Der maßgeschneiderte PC

Für jede Anwendung in die richtigen Komponenten investieren

Test & Kaufberatung | Kaufberatung

Wenn Geld keine Rolle spielt, fällt es nicht allzu schwer, einen schönen, schnellen PC zu kaufen. Für die meisten von uns ist jedoch die Frage weit wichtiger, wieviel man sinnvollerweise ausgeben muß, damit die Neuerwerbung für die gewünschte Anwendung ausreicht, und in welche Komponenten man am besten investiert, damit das eingesetzte Geld den optimalen Wirkungsgrad erzielt.

Den für jede Anwendung optimalen PC gibt es nicht - zumindest nicht, wenn er sich in einem halbwegs erträglichen finanziellen Rahmen bewegen soll. Je nachdem, ob der Rechner als Schreibmaschine, Spielkonsole, Musikinstrument oder Videoschnittplatz seinen Mann stehen soll, sind ganz verschiedene innere Werte gefragt. Für die eine Anwendung ist eine schnelle CPU wichtig, für die andere eher eine große, schnelle Festplatte, wieder eine andere wird erst durch viel Speicher richtig schnell.

Gleichgültig, ob Sie sich den Wunschrechner selbst aus Einzelkomponenten zusammenstellen oder ein Komplettsystem kaufen - die Kunst besteht darin, das Geld in diejenigen Komponenten zu stecken, die für die geplante Anwendung am meisten bringen. Wir haben daher einige typische Anwendungen zusammengestellt, die der private PC-Käufer im Sinn haben mag. Für jede Anwendung rüsten wir den gemeinsamen Basis-PC in Gedanken schrittweise bis zur optimalen Konfiguration auf. An welcher Stelle Sie beim Rechnerkauf Ihren persönlichen Schlußstrich ziehen, müssen Sie an Hand Ihres Budgets selbst entscheiden. Natürlich werden die meisten PCs letztlich mehreren Zwecken dienen - die sinnvolle Kreuzung aus den von uns vorgeschlagenen PC-Gattungen erreicht man leicht durch 'Überlagerung' der Einzelbetrachtungen.

Die Preisangaben in diesem Artikel sind als grobe Anhaltspunkte zu verstehen. Konkrete Empfehlungen für bestimmte CPUs, Chipsätze, Grafikchips oder Festplatten geben wir hier nicht; damit befassen sich ausführlich die Folgeartikel zu den einzelnen Komponenten und letztlich unsere regelmäßigen Testberichte.

Der Minimalrechner, den es heute zu kaufen gibt, kostet inklusive 15"-Monitor circa 2300 Mark. Er hat als Prozessor einen Intel Pentium 166 mit MMX oder eine vergleichbare CPU von der Konkurrenz sowie 16 MByte RAM. Tastatur, Maus, Floppy- und CD-ROM-Laufwerk gehören selbstverständlich dazu, eine einfache Soundkarte nebst Lautsprecherboxen in der Regel auch. Die Festplatte faßt mindestens anderthalb Gigabyte, eher zwei, und liefert die Daten mit mehreren Megabyte pro Sekunde. CD-ROM-Laufwerke mit weniger als '8×'-Geschwindigkeit sind praktisch ausgestorben. 8x-Laufwerke sind als Auslaufmodelle günstig zu haben, 12x oder 16x können als Minimum gelten.

Bei den Einsatzgebieten, die es heute für PCs gibt, stellen die klassischen Büroanwendungen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation mittlerweile die geringsten Anforderungen an die Hardware. Selbst mit dem billigsten Komplett-PC läßt sich schon vernünftig arbeiten, zumindest, wenn es um einfache Bürotätigkeiten wie das Schreiben von Briefen oder das Rechnen mit nicht allzu großen Tabellen geht.

Büroanwendungen
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. Tintendrucker . . . . .
. Basis-PC
Pentium 166 MMX,
16 MByte RAM,
2-GByte-Platte
15"-Monitor
. Ausbaustufe 1
17"-Monitor
ergonomische Tastatur
. Ausbaustufe 2
32 MByte statt 16 MByte RAM
.
. 2800 DM . 3350 DM . 3450 DM .
. Sonstiges: Laserdrucker, wenn viel Text gedruckt werden soll. .

