Unter der Haube, Entwickler-Software, Fazit

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Der Kernel des neuen Fedora basiert auf dem im März freigegeben Linux 2.6.38. Vieles deutet darauf hin, dass sich daran auch während der dreizehn Monate, die jede Fedora-Version ungefähr gepflegt wird, nichts ändern wird. Denn seit der Einführung einer neuen Update-Policy kurz vor der Freigabe von Fedora 14 scheint das Fedora-Projekt keine größeren Kernel-Updates auf neue Versionen des Hauptentwicklungszweig nachzuliefern, wie es vor Version 14 häufig der Fall war; durch die vielen neuen und erweiterten Treiber verbesserten die neuen Kernel früher mit der Zeit die Hardware-Unterstützung von Fedora.

Bei der Vergabe von Namen für Netzwerkschnittstellen greift Fedora nun auf die Hilfe des in einem Kernel-Log näher beschriebenen Tools Biosdevname zurück; der erste Port eines Netzwerk-Device im zweiten PCI/PCIe-Slot erhält dadurch unter Umständen statt "eth0" eine Bezeichnung wie "p2#1", sofern das BIOS via DMI und Co. keine Informationen liefert, um das Gerät genau so zu bezeichnen, wie es auf dem Gehäuse oder den Anschlüssen angegeben wird.

Als eine der ersten Distributionen nutzt Fedora das Ende März angekündigte Verzeichnis /run/ zum Ablegen von Dateien, die für den Betrieb erforderlich sind – etwa Lock- oder PID-Dateien. Das ist insbesondere für Dienste wie Systemd, Udev oder Mdadm wichtig, die sehr früh im Boot-Prozess starten und daher /var/lock und /var/run/ nicht nutzen können, weil möglicherweise später im Boot-Prozess ein anderer Datenträger dort eingehängt wird.

(Bild: fedoraproject.org)

Als Boot-Loader dient weiterhin Grub-Legacy; es gibt Überlegung zum Umstieg auf Grub 2, der Fedora ebenfalls beiliegt. Zur Kompression der Live-Medien setzt Fedora nun auf das aus LZMA hervorgegange XZ-Format. Das packt effizienter als das bisher verwendete Gzip, daher sind die Images mit den Spins nun etwas kleiner oder enthalten mehr Software als zuvor.

Bei der Installation von den Live-Medien muss man Ext4 für die Root-Partition nutzen. Beim traditionellen Installationsmedium kann man nun auch das experimentelle Btrfs auswählen; bei früheren Fedora-Versionen gelang das nur, wenn man einen bestimmten Parameter beim Booten mitgab. Einige Fedora-Entwickler erwägen, Btrfs bei Fedora 16 zum Standard zu erheben; ob das der Fall sein wird, hängt unter anderem von der Zuverlässigkeit des Tools zum Prüfen und Reparieren von Btrfs-Datenträgern ab, das in den nächsten Tagen oder Wochen in einer erheblich verbesserten Version erscheinen soll.

Die meisten der Fedora beiliegenden Python-Programme verwenden Python 2.7.1; beim Interpreter für Python3 stieg Fedora von Version 3.1 auf 3.2 um. Bei Ruby on Rails gab es einen Generationssprung von 2.38 auf 3.0.5.

Die GNU Compiler Collection (GCC) liegt in Version 4.6 bei; durch den Wechsel von Version 7.2 auf 7.3 des GNU Debugger (GDB) erhält Fedora einige Verbesserungen zum Debugging, welche die Feature-Seite zum Umstieg näher erläutert. Für Java-Software legt Fedora jetzt das auf IcedTea6 1.10 basierende OpenJDK und das Java-Plugin IcedTea-Web bei.

Das in Java geschriebene Projekt- und Build-Management-Tool Maven liefert Fedora in Version 3.0.3 mit. Erstmals gehört das in Python programmierte Applikations-Framework Tryton zum Lieferumfang.

