben gelesen, die ich in nächster Zeit einmal testen will.

Da nur wenige über eine Hardware-Braille-Zeile verfügen, sollte man über andere Möglichkeiten nachdenken, Blinden die Linux-Installation zu ermöglichen. Dazu benötigt das Ur-Linux, das zu Beginn der Installation bootet, einen Kernel mit rudimentärer Braille- und/oder Sprachausgabenunterstützung - vielleicht auf Wunsch über einen Kernel-Parameter am Lilo-Prompt zu aktivieren. Es wäre schon ein großer Fortschritt, wenn die Bildschirmausgaben an eine Schnittstelle kämen: Zur Not schließt man für die Installation einen zweiten Rechner an, auf dem ein Terminalprogramm unter DOS mit Sprachausgabe läuft. Vielleicht könnte man das Installationsprogramm auch so modifizieren, daß schon sehr früh ein getty läuft, so daß man sich zur Installation von außen einloggen kann. (odi)

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