Der größte Schwachpunkt der Billig-Angebote ist der Monitor. Wer viel Zeit davor verbringen muß, sollte hier auf jeden Fall in etwas Vernünftiges investieren, um langfristig Freude an seinem Rechner zu haben. Ein guter Monitor veraltet nicht so schnell wie beispielsweise ein Motherboard, kann also auch noch am nächsten Rechner mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Dienst verrichten. Für Office-Anwendungen empfiehlt sich eine Bildschirmauflösung von mindestens 1024×768 Punkten, damit neben all den bunten Button-Leisten und Menüs noch Platz für Texte und Tabellen bleibt. Moderne 15-Zoll-Monitore können diese Auflösung zwar darstellen, jedoch ist die Schrift erst auf einem 17-Zöller vernünftig lesbar.

Vielschreiber sollten ihr Augenmerk auch auf eine hochwertige Tastatur legen. Geteilte Tastaturen, bei denen sich die beiden Hälften für linke und rechte Hand in einem Winkel auseinanderziehen und verstellen lassen, gelten als besonders ergonomisch, sind aber nicht jedermanns Sache. Ob ein weicher Anschlag oder eine Tastatur mit Druckpunkt das Richtige ist, findet man am besten durch Probetippen im Laden heraus. Dabei sollten Sie darauf achten, daß die Tasten nicht klappern (Leertaste, Enter-Taste) und nicht prellen (Buchstaben mehrfach erscheinen). Anders als beim Monitorkauf können Sie nach der Auswahl beruhigt eine originalverpackte Tastatur aus dem Lager nehmen; die Fertigungsabweichungen sind bei Tastaturen nicht so groß.

Stößt man bei der praktischen Arbeit mit Büroanwendungen an Grenzen, so liegt die Ursache oftmals bei der Anwendungssoftware selbst. Daß Microsoft Word nicht für große, komplexe Dokumente taugt, ist ein offenes Geheimnis, an dem sich auch durch den schnellsten Prozessor nichts Grundsätzliches ändern läßt.

16 MByte Hauptspeicher reichen im Prinzip für die Arbeit mit einer einzelnen Office-Anwendung. Sobald man jedoch mehrere Programme gleichzeitig nutzen will, empfiehlt sich ein Ausbau auf 32 MByte. Ein schnellerer Prozessor hilft der Textverarbeitung kaum und der Tabellenkalkulation nur, wenn Sie mit riesigen Datenmengen hantieren. Wer mit Grafikprogrammen wie CorelDraw komplexe Illustrationen erstellt, kann jedoch mit einer schnelleren CPU Wartezeiten verringern.

Unter allen Software-Gattungen stellen Spiele heute mit die größten Anforderungen an die Hardware, vor allem an Prozessor und Grafikkarte. Seit dem Aufkommen von 3D-Spielen ist deren Hunger nach Rechenleistung fast unstillbar. Etliche Hersteller geben als Mindestvoraussetzung für ihre Spiele bereits einen 133er-Pentium an. Darauf mag das betreffende Spiel dann zwar leidlich laufen, damit jedoch halbwegs Freude aufkommt, sollte man die Mindestanforderung grundsätzlich um ein, zwei Leistungsstufen 'aufrunden', also mindestens einen 166er-MMX-Pentium kaufen, besser gleich einen 200er. Allgemein gilt: Für Spiele ist der schnellste erschwingliche Prozessor gerade gut genug (mehr dazu ab Seite 110 und 196).

Spiele
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. Basis-PC
Pentium 166 MMX,
16 MByte RAM,
2-GByte-Platte
15"-Monitor
. Ausbaustufe 1
Joystick und 3D-Grafikkarte
. Ausbaustufe 2
32 MByte statt 16 MByte RAM
. Ausbaustufe 3
schnellerer Prozessor (etwa AMD K6-233)
.
. 2300 DM . 2650 DM . 2750 DM . 2850 DM .
. Sonstiges: Je nach Spielvorlieben spezielle Eingabegeräte wie Lenkrad, Steuerknüppel, Force-Feedback-Joystick oder Gamepad. CPU so schnell wie möglich. Für Vielspieler empfiehlt sich eine größere Festplatte, eventuell ein zweites CD-ROM-Laufwerk oder ein CD-Writer. .

