Des Widerspenstigen Zähmung

Windows XP und Vista die Flausen austreiben

Praxis & Tipps | Praxis

Oft bockt Windows nur ganz subtil. Doch Wehwehchen wie verschwundene Menüpunkte oder gesperrte Schaltflächen können auf Dauer ganz schön nerven. Wer weiß, wo man suchen muss, kann Windows XP und Vista die Flausen austreiben.

Mitunter hat Windows leichten Schluckauf, ohne dass es dafür eine nahe liegende Ursache gäbe. Eine gewohnte Dialogbox ist weg, ein Programm schließt sein Fenster nach dem Start gleich wieder, der Explorer zeigt plötzlich keine Dateinamen mehr oder ignoriert eingesteckte USB-Sticks.

Es kommt auch vor, dass Windows ZIP-Dateien fälschlicherweise als leer betrachtet oder jeden Tag aufs Neue Lösungen für längst gelöste Probleme anbietet. Irritierend auch, wenn ein Installer behauptet, er könne aufgrund einer schreibgeschützten Log-Datei nicht fortfahren – dabei existiert die fragliche Datei gar nicht.

Auch wenn die angeführten Beispiele sehr unterschiedlich aussehen mögen, kann man den dahintersteckenden Problemen mit einer einheitlichen Strategie zu Leibe rücken. Die folgenden Ausführungen gehen davon aus, dass Windows noch halbwegs läuft und hinter den Sperenzchen kein Schädling steckt. Besteht Verdacht auf Virenbefall, sollten Sie zunächst den Artikel auf Seite 96 zu Rate ziehen.

Einige Themen klammern wir im Folgenden ausdrücklich aus: Tipps für einen komplett streikenden PC fanden sich in [1] ; ernsthaften Windows-Havarien sollte man mit dem in [2] vorgestellten Notfall-Windows 2009 zu Leibe rücken; Netzwerkprobleme wurden zuletzt in [3] thematisiert.

Für sich gesehen mögen viele der beschriebenen Schritte trivial wirken. Zusammengenommen ergeben sie jedoch ein bewährtes Rezept, an dem man sich zum Erfolg hangeln kann. Wer vor einem akuten Problem sitzt, übergeht mitunter im Eifer des Herumgestochers grundsätzliche Schritte, die rückblickend schnell zum Ziel geführt hätten.

Wenn Windows sich danebenbenimmt, resignieren manche Anwender einfach. Hat nicht geklappt, wie doof. Wen rufe ich jetzt an? Der erste Hilfeschritt ist so simpel, dass viele ihn ganz verdrängt haben: Einfach noch mal probieren. Ob eine Installation gescheitert oder ein Netzlaufwerk nach dem Neustart wieder verschwunden ist – vielleicht lag es nur an einem vorschnell weggeklickten Fenster oder an einem Vertipper im Kennwort-Feld.

Auch gern unterschätzt wird der alte Spruch: „Wenns nicht tut, hilft Reboot“. Erstaunlich viele Probleme verflüchtigen sich nach einem Neustart, ohne eine Spur zu hinterlassen. Verbissene Computerversteher mögen dabei die Erkenntnis vermissen: Woran lag es jetzt eigentlich? Doch der Erfolg ist sein eigener Lohn.

Ebenso trivial wie oft übersehen: Stellen Sie sicher, dass Windows und die zickige Anwendung auf dem neuesten Stand sind. Zwar hält sich Windows über den eingebauten Update-Mechanismus grundsätzlich auf dem neuesten Stand; zusätzlich sollte man aber auf jeden Fall das jeweils aktuelle Service Pack installieren. Viele der darin enthaltenen Bugfixes wurden nicht über Windows Update ausgeliefert: So enthält etwa das Service Pack 2 für Vista über 600 Hotfixes, die zuvor nur als separate Downloads verfügbar waren.

Vor der Installation eines Service Packs empfiehlt es sich allerdings, das vorhandene System mit einem Imager zu sichern [4] – nicht, dass das Service Pack neue Probleme bereitet, statt alte zu lösen.

