Der PC als Alleinunterhalter

Freie Medien-PCs: TV, Musik und Filme

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Nicht nur Microsoft hat die Zeichen der Zeit erkannt und hievt den Windows-PC als Unterhaltungszentrale in die Wohnzimmer. Schon längst haben auch die Entwickler freier Software attraktive Angebote vorzuweisen, egal ob es um Fernsehen und Videorecorder, Musik oder Cineastisches geht.

Aufmacher

Mal soll der PC den alten Videorecorder ablösen, mal den Fernseher ersetzen, mal die Musikanlage komplettieren oder schlicht das tun, was er ohnehin am besten kann, nämlich digitale Medien aller Art abspielen, sei es Audio- oder Videomaterial.

Der Griff zum PC liegt nahe, weil er im Unterschied zu einem Consumer-Gerät willig dazulernt: Fehler lassen sich durch Updates korrigieren, fehlende Formate nach und nach ergänzen und selbst die Bedienoberfläche ist komplett austauschbar.

Für den PC spricht auch, dass er die volle Nutzung der Mediendaten gestattet: Eine TV-Aufnahme bleibt nicht im Gerät gefangen, sondern lässt sich weitergeben und -verarbeiten, etwa um sie platzsparend als DivX ins Archiv einzureihen.

Es gibt eine Reihe attraktiver Angebote, mit denen man dem persönlichen Computer solche Aufgaben übertragen kann: Was Microsoft der Media Center Edition von XP beilegt und was als kommerzielle Software für Windows zu haben ist (etwa ShowShifter), beschreibt den Markt nur unvollständig.

Gleich mehrere Open-Source-Projekte haben sich Ähnliches auf die Fahnen geschrieben und missionieren den Abnehmer in anderer Richtung. In der Regel ist eine Linux-Installation die Voraussetzung, um die Software an den Start zu bringen.

Genau hier setzt unsere aktuelle Heft-CD an: Sie enthält eine aktualisierte Fassung der c't-VDR-Distribution - ein Minimal-Linux auf Debian-Basis, mit dem Sie in kurzer Zeit Ihren eigenen digitalen Videorecorder an den Start bringen.

Die bewährte Distribution hat dazugelernt: Statt nur den VDR zu installieren, kann sie den PC auch stattdessen mit freevo, MythTV oder NMM in eine Unterhaltungszentrale verwandeln - die Installation gelingt im Handumdrehen, ohne dass Sie dafür einen Compiler benötigen.

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Die Installation dieser Pakete setzt einen funktionierenden Internet-Zugang voraus, denn wir können aus Lizenzgründen ([#kasten siehe Kasten]) nicht alle von den Projekten benötigten Bibliotheken auf die CD brennen. Die Debian-Paketverwaltung bindet nicht auf der CD enthaltene Module automatisch aus dem Netz in die Installation ein.

Lizenzgebühren hin oder her, die Patentinhaber gestatten oder dulden es offenbar, wenn freie Projekte die Verfahren nutzen und ihre Software kostenlos im Internet verbreiten - wie lange die Schonfrist anhält, steht indes in den Sternen.

Nicht minder unsicher ist die Situation dann, wenn es um den Schutz digitaler Medienschätze geht: Das wie ein Damoklesschwert primär über Windows-Anwendern schwebende Digital Rights Management (DRM), mit dem die Industrie die verlustfreie Vervielfältigung eindämmen will, könnte auch für die freien Projekte negative Folgen haben - wenn die Medienmacher DRM-lose Systeme aussperren. (ps)

"Ihr PC wird zum Media Center"
Weitere Artikel zum Thema finden Sie in der c't 8/2004:
Analog-TV mit Linux S. 98
c't-VDR-Distribution S. 102
freevo, MythTV und NMM S. 106
Windows-Software auf CD Seite S. 111

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So mancher Leser mag sich wundern, warum für die Installation der Programme notwendige Debian-Pakete auf der Heft-CD fehlen und nur online zu beziehen sind. Der Grund ist nicht etwa Platznot auf der CD, sondern die Lizenzbestimmungen für die meisten Audio- und Videoformate hindern uns daran.

Hier ein Einblick in einen kleinen Teil des Lizenzdschungels: Bei MPEG hat die Moving Picture Experts Group zur Verwaltung ihres MPEG-2-Patentpools und zur Lizenzvergabe den MPEG Licensing Administrator (MPEG LA) geschaffen. Inzwischen ist MPEG LA auch für MPEG-4 Video zuständig.

MPEG-2: Seit dem 1. 1. 2002 sind für jedes an Endkunden verkaufte Produkt, das MPEG-2 wiedergibt oder erzeugt, 2,50 US-Dollar zu zahlen. Heft-CDs bilden dabei laut MPEG LA keine Ausnahme.

MPEG-4 Video: Für jeden MPEG-4-Encoder oder -Decoder in Hardware- oder Software-Form sind 0,25 US-Dollar abzuführen. Die ersten 50 000 verkauften Einheiten pro Kalenderjahr sind kostenfrei.

MPEG-4 Audio (AAC): Die für die Lizenzvergabe verantwortliche Dolby-Tochter Via Licensing kassiert für jeden verkauften Decoder in einem Consumer-Produkt je dekodiertem Kanal 25 US-Cent, für jeden Encoder 50 US-Cent. Bei Codecs addieren sich beide Anteile. Ein Produkt mit AAC-Decoder kostet jährlich höchstens 25 000 US-Dollar. Für AAC-Encoder und -Codec sind höchstens 250 000 US-Dollar respektive 275 000 US-Dollar zu zahlen.

MP3: Lizenzen für MP3 vergibt Thomson Multimedia. Für jeden Decoder müssen mindestens 75 US-Cent Lizenzgebühren abgeführt werden oder einmalig 50 000 US-Dollar. Jeder MP3pro-Decoder schlägt mit 1,25 US-Dollar zu Buche (alternativ 90 000 US-Dollar Einmalzahlung). MP3(pro)-Encoder und -Codecs kosten bei Verwendung der Software eines Drittanbieters jeweils 2,50 US-Dollar (also die reine Patentgebühr), die originale Fraunhofer-Software ist doppelt so teuer.

Ferner wollen die MP3-Patenthalter eine Minimum Royalty von 15 000 US-Dollar haben. Es gibt zwar auch einen „vergünstigten Beitrag“ von 5000 US-Dollar jährlich, dann erhöhen sich jedoch die Lizenzzahlungen pro Decoder auf 10 US-Dollar (für Patente und Referenzsoftware).

Funktionen zum Abspielen von DVDs lässt sich die DVD Copy Control Association (CCA) bezahlen. Für das zum Abspielen verschlüsselter Scheiben nötige CSS sind 5200 US-Dollar Jahresbeitrag fällig.

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