Dateisysteme, Treiber, Infrastruktur

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Einen ganzen Schwung von Änderungen gab es am weiterhin experimentellen Btrfs-Dateisystem, darunter die neue die neue "Delayed Inode Items Operation". Laut Messungen des Entwicklers beschleunigt die Technik das Erstellen von Dateien in bestimmten Situationen um zirka 15 Prozent, das Löschen um 20 Prozent. Neu ist auch die Scrub-Unterstützung; über sie kann man den Kernel anweisen, alle Daten vom Speichermedium zu lesen und dabei die Checksummen zu prüfen, um sicherzustellen, dass alle Daten intakt sind.

Da Btrfs mit Copy on Write (COW) arbeitet, fragmentiert es bei bestimmten Zugriffsmustern schnell. Über die neue Mount-Option "auto_defrag" kann man das Dateisystem nun anweisen, auf kleine und zufällige Schreiboperationen ("small random writes") in existierenden Dateien zu achten, um solche Dateien zur automatischen Defragmentierung vorzumerken.

Ext4 unterstützt nun die "punch hole" genannte und via Fallocate nutzbare Funktion, über die Programme dem Dateisystem mitteilen können, wenn Bereiche innerhalb einer Datei keine Daten mehr enthalten. Das kann etwa für Virtualisierungsprogramme interessant sein, damit das Dateisystem nicht mehr genutzte Speicherbereiche von Festplatten-Images wieder freigeben kann, die als Sparse-Dateien vorliegen. Das XFS-Dateisystem unterstützt nun auch Online Discard, um den jeweiligen Datenträger direkt beim Löschen von Dateien über freigewordene Speicherbereiche zu Informieren – das ist für SSDs und Netzwerkspeicher mit Thin Provisioning interessant.

  • Erst zur sechsten Vorabversion integrierten die Kernel-Hackern die größte Neuerung im Storage-Bereich: Den Isci genannten Treiber für den SAS-Controller in Intels Server- und Workstation-Chipsatz C600, der in den kommenden Monaten erscheinen soll (u. a. 1).
  • Der XHCI-Treiber für USB 3.0 soll bereits jetzt die EHCI/XHCI-Port-Switching-Funktion der Panther-Point-Chipsätze unterstützen; die gehören zu den Ivy-Bridge-Prozessoren, die Intel vermutlich Anfang nächsten Jahres einführen wird (1, 2).
  • Der Treiber k10temp kann mit Linux 3.0 auch AMD-Prozessoren der Familie 15H (Codename "Bulldozer") ansprechen, die im Spätsommer oder Herbst auf den Markt kommen dürften. Der neue Treiber fam15h_power stellt Schnittstellen bereit, über die sich Informationen zum Stromverbrauch von Bulldozer-CPUs auslesen lassen.
  • Das Media-Subsystemen bietet nun Grundfunktionen für DVB-T2-Hardware (1, 2) und bringt einen Treiber für Sonys DVB-T2-Chip CXD2820R mit.
  • In das Media-Subsystem fließt ein Treiber für den von verschiedenen Herstellern eingesetzten DVB-T-Tuner Micronas DRXD ein (u. a. 1, 2). Neu ist auch ein rudimentärer Treiber für Microsofts Kinect.
  • Unter den im Rahmen des Alsa-Projekts entwickelten Audio-Treibern des Kernels findet sich jetzt einer für die PCIe-Soundkarte Digigram Lola und einer für das iSight-Mikrofon von Apple.

Am ARM-Code gab es erste Aufräumarbeiten, nachdem Torvalds in den vergangenen Monaten die Code-Qualität und die Arbeitsweise der zuständigen Entwickler ziemlich deutlich kritisiert hatte. Einige Änderungen gab es am Code zum Neustarten von PCs; durch sie löst Linux den Reboot nun ähnlich wie neuere Windows-Versionen aus (u. a. 1). Das soll Neustart-Probleme auf einigen Rechnern beseitigen, darunter einige Apple-Systeme und Thinkpad-Notebooks.

An einigen Stellen des Kernels haben die Kernel-Hacker das Prefetching entfernt (u. a. 1, 2, 3); also das explizite Anfordern von Daten, kurz bevor diese genutzt werden. Prefetching soll eigentlich die Performance verbessern, weil die Daten so vor der Nutzung in den CPU-Cache wandern. Es stellte sich allerdings heraus, dass manche modernen Prozessoren das in bestimmten Situationen selber so gut beherrschen, dass Prefetching durch den Kernel die Performance verschlechtert. Details hierzu liefert LWN.net im Artikel "The problem with prefetch".

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