Vor allem aus Spielerkreisen kommt daher die Idee, den Prozessor zu 'übertakten', also mit einer höheren als der vom Hersteller vorgesehenen Taktfrequenz zu betreiben. Wer sich auf so etwas einläßt, tut das grundsätzlich auf eigene Gefahr; es besteht keine Garantie, daß Prozessor, Chipsatz und Peripherie mit höherer Taktfrequenz stabil laufen. Wir raten daher grundsätzlich vom Übertakten ab, räumen jedoch ein, daß mancher Spieler bereit ist, für mehr Performance ein weniger stabiles System in Kauf zu nehmen.

Noch wichtiger als die Prozessorleistung ist für praktisch alle neuen Spiele eine Grafikkarte mit 3D-Beschleunigung. Während 3D-Spiele noch vor einem Jahr ganz ohne Hardware-Unterstützung auskamen und es nur vereinzelt 'Patches' für Beschleunigerkarten gab, zeichnet sich ab, daß in naher Zukunft jedes neu auf den Markt kommende Spiel einen 3D-Beschleuniger zwingend voraussetzen wird. 4 MByte Speicher sollte die Grafikkarte mindestens haben, damit genug Platz für Texturen ist. Als Wegweiser durch das Dickicht der 3D-Beschleuniger möge der Artikel ab Seite 114 dienen. Wer beim Kauf eines Komplettsystems ein echtes Schnäppchen ohne 3D-Grafikkarte gefunden hat oder eine solche nicht angeboten bekommt, kann getrost zugreifen und die nötige Spiele-Power in Form einer 3D-Zusatzkarte mit dem Voodo-Chipsatz von 3Dfx (zum Beispiel Diamond Monster 3D) nachrüsten. Praktisch alle 3D-Spiele laufen mit diesen schon etwas älteren 3D-Chips und erzielen damit eine sehr gute Geschwindigkeit und Darstellungsqualität. Beim Monitor tut es für Spiele übrigens durchaus der günstige 15-Zöller, denn die meisten Spiele nutzen nur niedrige Bildschirmauflösungen.

Was für die Mindestanforderung an den Prozessor gilt, trifft auch auf den Speicherausbau zu: Wo der Hersteller 16 MByte fordert, reichen 24 MByte aus. Beim Rechner-Neukauf nimmt man dann besser gleich 32 MByte und ist damit auch für die nahe Zukunft auf der sicheren Seite, zumal der Trend zu DirectX-Spielen unter Windows 95 geht, bei denen man den Speicherbedarf von Windows 95 einkalkulieren muß. Mehr als 32 MByte sind jedenfalls heute zum Spielen noch nicht nötig.

Als Soundkarte für den Spiele-PC genügt das einfachste 16-Bit-Modell. DirectX-Spiele setzen auf die Sound-Treiber von Windows 95 auf und kommen auch ohne Hardware-Kompatibilität zum De-facto-Standard Sound Blaster aus. Im Hinblick auf ältere Spiele ist jedoch eine Blaster-kompatible Karte vorzuziehen.

Je nach bevorzugter Spiele-Gattung darf das passende 'Eingabegerät' nicht fehlen. Ein Joystick sollte mindestens vier Knöpfe haben, um alle Funktionen komplexer Spiele ausnutzen zu können. Für Autorennen und Flugsimulation gibt es spezielle Lenkrad- und Steuerknüppel-Imitationen sowie Kombigeräte; die Investition lohnt jedoch nur für Fans dieser Genres. Viele Ballerspiel-Profis bevorzugen nach wie vor die Tastatur beziehungsweise die Kombination von Tastatur und Maus für die Steuerung.