Einige weitere Neuerungen von Fedora 15:

  • Erstmals liegt BoxGrinder bei, mit dem sich Appliances erzeugen lassen – also speziell auf ein Nutzungsszenario zusammengeschnürte Pakete aus Software und der von ihr benötigten Betriebssystemkomponenten. Boxgrinder kann Appliances zur Nutzung in Virtualsierungslösungen und Cloud-Platformen erstellen; darunter Amazons EC2 und die Produkte von VMware. Einige Hintergründe liefert das Red-Hat-Blog in "Spotlight Feature: Building Appliances for the Cloud with Fedora 15".
  • Neu ist auch der Firewall-Daemon FirewallD, der Änderungen an der Firewall-Konfiguration ermöglicht, ohne anschließend die Firewall komplett neu aufbauen zu müssen. Dienste können über D-Bus mit FirewallD interagieren und etwa um Änderungen an der Firewall ersuchen.
  • Fedora kann nun einen mit Ecryptfs verschlüsselten Container im Home-Verzeichnis von Nutzern automatisch beim Einloggen einbinden; ein Abschnitt auf der Wiki-Seite zum Feature erläutert die dazu nötigen Schritte.
  • Zum Nachspüren von Stromverschwendern und der Optimierung des Systems im Hinblick auf stromsparenden Betrieb liefert Fedora eine Beta des weitgehend neu geschriebenen Powertop2 mit.
  • RPM machte einen Sprung auf die Version 4.9, die schneller arbeiten und einige "lästige Fehler" beseitigen soll.
  • Ein überarbeitete Version des SELinux Troubleshooters soll einfacher zu bedienen sein; mit ihm lassen sich die Ursachen für Blockaden oder Warnungen durch das Sicherheitsframework SELinux diagnostizieren und beseitigen.

Fedora 15 (Lovelock) (11 Bilder)

Standard-Desktop

Das auf 3D-Unterstützung angewiesene und nicht überall geliebte Gnome 3 dient Fedora 15 als Standard-Desktop.

Mit Gnome 3 und Systemd liefert das neue Fedora zwei große Neuheiten, die bisher keine der anderen großen Linux-Distributionen im Standard-Lieferumfang hat. Auf zwei regelmäßig genutzten Systemen in der Redaktion arbeiten beide Neuerungen schon seit der Beta von Fedora 15 zuverlässig. Auch in anderen Bereichen zeigte das bereits eine Woche vor der Freigabe fertig gestellte Fedora 15 keine erwähnenswerten Probleme.

Das Fedora-Projekt muss sich allerdings darauf einstellen, allerlei Kritik für den Umstieg auf Gnome 3 einzustecken – die gab es schon bei den Vorabversionen, denn manchen Anwendern gefällt die neue Gnome-Generation überhaupt nicht. Es sind allerdings auch immer wieder begeisterte Stimmen zu hören. Das gilt ähnlich aber auch für die Unity-Oberfläche des vor einem Monat vorgestellten Ubuntu 11.04. (thl).

Bezugsquellen und weitere Informationen

Über die Haupt-Download-Seite oder eine Seite mit einer Übersicht über die wichtigsten Downloads sind ISOs mit dem traditionellen Installer sowie die Deskop- und KDE-Spins erhältlich. Bei Auswahl über diese Seite erfolgt der Download im Idealfall über einen nicht allzu weit vom Anwender entfernen Spiegel-Server; alternativ kann man auch Bittorrent zum Download nutzen. Weitere Spins listet eine andere Webseite, die auch Informationen zur Ausstattung und Zielgruppe der Spins liefert.

Über die Fedora-Homepage und einer Subdomain mit Dokumentation zu Fedora finden sich zahlreiche weitere Informationen und Anleitungen zu Fedora 15. Die auf der Dokumentationswebseite erhältlichen Release Notes etwa geben einen Überblick über die wichtige Neuerungen und einige mit ihnen in Verbindung stehenden Detailaspekte. Eine deutsche Version der Release Notes gab es zur Veröffentlichung ebensowenig wie einen deutschen "Installation Guide". Im englischen Bereich des Projekt-Wikis pflegen die Fedora-Entwickler eine Liste mit häufiger anzutreffenden Problemen von Fedora 15.

Im nebenstehenden Text sind viele Webseiten mit weiteren Informationen zu den angesprochenen Neuerungen bereits verlinkt. Es gibt aber noch weitere – in den "Fedora 15 one page release notes" etwa gibt das Projekt einen hübsch aufbereiteten kurzen Überblick über die wichtigsten Neuerungen, während die Fedora 15 Talking Points und das Release Announcement einen solchen in etwas textlastigerer Form geben.

Spins, Remixe und Co.

In den Paket-Depots von Fedora 15 finden sich für die x86-64-Systeme beinahe fünfundzwanzigtausend Pakete, die das Fedora-Projekt zu unterschiedlichen Varianten der Distribution kombiniert.

