Die Macher des Podcasts „Lage der Nation“ im c't-Gespräch

Die Macher des Podcast „Lage der Nation“ im c't-Gespräch

Trends & News | Interview

Der Journalist Philip Banse und der Jurist Ulf Buermeyer sprechen in ihrem Podcast „Lage der Nation“ über politische Ereignisse auf der ganzen Welt. Wir haben sie in Münster getroffen.

c’t: Die Lage der Nation zählt zu den meistgehörten Podcasts in Deutschland. Warum?

Ulf Buermeyer: Als wir 2016 gestartet sind, gab es einfach eine große Marktlücke im Bereich ausführliche Diskussion zu aktuellen politischen Ereignissen. Wir hatten das Gefühl, diese Talkshowformate aus dem Fernsehen mit 15-Sekunden-Redebeiträgen, das kanns ja nicht gewesen sein. Wenn man wirklich verstehen will, was politisch vorgeht, dann muss man sich ein bisschen mehr Zeit nehmen, mehr recherchieren, mehr hinter die Kulissen blicken. Der zweite Grund ist, denke ich, dass wir auch bewusst juristische Expertise einstreuen, was in der Presse häufig zu kurz kommt.

c’t: Aber auch das ganze Format ist ja anders als eine Talkshow im Fernsehen.

Philip Banse: Das ist eine Formatstruktur, die im Podcast generell sehr erfolgreich ist: Da sind zwei Hosts, an denen man sich ein bisschen reiben kann. Die kann man doof finden, die kann man mögen. Einer der größten Unterschiede zwischen uns und traditionellen Nachrichtenformaten ist tatsächlich diese persönliche Ebene. Die Lage, das sind Philip und Ulf, und nicht Verlag xy oder irgendein Investor.

c’t: Ist der Podcast ein journalistisches Projekt?

Banse: Ich komme ja aus dem traditionellen, öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und bei aller Lockerheit und aller Gesprächslastigkeit im Podcast fühle ich mich journalistischen Prinzipien verpflichtet: Fehler berichtigen wir. Wir streuen keine Gerüchte. Wenn wir Tatsachen in die Welt setzen, dann haben wir die nach bestem Wissen und Gewissen sorgfältig versucht zu verifizieren.

c’t: Wie viele Hörer hat die Lage der Nation?

Banse: Die Messmethoden sind in der Branche ein extrem diskutiertes Thema. Es klingt total simpel, aber aus technischer Perspektive kann man auf diverse Arten messen, mit Riesenunterschieden. Nach dem von vielen anerkannten Standard des IAB haben wir in den ersten vier Wochen einer Folge vielleicht so 150.000 Downloads, und bei Spotify kommen dann pro Folge noch mal 80.000 bis 90.000 „Streams“ dazu, was nach IAB mit Downloads gleichzusetzen ist.

c’t: Wie viel Aufwand steckt in einer Folge?

Buermeyer: Im Grunde wird die Lage der Nation kontinuierlich vorbereitet. Wir lesen beide eine ganze Reihe von Zeitungen und alles, was uns relevant erscheint, sammeln wir. Im Laufe der Woche kommen 50 bis 100 Links zusammen. Vor dem Podcasten setzen wir uns dann zusammen und erstellen ein Google Doc. Darin stehen Stichworte und Argumente wirklich sehr rudimentär, und das ist nur eine Gedankenstütze fürs Gespräch. Insbesondere sind bei uns die Stichworte nicht vorher verteilt, was sehr wichtig dafür ist, dass sich das Gespräch natürlich anfühlt.

c’t: Wie genau finanziert sich Euer Podcast?

Banse: Wir haben vier Säulen. Das sind zum einen Spenden, nicht im juristischen Sinne, sondern direkte Überweisungen. Dann haben wir Werbung, bis zu zwei Plätze pro Folge. Wir haben ein Abo, so ein Freemium-Spotify-Modell, wo man fünf Euro im Monat zahlen kann, um eine Audiodatei ohne Werbung zu bekommen und Livestreams unserer Auftritte vor Publikum zu sehen. Diese „Lage Live“ ist das vierte Standbein, das nicht geplant war und das sich so entwickelt hat.

Philip Banse (links) und Ulf Buermeyer (rechts) podcasten live vor ihrem Publikum in Münster. Die Sendung steht wenige Stunden später im Catcher bereit.

c’t: Wenn das nicht geplant war, wie ist es dazu gekommen?

Buermeyer: Vor der Sommerpause im ersten Jahr dachten wir, es wäre doch schön, wenn wir uns mit einer Live-Show für ein paar Wochen von der Community verabschieden und uns damit zugleich für den wunderbaren Start der „Lage“ bedanken. Und dann haben wir gesehen, dass diese Live-Formate unheimlich viele Vorteile bieten. Der Podcast ist ein Format, wo sich eine ganz enge Bindung aufbaut zwischen den Menschen, die zuhören und die ihn machen. Und da gibts dann ein großes Interesse, die Menschen mal hautnah zu erleben. Und für uns bietet die Lage Live die einmalige Gelegenheit, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und ganz informell deren Feedback einzuholen.
(hob)

Dieser Artikel stammt aus c't 24/2019.

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