Wer absehen kann, daß er sich mindestens einmal im Monat ein neues Spiel zulegt, sollte beim Rechnerkauf gleich eine große Festplatte einkalkulieren. Manch platzhungriges Spiel belegt nach der Installation 100 bis 200 MByte auf der Festplatte - die 2-GByte-Platte des Minimal-Rechners ist also mit zehn Spielen voll. Das CD-ROM-Laufwerk braucht nicht unbedingt von der allerschnellsten Sorte zu sein, wenn den Spielen genügend Plattenplatz zur Verfügung steht. Praktischer ist da schon ein CD-Wechsler oder gar ein zweites CD-ROM-Laufwerk, denn Spiele mit mehr als einer CD-ROM sind keine Seltenheit mehr. Auch ein eventuell vorhandener CD-Writer läßt sich gut als zweites CD-ROM-Laufwerk 'mißbrauchen', um CD-Wechsel während des Spiels zu vermeiden.

Die Werbung in der Computerbranche preist PCs gerne als Multimedia-tauglich an. In der Praxis erschöpft sich das darin, daß ein CD-ROM-Laufwerk und eine Soundkarte dabei sind und der Monitor Lautsprecher-'Ohren' hat. Das praktische Multimedia-Bedürfnis des Anwenders besteht darin, gelegentlich CD-ROMs mit irgendwelchen Landkarten, Nachschlagewerken, Lernprogrammen oder Spielen zu nutzen. Abgesehen von den reinen Spielen (siehe oben) sind die Anforderungen solcher 'Edutainment'-CDs an die Rechner-Hardware geringer, als mancher denken mag. Damit sie sich an eine möglichst breite Masse verkaufen lassen, gehen die Hersteller als Minimum meist noch von einem 486er mit Windows 3.1 und einem 4×-CD-ROM-Laufwerk aus.

Edutainment
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. Basis-PC
Pentium 166 MMX,
16 MByte RAM,
2-GByte-Platte
15"-Monitor
. Ausbaustufe 1
17"-Monitor
.
. 2300 DM . 2800 DM .
. Sonstiges: In Zukunft eventuell DVD-ROM-Laufwerk nebst Dekoderkarte für DVD-Video. .

Diesen Anforderungen wird selbst der billigste heute erhältliche PC mühelos gerecht. Wer viel mit CD-ROMs arbeitet, mag von einem schnelleren CD-ROM-Laufwerk ein wenig profitieren. Auf keinen Fall darf man jedoch erwarten, mit einem 24×-Laufwerk würde sich eine Telefonbuch-CD dreimal so schnell anfühlen wie mit einem 8×-Gerät.

Eine 'Multimedia'-Anwendung, die noch in den Kinderschuhen steckt und ganz andere Anforderungen an die Hardware stellen wird, ist das Abspielen von Spielfilmen von DVD. Wenn ein entsprechendes Filmangebot erst einmal da ist, wird das Hauptproblem für den Rechner die aufwendige MPEG-2-Dekodierung sein. Sie erfordert neben dem obligatorischen DVD-Laufwerk eine zusätzliche Dekoderkarte (Intel hat es allerdings auch kürzlich mit einem 350 MHz schnellen Pentium-II-Prototypen mit Ach und Krach per Software geschafft). So etwas jetzt schon zu kaufen, hat jedoch genauso wenig Sinn wie die Idee, wegen DVD vorbeugend einen 300er Pentium II anzuschaffen. Bezüglich DVD können Sie getrost abwarten, bis die Kopierschutzfrage unter den Herstellern abschließend geklärt ist und die Filmindustrie ein entsprechendes Angebot auf dem Markt hat. Und selbst dann stellt sich noch die Frage, ob ein Consumer-Player für den heimischen Fernseher nicht besser für den DVD-Konsum geeignet ist als der PC.