Die umfangreichste Software-Ausstattung und den größten Einfluss auf die Installation bieten die "traditionellen" Installationsmedien, die das Projekt als CD- oder DVD-ISO für x86-32 und x86-64-Systeme zum Download anbietet; eine abgespeckte Variante dieser ISOs ermöglicht ähnlich wie die über boot.fedoraproject.org erhältlichen Boot-Images eine Netzwerkinstallation. Der Anwender kann bei all diesen Varianten die Paketauswahl beeinflussen und etwa zwischen GNOME und KDE wählen; nicht ganz so gängige Anwendungen oder Desktop-Umgebungen wie LXDE oder XFCE sind allerdings nicht auf den CDs und DVDs enthalten, aber direkt während der Installation auswählbar, wenn man die Online-Depots als Installationsquelle aktiviert.

Ferner bietet das Projekt noch verschiedene "Spins" an – als Live-Medien nutzbare ISOs, die auf unterschiedliche Benutzerkreise abgestimmte Software-Zusammenstellungen enthalten. Ähnlich wie eine Installations-CD von Ubuntu eignen sich Spins nicht nur zum gefahrlosen Ausprobieren von Fedora, sondern auch zur Installation auf Festplatte. Anders als beim traditionellen Installer oder bei der Ubuntu-Installations-CD kann man bei dieser Methode allerdings das Dateisystem für die Root-Partition nicht beeinflussen, sondern muss das Standard-Dateisystem Ext4 nutzen – dafür ist diese Installationsmethode mit einem schnellen Quellmedium rasend schnell.

Der dem Projekt wichtigste Spin ist der mit Gnome ausgestattete Desktop-Spin, denn ihm räumt die Haupt-Download-Seite von Fedora den prominentesten Platz ein; die Spins mit KDE, LXDE und XFCE finden sich auf einer Unterseite. Alle vier sind genau wie die Paket-Depots und die ISO-Images der traditionellen Installationsmedien über hunderte von auf der Welt verteilten Spiegel-Server erhältlich.

Über eine dritte Webseite sind weitere Spins verfügbar – etwa der Fedora Design Suite, Security Spin, Sugar on a Stick oder der auf Spiele fokussierten Games Spin. Letztgenannter füllt eine DVD, die meisten anderen Spins passen auf eine CD.

Die ISO-Dateien von Spins lassen sich mit Programmen wie "dd" auch auf einen USB-Stick übertragen und anschließend booten. Wer einen der Fedora-Spins dauerhaft von USB-Stick betreiben möchte, transferiert diese besser mit dem für Linux und Windows erhältlichen und schon für ältere Fedora-Versionen verfügbaren liveusb-creator auf das USB-Speichermedium. Bei dieser Methode lässt sich nämlich einen beim Start des Spins automatisch eingebundenen Speicherbereich anlegen, auf dem die Distribution alle während des Betriebs geschriebenen Daten ablegt – etwa Dokumente sowie nachinstallierte oder aktualisierte Software.

Mit den Programmen im Paket "livecd-tools" und passenden Kickstart-Dateien lassen sich Distributionen auf Basis der in Fedora enthaltenen Pakete relativ einfach selbst erzeugen. Wer solch eine Distribution weiterverbreiten möchte, darf jedoch die geschützten Fedora-Markenzeichen nicht verwenden; das lässt sich durch Austausch dreier Pakete recht einfach umsetzen. Die Namensregeln des Projekts verbieten zudem, solch selbst erstellte Distributionen bei der Weiterverbreitung als Spin zu bezeichnen. Statt dessen legt das Projekt die Bezeichnung "Fedora Remix" nahe, um die Abstammung der Distribution aufzuzeigen, gleichzeitig aber eine Verwechslung mit den verschiedenen Distributions-Varianten des Fedora-Projekts zu vermeiden.

Nur mit den traditionellen Installationsmedien sind voll- oder teil-automatische Installation via Kickstart oder eine Netzwerkinstallation möglich. Mit ihnen gelingt auch die Aktualisierung älterer Fedora-Installationen; ein Update via PreUpgrade dürfte für die meisten Anwender allerdings die bessere Lösung sein, denn dieser Weg ist komfortabler, schneller und aktualisiert auch Pakete, die nicht auf den Medien enthalten sind.

Alle Fedora-15-Varianten und üblicherweise auch die Remixe nutzen zur Nachinstallation von Software die gleichen Paket-Depots. Daher kann man auch beim GNOME-Spin die den Plasma Desktop des oder andere Pakete des KDE-Spins nachinstallieren und umgekehrt. Über diese Depots lässt sich auch das bei vielen Spins aus Platzgründen nicht enthaltene OpenOffice nachinstalliert – etwa über folgenden, als root auszuführenden Kommandozeilenbefehl:

yum install \
libreoffice-{calc,draw,graphicfilter,impress} \
libreoffice-{writer,xsltfilter,langpack-de}


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