Treiber, Infrastruktur, Power-Management

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Der Radeon-Grafiktreiber des Kernel unterstützt nun die Oland-Grafikchips, die auf Radeon-HD-Karten der Serien 8500 und 8600 sitzen (u. a. 1, 2, 3). Auch Unterstützung für AMDs in Kürze erwarteten APUs der Richland-Generation stieß zum Kernel (1, 2). Der Nouveau-Treiber erhielt einige experimentelle Funktionen zur automatischen oder manuellen Lüfterregelung bei den GPUs NV40 und NV50, die auf den GeForce-Grafikchips 6xxx bis 9xxx und 1xx bis 3xx sitzen (u. a. 1, 2, 3, 4). Nvidia-Entwickler Aaron Plattner hat die "prime helpers" eingebracht, mit deren Hilfe die Beta eines neuen Grafiktreibers von Nvidia Optimus-Unterstützung implementiert. Der Grafiktreiber für Intels kommende Haswell-Prozessoren soll deren Grafikkern nun stromsparender konfigurieren, wenn nur eine Display-Pipe mit dem Embedded-DisplayPort (EDP) verwendet wird, wie es bei Notebook manchmal der Fall ist.

Linux 3.9 wird einen Treiber für Intels WLAN-Bausteine der 7000er-Serie mitbringen, die offenbar die schnellen Übertragungsmodi von IEEE 802.11ac unterstützen (1, 2). Das Unternehmen scheint sie in einigen Monaten einführen zu wollen – vermutlich im Paket mit Haswell-basierten Notebook-Prozessoren, die im Sommer auf den Markt kommen dürften.

Größere Umbauarbeiten sollen den Treibercode zur Konfiguration der in vielen modernen Desktop-PCs und Notebook verwendeten HD-Audio-Codecs schlanker und robuster machen. Die Libata-Treiber unterstützten nun Zero-Power Optical Device Drives (ZPODD) – optische Laufwerke, die das System zu Stromsparzwecken nahezu komplett ausschalten kann, wenn keine beispielsweise keine DVD im Laufwerk liegt (u. a. 1, 2).

Mit den Änderungen an den Platform-Treibern stieß ein Treiber zum Kernel, der Chromebooks verschiedener Hersteller unterstützt; darunter auch das Chromebook Pixel (1, 2, 3). Ebenfalls neu ist ein Treiber für APA-I2C-Trackpads von Cypress; ein solches steckt in Samsungs ARM Series 3 Chromebook, das derzeit ein beliebtes Testobjekt bei Linux-Entwicklern mit Interesse an ARM ist. Neu ist auch ein Treiber für das Cypress PS/2 Trackpad, das Dell in seinem Ultrabook mit Ubuntu 12.04 verbaut.

Die Entwickler haben wie geplant die Kernel-Konfigurations-Option CONFIG_EXPERIMENTAL entfernt (u. a. 1, 2). Ursprünglich sollten sich experimentelle Funktionen bei der Kernel-Erstellung nur aktivieren lassen, wenn diese Option gesetzt war. Da die Kernel-Entwickler aber oftmals vergessen haben, bei ausgereiften Funktionen die Abhängigkeit von CONFIG_EXPERIMENTAL zu entfernen, musste man die Option fast immer aktivieren, um einen Kernel für moderne Hardware und Distributionen zu bauen. Das ist auch den Kernel-Entwicklern aufgefallen, daher lassen sie den Ansatz jetzt fallen. Auf tatsächlich experimentelle Funktionen weisen jetzt nur noch die bei der Konfiguration angezeigten Hilfetexte oder Angaben wie "(EXPERIMENTAL)" in der Kurzbeschreibung hin;.

Die Liste der von Linux unterstützten CPU-Architekturen ist wieder um zwei Einträge länger geworden: Linux läuft läuft jetzt auch auf den ARC-Prozessoren von Synopsys sowie den Prozessorkernen Meta ATP (Meta 1) und HTP (Meta 2) von Imagination. Der Code für das Komprimieren und Dekomprimieren von LZO wurde aktualisiert und soll dadurch deutlich schneller arbeiten; auf manchen Prozessoren sogar doppelt so schnell.

Der Kernel-eigene Hypervisor KVM unterstützt in Linux 3.9 erstmals die Virtualisierungsfunktionen einiger Cortex-A15-Prozessoren. Der Xen-Code im Kernel funktioniert mit ARM bereits seit dem Kernel 3.7, wenn man eine Entwicklerversion der kommenden Version 4.3 des Xen-Hypervisors verwendet. Neu im ARM-Code ist auch die Unterstützung für eine "Dummy Virtual Machine Platform", die für Kernel gedacht ist, die als Gast unter KVM oder Xen laufen sollen.

Die Xen-Unterstützung erhielt Treiber, um Prozessoren und Speicher im Betrieb hinzuzufügen (1, 2, 3) – ein Entfernen im Betrieb gelingt vorerst nicht. Bessere Unterstützung für VMware verspricht die Aufnahme der Treiber für VMwares VMCI (Virtual Machine Communication Interface) und die darauf aufbauenden VMCI Sockets (u. a. 1, 2, 3); VMware-Produkte nutzen diese Techniken für die Kommunikation und den Datenaustausch zwischen Wirt und Gast.

Linux 3.9 beherrscht einen "Lightweight Suspend" oder "Suspend Freeze" genannten Schlafmodus, bei dem der Kernel alle Hardware-Komponenten in ihren tiefsten Schlafzustand schickt. Anders als bei einem Suspend-to-RAM (ACPI S3) wird die Stromversorgung der Komponenten dabei nicht abgeschaltet, daher sind die Bauteile schneller wieder einsatzbereit. Dadurch ist aber auch die Leistungsaufnahme höher als beim Suspend-to-RAM; sie soll allerdings niedriger liegen als im normalen Leerlauf, weil der Prozessor tiefer und länger schlafen kann.

Für PCs oder Notebooks ist der Freeze-Zustand eher uninteressant, abgesehen von Systemen, die besonders schnell, auf Tastendruck oder Netzwerkverkehr aufwachen sollen oder die Suspend-to-RAM nicht beherrschen. Manche Smartphones und Tablets nehmen bei dieser Schlafmethode aber kaum mehr Leistung auf als bei Suspend-to-RAM, sind jedoch beim Anschalten schneller einsatzbereit.

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