Die Neuerungen von Fedora 12

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Auch mit der zwölften Version befindet sich Fedora an der Spitze der technischen Entwicklungen in der Linux-Welt. Zu den Neuerungen gehören eine erweiterte Hardware-Unterstützung für Kernel-based Mode-Setting (KMS), 3D-Unterstützung für neue Radeon-Grafikkarten und das noch junge KSM (Kernel Samepage Merging), das den Speicherverbrauch virtualisierter Systeme vermindert.

Nur wenige Tage nach der Vorstellung von Ubuntu 9.10 und OpenSuse 11.2 hat nun auch das maßgeblich von Red Hat gesponserte Fedora-Projekt eine aktualisierte Linux-Distribution zum Download freigegeben: Das Constantine genannte Fedora 12. Die beim Fedora-Projekt sonst recht häufigen Verzögerungen in letzter Minute blieben bei der Fertigstellung dieser Version aus. Wie gewohnt wartet das neue Fedora mit einer stattlichen Zahl an Neuerungen sowie einer umfangreichen und aktuellen Software-Ausstattung auf.

Die neue Fedora-Version greift eine Reihe aktueller Entwicklungen auf, die in einigen Wochen und Monaten auch in anderen Linux-Distributionen auftauchen dürften – so wurde das mit dem vor etwas mehr als fünf Monaten freigegebenen Fedora 11 eingeführte Kernel-based Mode-Setting (KMS) weiter verbessert, sodass es jetzt auf dem Gros moderner Systeme zum Einsatz kommt. Auch viele der zahlreichen Verbesserungen im Virtualiserungsbereich dürften die Mitbewerber bald aufgreifen – darunter das noch junge KSM (Kernel Samepage Merging), mit dem sich der Speicherverbrauch in größeren Virtualisierungsumgebungen reduzieren lässt.

Neu ist bei Constantine auch die Einbindung einiger Moblin-Komponenten und der Einsatz von Delta-RPMs. Neben diesen Verbesserungen listet das Fedora-Wiki noch knapp vierzig andere neue Features von Fedora 12. Und selbst in dieser Aufstellung werden diverse kleinere, aber keineswegs unbedeutende Verbesserungen gar nicht oder nur kurz erwähnt, etwa die experimentelle 3D-Unterstützung für neuere Radeon-Grafikhardware und zahlreiche Detail-Verbesserungen an den Open-Source-Treibern für Grafik-Hardware von Nvidia.

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Das mittlerweile von mehr und mehr Distributionen genutzte Kernel-based Mode-Setting (KMS) war durch den flackerfreien, animierten Startvorgang oder die flotte Umschaltung zwischen Text-Konsole und X-Server wohl eine der auffälligsten Neuerungen von Fedora 11. Das Fedora-Projekt legt mit Constantine nach und aktiviert KMS nun auch bei vielen GeForce-GPUs und den Radeon-Grafikkarten der Serien 2000, 3000 und 4000. Da es wie zuvor KMS-Unterstützung für ältere Radeon-Grafikkerne und nahezu alle modernen Mainboard-Chipsätze mit integrierter Grafik von Intel gibt, wird fast das gesamte Angebot der in den letzten Jahren in größeren Stückzahlen verkauften Grafikchips abgedeckt – Fedora 12 wird KMS daher auf dem Gros moderner PC-Systeme verwenden.

Um die grafische Oberfläche kümmern sich die Komponenten von X.org 7.5 – darunter der X-Server 1.7.1 mit seiner Unterstützung für die X Input Extension 2.0 (XI2). Für Nvidia-Hardware konfiguriert Fedora 12 wie dessen Vorgänger standardmäßig den vergleichsweise jungen und seit Fedora 11 erheblich verbesserten Open-Source-Treiber "nouveau". Er beherrscht im Unterschied zum bei vielen anderen Distributionen genutzten Treiber "nv" 2D-Video-Beschleunigung mit aktuellen GeForce-Chips. Auch Mehrschirmbetrieb gelingt mit Nouveau und lässt sich über Programme wie xrandr oder gnome-display-properties konfigurieren, weil der Treiber genau wie die von Fedora automatisch konfigurierten Treiber für AMD- und Intel-GPUs RandR unterstützt.