Der nächste Anlaufpunkt heißt abermals Windows Update: Über den Internet Explorer (unter Extras) oder über das Startmenü aufgerufen, stellt es auch optionale Software-Aktualisierungen und Verbesserungen der Hardware-Unterstützung zur Auswahl. Dazu gehört möglicherweise ein neuer Grafikkartentreiber, der endlich das nervige Fensterflackern beendet.

Kann man das Bocken auf ein konkretes Programm zurückführen, sollte man auf jeden Fall die Website des Herstellers besuchen – eventuell steht dort längst ein Update bereit. Vor Ort sollte man auch einen kurzen Abstecher zur Support-Datenbank des Herstellers wagen, die eventuell Informationen zu Wechselwirkungen mit anderen Programmen aufführt . Bei Microsoft-Produkten hilft auch hier die integrierte Update-Funktion: Bei Windows XP heißt die Option „Microsoft Update“, unter Vista „Updates für weitere Produkte“.

Übrigens: Nur weil ein Programm eine interne Update-Funktion bietet, bedeutet dies noch lange nicht, dass es sich auch tatsächlich auf dem neuesten Stand hält. So weigerte sich ein x64-Vista immer mal wieder, den Anwender abzumelden – nach minutenlanger Wartezeit blieb nur, den Rechner am Netzteil aus- und wieder einzuschalten. Nach dem Neustart meckerte das Sicherheitscenter, der Virenscanner sei deaktiviert – was das installierte Avira Professional entschieden bestritt: Alle Module liefen, die Signaturen waren aktuell. Bei näherem Hinsehen sagten weder Windows noch der Scanner die ganze Wahrheit. Die Signaturen waren tatsächlich auf dem neuesten Stand, der Avira-Programmcode jedoch nicht. Die konkrete Lösung: Im Kontextmenü des Schirm-Symbols im Infobereich der Taskleiste die Option „Update starten“ wählen – kurz darauf war das Problem erledigt.

Hier steht Avira übrigens nicht alleine: Die meisten Virenscanner aktualisieren zwar selbsttätig ihre Signaturen, das Hauptprogramm hingegen nicht immer. Ein NOD32 2.7 mit aktueller Lizenz lädt zwar brav Signatur-Updates nach, verschweigt aber verschämt, dass zwischenzeitlich zwei neue Versionen des Scanners erschienen sind.

Streng genommen kauft man bei Virenscannern gar keine Software mehr, sondern ein Jahres-Abo für Signatur-Aktualisierungen. Erscheint im Lizenzzeitraum eine neue Programmversion, können bestehende Anwender diese Revision meist ohne Aufpreis installieren; die Zugangsdaten zum Update-Server bleiben gleich.

Tritt ein besonders lästiges Problem zum ersten Mal auf, hilft möglicherweise ein ganz einfacher Trick: die in Windows eingebaute Systemwiederherstellung. Ein paar Mausklicks später ist das System wieder auf dem Stand von gestern; im Idealfall funktioniert dann alles wieder wie gewohnt.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 16/2009.

Literatur

[1] Gerald Himmelein, Retter in höchster Not, Tipps für gängige PC-Pannen, c't 26/08, S. 106

[2] Karsten Violka, Superstick, c't-Notfall-Windows 2009 mit 27 Werkzeugen, c't 26/08, S. 112

[3] Dušan Živadinović, Axel Vahldiek, Erzwungene Zwiesprache, Handreichungen für die Einrichtung von Windows, c't 12/07, S. 128

[4] Karsten Violka, Laufwerkskonserven, Backup per Festplatten-Imager, c't 20/08, S. 148

[5] Karsten Violka, Selbsttherapie, Wie Windows sich selbst fit hält und repariert, c't 15/07, S. 94


"Wenn Windows zickt"

Artikel zum Thema "Wenn Windows zickt" finden Sie in der c't 16/2009:
Rezepte zur Problemlösung S. 84
Beispielfälle aus der Praxis S. 92
Alte Software ohne Admin-Rechte betreiben S. 95
Schädlinge aufspüren und entfernen S. 96

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