Das Internet hat nicht nur dem Computerfreak etwas zu bieten, der technische Probleme lösen oder auf die Jagd nach Software gehen will. Auskünfte aller Art, von der Fahrplan- über die Telefonauskunft bis zum Veranstaltungskalender und Kinoprogramm interessieren auch Leute, die ihren Computer nicht als Selbstzweck begreifen. Außerdem entwickelt sich das Internet mehr und mehr zum primären Support-Medium für Hard- und Softwarehersteller. Wo telefonisch kein Durchkommen oder erst gar keine Hotline-Nummer vorhanden ist, gibt es oft Web-Seiten mit Informationen, Treibern und Updates, und in Newsgroups kann man sich bei Problemen mit Leidensgenossen austauschen.

Internet
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. Modem oder
ISDN-Adapter
. . . . .
. Basis-PC
Pentium 166 MMX,
16 MByte RAM,
2-GByte-Platte
15"-Monitor
. Ausbaustufe 1
32 MByte statt 16 MByte RAM
. Ausbaustufe 2
17"-Monitor
.
. 2450 DM . 2550 DM . 3050 DM .
. Sonstiges: Wichtiger als der Rechner selbst ist die Wahl eines guten und kostengünstigen Internet-Providers. .

Praktisch jeder PC, den man heute neu kaufen kann, bietet genug Leistung für den Internet-Zugang. Den Flaschenhals bildet in den meisten Fällen das Internet selbst oder allenfalls die Modem- beziehungsweise ISDN-Verbindung zum Provider. Durch Telefon- und Online-Gebühren verursacht die Nutzung des Internet Folgekosten, die nicht zu vernachlässigen sind (siehe Seite 86). Viel wichtiger als ein schneller Prozessor ist daher der richtige Internet-Provider. Ein schlechter Provider schadet gleich doppelt: langsame Verbindungen verderben den Spaß am Surfen und erhöhen gleichzeitig die Kosten, da sie die Online-Zeiten verlängern. Auch gibt es große Unterschiede bei den Abrechnungsmodellen (zeitabhängig, volumenabhängig, pauschal). Mehr dazu in unseren regelmäßigen Providertests, in diesem Heft auf Seite 132.

Für den Draht zum Provider hat man die Wahl zwischen einer analogen Telefonleitung oder einem ISDN-Anschluß. Konventionelle Modems erzielen Übertragungsraten von bis zu 33 600 Bit/s, während der ISDN-Anschluß mit 64 000 Bit/s fast doppelt so schnell ist. Dieser Unterschied spiegelt sich auch in den tatsächlich beim Providertest erzielten Ergebnissen wider. Zum Surfen im Internet genügt ein Modem vollauf, da man die meiste Zeit mit dem Lesen der abgerufenen Information und nicht mit der reinen Datenübertragung zubringt. Wenn dagegen das 'Downloaden' großer Datenmengen im Vordergrund steht, etwa der Sammlertrieb bezüglich Shareware oder gewisser Bildchen befriedigt werden soll, lohnt sich ein schnellerer Draht zum Provider.

Eine billige ISDN-Karte kostet in etwa soviel wie ein billiges Modem, nämlich ungefähr 150 Mark. Der ISDN-Anschluß schlägt jedoch mit einer doppelt so hohen monatlichen Grundgebühr zu Buche wie eine analoge Telefonleitung. Außerdem sind die Anschaffungskosten für ISDN-Telefone (eventuell eine Telefonanlage) höher. Dafür bietet ISDN zwei voneinander unabhängige Kanäle, so daß Frau oder Kind noch telefonieren können, während Papi im Internet surft.

Fast so schnell wie mit ISDN geht es mit '56k'-Modems. Sie können in Download-Richtung, also vom Provider zum Anwender, nach einem neuen Verfahren bis zu 56 000 Bit/s übertragen, in der anderen Richtung dagegen maximal 33 600 Bit/s. Die Standardisierung des 56k-Verfahrens ist noch nicht abgeschlossen. Derzeit konkurrieren zwei Varianten: X2 von US Robotics und K56flex (Rockwell und Lucent). Ein einheitlicher ITU-Standard wird im Januar nächsten Jahres erwartet, und die meisten Modem-Hersteller versprechen, daß sich ihre Geräte auf den neuen Standard umrüsten lassen werden. Insofern kann man schon jetzt relativ beruhigt ein 56k-Modem kaufen, wenn man es denn einsetzen kann. Einige Internet-Provider bieten bereits Zugänge mit 56k-Technik an. Wer sich für einen solchen Provider entscheidet, muß beim Kauf des Modems darauf achten, den richtigen Standard zu erwischen, und darf dann ISDN-ähnliche Leistung zum Analogpreis erwarten.

