Desktop-PC: Intel outside

Desktop-PC: Intel outside

@ctmagazin | Editorial

2019 dürfte Intel wieder der weltweit umsatzstärkste Chip-Hersteller werden. Dennoch hat das Unternehmen im Vergleich mit dem Konkurrenten AMD große Schwierigkeiten zu bewältigen.

In der aktuellen c't-Ausgabe finden Sie drei Desktop-PC-Bauvorschläge mit AMD-Prozessoren – aber keinen mit Intel-CPU. Soweit ich mich erinnere, blieb Intel in den vergangenen 20 Jahren bei unseren "optimalen PCs" noch nie außen vor. Doch während AMD mit dem Ryzen 3000 voranprescht, liefert Intel bloß aufgewärmte Chips – oder fast schon überhitzte.

Intel kann derzeit keine attraktiven Desktop-Prozessoren bauen, weil sich die 10-Nanometer-Fertigungstechnik um Jahre verzögert hat. Und das ist nur eines von vielen Problemen: Auch bei Servern punktet AMD mit dem Epyc gegen Intels Xeon. Der Rechenbeschleuniger Xeon Phi wurde mangels Erfolg ebenso eingestampft wie Atom-Prozessoren für Smartphones, 5G-Modems und Quark-Prozessoren für IoT-Geräte. Die Sicherheitslücken Spectre und Meltdown hat Intel noch immer nicht ganz geschlossen und die Glaubwürdigkeit litt, weil man mehrfach Versprechungen zu neuen 10-Nanometer-Prozessoren brach.

Nur bei Mobilprozessoren liegt Intel weiterhin besser im Rennen – und zu Intels Glück werden mehr als doppelt so viele Notebooks wie Desktop-PCs verkauft. In den beliebten Mini-PCs der NUC-Familie stecken ebenfalls Mobil-CPUs. Doch auch bei Notebooks frischt der AMD-Gegenwind auf: Schon Anfang 2020 wird der Ryzen 4000U erwartet.

Derweil gackert Intel lieber über ungelegte Eier: 2020 möchte man den ersten eigenen Grafikchip Xe bringen und für schlanke Tablets den Hybridprozessor Lakefield. Das ist schön und gut, aber für PC-Schrauber bisher völlig uninteressant – und warten wir mal ab, was wirklich wann kommt. Trotz aller Widrigkeiten geht es Intel jedoch wirtschaftlich blendend: Gerade hat man ein neues Rekordquartal gemeldet. 2019 dürfte Intel wieder der weltweit umsatzstärkste Chip-Hersteller werden.

Ich hoffe bloß, dass das viele Geld den Laden nicht noch träger macht. Es wäre ja gähnend langweilig, wenn AMD mit den Zen-3-Ryzens im kommenden Jahr wieder alleine auf dem Desktop-Siegertreppchen stünde.

Christof Windeck


Dieser Artikel stammt aus c't 24/2019.

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