Die ANC-Playlist

@ctmagazin | c't Labs

Für die Vergleichstests von Kopfhörern mit Active Noise Cancelling (ANC) in c't 6/15 und c't 11/15 kam eine Playlist mit zehn Titeln zum Einsatz. Eine kurze Vorstellung der getroffenen Auswahl.

Die folgenden zehn Titel bildeten den harten Kern des subjektiven Teils des ANC-Tests in c't 2/15 und c't 11/15. Jedes Stück wurde mit jedem Kandidaten an jedem von drei Test-Orten (Büro, Zug, Flugzeug bzw. Server-Raum) mindestens einmal quergehört. Alle stammen aus meiner privaten Musiksammlung. Bei der Auswahl ging es auch darum, dass sie mir nach dem 30. Mal nicht zum Hals heraushängen.

Die Auswahl lässt sich in zwei Gruppen einteilen. Die Titel mit hoher Dynamik führten vor allem zu Tage, wie viel die ANC-Kopfhörer insgesamt dämpfen. Titeln mit bestimmten Bassfrequenzen zeigten auf, in welchen Bereichen die Außengeräusche besonders stark durchdrangen.

Kurz zu den Testumgebungen: Im Büro konnte ich alle Stücke vollständig durchhören. Im Zug und im Flugzeug begrenzte das Transportmedium die Dauer der Tests auf etwa anderthalb Stunden pro Durchgang. Statt wie im Januar ins Flugzeug zu steigen, bin ich für den zweiten Stresstest in den Server-Raum von Heise umgezogen. Das mag ein weniger imposanter Testschauplatz sein, hatte aber den Vorteil, dass die Stücke dort länger anhören konnte. Im Zug und Flugzeug musste ich dauernd die Uhr um Auge behalten: 'Okay, halbe Reisezeit, aber ich bin erst beim dritten von sieben Kopfhörern' ... schwitz.

Alle Hörer habe ich im Kabelbetrieb getestet, um Verfälschungen durch zu niedrige Bluetooth-Bandbreiten zu auszuschließen. Gehört wurde mit einer "zivilen Lautstärke", also ohne sich den Kopf vollzuballern. Es ist, um es noch einmal zu betonen, ein subjektiver Test. YMMV.

Komponist: Bedřich Smetana
Interpret: Polish National Radio Symphony Orchestra
Dirigent: Antoni Wit
Album: Smetana - Má Vlast, 1994

Ich hatte mal den Tontechniker eines Platten-Labels gefragt, welche Aufnahme von "Mein Vaterland" er mir empfehlen könne. Überraschenderweise kam die Antwort nicht aus dem Repertoire seines Arbeitsgebers. Stattdessen riet er mir zu dieser CD von Naxos. Die Einspielung des polischen Radiosymphonieorchesters ist zwar nuanciert, aber weder prätentiös noch abgenudelt.

Zum Test habe ich das Stück erst eingepegelt (ab 8:45 wirds laut), um dann zum Anfang zurückzuspringen. Die Moldau entspringt ihrer Quelle sehr, sehr leise: Oft war im Flugzeug und Server-Raum erst bei 0:14 überhaupt etwas zu hören. Ab 0:25 zupfen die Streicher laut genug, dass sie zumindest im Büro und Zug auffallen sollten.

Interpret: De'Lacy
Album: Hideaway (CD-Maxi), 1994

Stücke mit tiefen Basslines machen deutlich, wie viele untere Frequenzen noch von außen reinkommen. Der Deep Dish Remix von Hideaway peppt die Vorlage so gründlich auf, dass das Original verblasst.

Gegen 1:53 setzt ein tiefer Bass ein, der im Break bei 2:05 so richtig schön zum Tragen kommt: Gesang und Orgel oben, Bassline unten, sonst nix. Im Flugzeug und im Server-Raum war der untere Teil der Bassline zur selten zu hören.

Interpret: Sub Focus
Album: Torus, 2013

Als Sub Focus macht der Brite Nick Douwma vor allem Drum & Bass. Das Album "Torus" verirrt sich zweimal in die House-Ecke, mit großartigen Ergebnissen. "Turn Back Time" enthält zwei Breakdowns, nach denen ein harter Bass voll in die Beine fährt.

Schirmt der Noise-Cancelling-Kopfhörer nicht gut ab, lungern im entscheidenden Bereich schon Frequenzen von außen, was dem Breakdown die Kraft nimmt.

Interpret: Deadmau5
Album: Random Album Title, 2008 (Download)

Für ein notorisches Großmaul komponiert Joel Zimmerman recht anhörbare Instrumentals. Besonders ans Herz gewachsen ist mir die versetzte Struktur von Alone With You. Wie "Chime" von Orbital fasziniert es durch seine vertrackte Einfachheit.