Wie schon bei den einfachen Büroanwendungen gilt auch für das Surfen im Internet: Die Anforderungen an den Rechner hängen von der persönlichen Arbeitsweise ab. Web-Browser sind mittlerweile sehr speicherhungrige Anwendungen. Wer in mehreren Fenstern gleichzeitig surft, wird von mehr RAM eher profitieren als von einer schnelleren CPU. Die CPU-Leistung kommt hauptsächlich beim Umbrechen von Web-Seiten und Dekodieren von JPEG-Bildern ins Spiel. Ein 486er mit 66 MHz kann mit dem Tempo einer ISDN-Verbindung schon nicht mehr recht mithalten, während das für einen Pentium-166 kein Problem darstellt.

Seit CD-Writer erschwinglich und die Preise für die Rohlinge so günstig sind, erfreut sich die Herstellung eigener Audio-CDs großer Beliebtheit. Die Anwendungen reichen dabei von der Zusammenstellung der Lieblingsmusik fürs Auto über das Überspielen alter Schallplatten auf CD bis hin zur Produktion selbst aufgenommener Musik.

CD-Produktion
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. CD-Writer . . . . .
. Basis-PC
Pentium 166 MMX,
16 MByte RAM,
2-GByte-Platte
15"-Monitor
. Ausbaustufe 1
SCSI-Adapter,
2-GByte-SCSI-Platte (statt EIDE),
CD-Writer mit SCSI-Schnittstelle
. Ausbaustufe 2
4-GByte-SCSI-Platte
.
. 3000 DM . 3400 DM . 3600 DM .
. Sonstiges: Audio-fähiges CD-ROM-Laufwerk (SCSI). Hochwertige Soundkarte zum Aufnehmen von analogen Signalquellen wie Schallplatten; eventuell Soundkarte mit Digitaleingang (SPDIF). .

Um diesem Hobby nachzugehen, braucht man als erstes einen CD-Writer. Da CD-RW-Laufwerke nicht mehr viel teurer als reine CD-Schreiber sind, bietet es sich an, gleich zu einem solchen Laufwerk zu greifen, da es neben der wiederbeschreibbaren CD-RW auch die einmal beschreibbare CD-R brennen kann (mehr dazu ab Seite 120). Beim Beschreiben einer CD-R muß der Rechner die Daten kontinuierlich an den Writer liefern, andernfalls schlägt das Brennen fehl, und der Rohling ist im Eimer. CD-Writer mit SCSI-Schnittstelle sind in dieser Hinsicht noch zuverlässiger als die seit einiger Zeit erhältlichen ATAPI-Geräte. Letztere funktionieren zwar im Prinzip auch, man sollte jedoch den Rechner während des Brennens tunlichst nicht anfassen.

Wer CDs beschreibt, hantiert dabei automatisch mit großen Datenmengen und braucht demzufolge eine große Festplatte. 750 MByte freier Plattenplatz reichen zwar im Prinzip, um die für eine Audio-CD benötigten Daten abzulegen, aber es ist doch hilfreich, das zwei- bis dreifache dieser Kapazität zum 'Rangieren' zur Verfügung zu haben. Eine 4-GByte-Platte ist somit für angehende CD-Schreiber nicht übertrieben. Die Geschwindigkeit der Festplatte ist zwar nicht ganz unwichtig, jedoch kann man diesbezüglich kaum noch etwas falsch machen: Alle modernen Platten sind schnell genug für den CD-Writer, und auch das Schreckgespenst der 'thermischen Kalibrierung' spukt nicht mehr.