Vorarbeit

Ursprünglich war erwartet worden, dass die wichtigsten Bestandteile des Anfang Juni veröffentlichten Fedora 11 die Basis für das im nächsten Jahr erwartete Red Hat Enterprise Linux 6 (RHEL6) bilden sollten. Da von der Red-Hat-Distribution für Unternehmenskunden aber bislang noch nicht einmal öffentlich zugängliche Vorabversionen erhältlich sind, dürften mindestens kleine, vermutlich sogar größere Teile von Fedora 12 in die erste version der sechste RHEL-Serie einfließen.

3D-Unterstützung bietet die Nouveau-Version von Fedora 12 jedoch nicht. Dafür soll sie das Aufwachen aus systemweiten Schlafzuständen wie Suspend-to-RAM (ACPI S3) unterstützen. Der Treiber nv beherrscht das nicht, sodass viele Anwender in der Vergangenheit schon allein deshalb auf den proprietären Nvidia-Treiber auswichen, um diesen Stromsparmodus zu nutzen.

Die für die KMS-Unterstützung bei neueren Radeon-GPUs zuständigen und auch in Linux 2.6.32 enthaltenen Änderungen ermöglichen auch 3D-Beschleunigung bei Radeon-Grafikhardware der Serien 2000, 3000 und 4000. Diese Code wird von den Entwicklern aber genau wie der darauf aufbauende Mesa-Treiber noch als experimentell eingestuft. Die 3D-Unterstützung für die neueren Radeon-GPUs ist daher in der Standard-Installation deaktiviert, lässt sich durch Einspielen des Pakets "mesa-dri-drivers-experimental" aber einfach nachrüsten. In einem Kurztest auf einem Testsystem mit 790GX-Grafik (Radeon HD 3300) arbeitete Compiz dann ebenso störungsfrei wie das Spiel Extreme Tux Racer.

Die aktuelle Version von Nvidias proprietären Linux-Grafiktreibern arbeitet unter Fedora 12, sofern man KMS und einen Teil der SELinux-Schutzmechanismen deaktiviert. Die anderen bekannten proprietären Linux-Grafiktreiber wie ältere und aktuelle Catalyst-Versionen von AMD sowie die älteste Version der Legacy-Treiber für ältere GeForce-Grafikkarten laufen nicht, da sie nicht mit den seit Anfang Oktober erhältlichen X-Servern der 1.7er-Serie zurecht kommen. Ähnliche Schwierigkeiten gab es schon mehrfach bei der Vorstellung neuer Fedora-Version, da die Grafikkartenhersteller meist Wochen oder Monate brauchen, bis die Treiber mit neuen Kernel- und X.org-Versionen zusammenarbeitet – besonders AMD hängt oft Monate hinterher. Manchmal unterlassen es die GPU-Hersteller ganz, ihre Treiber an neue Versionen anzupassen oder stellen die Treiber-Pflege still und heimlich ein, was über kurz oder lang auch Nutzer anderer aktueller Distributionen trifft.

Verbessert haben wollen die Fedora-Entwickler auch die Unterstützung für die Monitoransteuerung via DisplayPort. Sofern mehrere Monitore angeschlossen sind, konfiguriert Constantine diese nun automatisch als erweiterten Desktop und nicht mehr im Spiegelbetrieb.

Nachdem Fedora 10 zahlreiche, zwischenzeitlich auch in andere Distributionen eingeflossene Verbesserungen für Webcams brachte, arbeiteten die Fedora-Mitstreiter für Fedora 12 erneut in diesem Bereich und erweiterten unter anderem den Funktionsumfang der libv4l um Weißabgleich, Gamma-Korrektur und eine Whitelist mit Informationen zur Einbaurichtung von Kameras. Außerdem enthält Constantine einige von den Fedora-Entwicklern überarbeitete oder neu geschriebene Webcam-Treiber, die bereits in den offiziellen Linux-Kernel eingeflossen sind oder dort bald einziehen sollen – darunter zwei Treiber für verschiedene Modelle der Logitech QuickCam-Reihe.

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