Hier galt es zu überprüfen, ob die Höhen klirren und ob alle vier Töne der Bassline (ab 1:36) durchkommen.

Interpret: Ennio Morricone
Album: The Good, The Bad And The Ugly, 1967 (2004 Remaster)

Den Sergio-Leone-Western "Zwei glorreiche Halunken" muss man schon wegen des Soundtracks lieben. Und wegen Eli Wallach. Und wegen Lee van Cleef. Und ... es ist halt ein toller Film.

Auch dieses Stück will erst eingepegelt werden (ab 1:30). Die verhaltenen Trommelschläge am Anfang waren im Flugzeug nicht immer zu hören. Wichtiger war aber, wie die Trompeten bei 1:16 rüberkommen. Angesichts des Alters der Aufnahme klingen sie immer immer etwas dumpf. Sie sollten aber nicht blechern in die Ohren stechen.

Interpret: Max & Harvey
Album: Space Therapy (Woob Remixes), 2012 (Download)

Max & Harvey ist ein Nebenprojekt von Woob alias Paul Frankland. Dessen Album Album "Woob 1194" schickt den Zuhörer auf faszinierende Kopfreisen: Filmmusik ohne Film.

Auch Space Therapy will erst mal eingepegelt werden (ab 6:06). Im Flugzeug ging es darum, ob man am Anfang nur den Chor hört oder auch den begleitenden sphärischen Klangteppich. Wenn bei 1:27 ein UFO-ähnliches Wabern durch das Stereo-Spektrum schwebt, gehen davon gern Teile im Umgebungslärm unter. Ab der fünften Minute sollte sich das Drama auch in einem Server-Raum entfalten.

Interpret: Bomb The Bass
Album: Megablast (Spenza RMX), 2008

Der Spenza Remix übernimmt das Beste aus dem Original von 1988: den Rap von Merlin sowie die von John Carpenter stibitzte Bassline aus dem Soundtrack von "Assault on Precinct 13".

Wenn die Hi-Hats am Anfang klirren, ist das schlecht. Wenn die Viertonfigur der Bassline ab 0:16 nicht vollständig durchkommt, ist das doppelt schlecht. Dazwischen findet recht wenig statt.

Interpret: Bomb The Bass
Album: Unknown Territory, 1991

Für den Depth Charge Remix hat sich Tim Simenon eine fiese Bassline ausgedacht: Was ab 5:34 stattfindet, kann Lautsprecher ruinieren. Darüber hinaus steht mit Loretta Heywood eine Sängerin mit sehr voller Stimme vor dem Mikrofon.

Die Kopfhörertortur beginnt bei 0:06 mit einem ins Unendliche absackenden Bass. Bei 1:45 setzt eine Bassline ein, von der im Server-Raum oft nur der obere Teil blieb. Bei manchen Testkandidaten wirkt der Gesang stumpf und belegt.

Interpret: Purple Motion
Album: Musicdisk, 2004

Der Finne Jonne Valtonen hat den Soundtrack zu einer der großartigsten PC-Demos der alten Schule beigetragen: "2nd Reality" von der Future Crew. Wir reden von DOS-Zeiten. "Musicdisk" bietet eine Neueinspielung des Stücks; direkt danach folgt das leise "The Wise and the Weak", bei dem der akustische Bass knapp an den Grenzen des Erlaubten abgemischt wurde.

Verschönert ein Testkandidat gern den Klang untenrum, rächt sich das hier sofort: Durch Übersteuerung klirrende Kopfhörer gehören zum widerlichsten, was man auf den Ohren haben kann. Ab 1:40 wollte ich bei einigen Testkandidaten am liebsten gar nicht weiterhören, weil sie nur noch dröhnten und schepperten.

Interpret: Yello featuring Till Brönner
Album: Touch Yello, 2009

Wenn irgendwo Yello draufsteht, ist audiophile Aufnahmequalität angesagt – vom Strom einmal abgesehen. Bei "Till Tomorrow" haucht Till Brönner in seine Trompete, dass Miles Davis neidisch werden könnte.

Auch dieses Stück beginnt mit trockenem Bass. Wenn Herr Brönner gegen 1:04 richtig loslegt, muss das so glasklar klingen, dass man seinen Atem hört. Klingt das Blasinstrument nicht besser als die Trompeten von Ennio Morricone, läuft bei der Abschirmung des Kopfhörers einiges falsch.

Die vollständigen Tests zum Thema Noise-Cancelling Kopfhörer lesen Sie in

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