Audio-Daten kommen entweder direkt von CD oder von anderen analogen oder digitalen Signalquellen. Dem Einlesen von Audio-CDs widmet sich ein eigener Artikel ab Seite 208. Kurzes Fazit an dieser Stelle: So richtig gut geht es nur mit dem SCSI-CD-ROM-Laufwerk von Plextor, das Audio-Tracks mit zügigen '12×' fehlerfrei einlesen kann. Manche ATAPI-Laufwerke liefern auch passable Ergebnisse, sind aber deutlich langsamer.

Wer analoge Tonquellen digitalisieren will, sollte sich eine Soundkarte mit hochwertigem A/D-Wandler zulegen. Ein Digitaleingang (SPDIF) ist nützlich, wenn beispielsweise ein DAT-Recorder als digitale Tonquelle zur Verfügung steht oder der HiFi-CD-Player zum Audio-Grabben herhalten soll. Mehr über Soundkarten ab Seite 118.

Das im Urlaub mit dem Camcorder aufgenommene Rohmaterial zu einem ansehnlichen Film zusammenzuschneiden, war im Vor-Computer-Zeitalter eine mühselige Geschichte. Seit die Rechner schnell genug sind, um Videobilder in Fernsehqualität zu digitalisieren und in Echtzeit auf die Platte zu speichern und wiederzugeben, tun sich dem Video-Amateur neue Möglichkeiten auf. Kein Hin- und Herspulen auf der Suche nach der richtigen Szene, kein 'kabelsalatiges' Hantieren mit mehreren Videorecordern, einfach das ausgewählte Rohmaterial in den Rechner packen und der Kreativität freien Lauf lassen.

Videoschnitt
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. Videoschnittkarte . . . . . . .
. Basis-PC
Pentium 166 MMX,
16 MByte RAM,
2-GByte-Platte
15"-Monitor
. Ausbaustufe 1
32 MByte statt 16 MByte RAM
. Ausbaustufe 2
SCSI-Adapter
und 4,5-GByte-
SCSI-Platte (statt EIDE-Platte)
. Ausbaustufe 3
9-GByte-SCSI-Platte
.
. 3600 DM . 3770 DM . 4700 DM . 5400 DM .
. Sonstiges: 17"-Monitor dringend zu empfehlen (500 Mark Aufpreis). .

Damit das alles ordentlich klappt, muß man allerdings einiges in entsprechende Rechnerhardware investieren. An erster Stelle steht dabei eine Karte für die Video-Ein/Ausgabe; sie kümmert sich - zumindest in der höheren Preisklasse - gleichzeitig um den Ton. Ein Videobild in Fernsehqualität erzeugt einen Datenstrom von mehr als 20 MByte/s. Die Hauptaufgabe der Videokarte besteht darin, diesen Datenstrom auf ein erträgliches Maß zu komprimieren (12 : 1 bis etwa 3,5 : 1) beziehungsweise bei der Ausgabe wieder zu dekomprimieren. Übrig bleiben je nach Einstellung und gewünschter Qualität ungefähr 1,5 bis 5 MByte pro Filmsekunde.

Damit es bei der Wiedergabe nicht ruckelt, muß die Festplatte diese Datenmenge kontinuierlich ohne Unterbrechung liefern können. Die schnellsten und größten Festplatten sind also für den digitalen Videoschnitt gerade gut genug. Obwohl es EIDE-Platten gibt, deren Datenübertragungsraten theoretisch für den Videoschnitt ausreichen würden, empfehlen die Hersteller von Videoschnitt-Hardware SCSI. Wir schließen uns dieser Empfehlung an: In der Praxis gewährleistet SCSI einen reibungsloseren Multitasking-Betrieb, und der ist beim Videoschnitt besonders wichtig.

Die Speicherausstattung des Schnittrechners sollte mindestens 32 MByte betragen. Die CPU muß für die reine Aufnahme und Wiedergabe nicht allzu viel leisten, hat aber bei der Berechnung von Überblend-Effekten, Titeln und Tricks alle Hände voll zu tun. Ein bißchen mehr als das Minimum an CPU-Leistung kann also nicht schaden. (bo)

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