Treiber für AMDs neue Grafikchip-Generation Update

Linux-Kernel 4.11

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Seite 2: Treiber für AMDs neue Grafikchip-Generation

Bislang gelingt mit Vega-Grafikkarten nur ein Headless-Betrieb. (Bild: AMD)

Support für AMDs Grafikprozessoren der "Vega"-Generation zählt zu einer der größeren Neuerungen von Linux 4.12 (u. a. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7). Für Endanwender ist diese Unterstützung durch den Amdgpu-Treiber aber vorerst eher unbedeutend, denn er kann mit Vega-Karten keine Monitore ansteuern. Letztlich gelingt mit 4.12 daher nur ein "Headless"-Betrieb, der etwa zum Rechnen mit Grafikprozessoren interessant ist. Noch ist dieses Manko kein sonderliches Drama, denn die Ende Juni vorgestellte Radeon Vega Frontier Edition ist ohnehin rar, teuer und für den professionellen Einsatz gedacht. Auf Gamer zielen erst die Grafikkarten der Serie AMD Radeon RX Vega, die AMD Ende Juli zur Siggraph einführen will. Auch diese Modelle dürften viele Hunderter kosten und wegen der Eignung zum Kryptogeld-Mining womöglich schwer zu bekommen sein.

Unklar ist noch, ob der maßgeblich von AMD entwickelte Kernel-Treiber Amdgpu eine Bildausgabe unterstützen wird, bevor Karten mit Vega-GPUs in den Massenmarkt drängen und in Allerwelt-PCs auftauchen. Kernel-Patches zur Monitoransteuerung mit Vega gibt es nämlich durchaus schon. Sie sind Teil der Kernel-Änderungen, die AMD anfangs als DAL (Display Abstraction Layer) veröffentlicht hat und mittlerweile als DC (Display Core) weiterentwickelt. Einigen der wichtigen Grafiktreiber-Entwicklern des Kernels gefiel dieser Ansatz aber von Anfang an nicht. Sie sperrten sich daher gegen die Aufnahme, was zu Debatten mit AMD-Entwicklern führte. Die haben die anfängliche Gegenwehr irgendwann aufgegeben. Seit einigen Monaten überarbeiteten sie den Code daher, damit er irgendwann den Qualitätsansprüchen genügt und in den Kernel einziehen kann. Wie lange das noch dauert, ist ungewiss.

Wer will, kann den Code zur Bildausgabe mit Vega-GPUs aus Entwicklerzweigen nachrüsten. Er steckt seit Version 17.20 auch im Kernel-Treiber der Treiberfamilie AMDGPU-Pro, zu der auch proprietäre Treiber gehören. Auf diesen beiden Wegen lassen sich Vega-Karten daher bereits jetzt als Grafikkarten unter Linux einsetzen. Einen quelloffenen, auf Amdgpu aufbauenden 3D-Treiber gibt es auch schon: Der in Mesa 17.1 enthaltene Treiber Radeonsi unterstützt Vega bereits, erfordert dazu aber eine Vorabversion des im August erwarteten LLVM 5.0. Außerdem beherrscht der 3D-Treiber lediglich OpenGL 3.1, was für viele moderne Games zu wenig ist; Support für das aktuelle OpenGL 4.5 bietet Radeonsi erst mit einer Vorabversion des ebenfalls für August geplanten Mesa 17.2.

Der Nouveau-Treiber des Kernels unterstützt jetzt 3D-Beschleunigung bei Grafikchips aus Nvidias Pascal-Reihe, die bei der GeForce-1000er-Serie zum Einsatz kommt. Zusammen mit dem passenden OpenGL-Treiber aktueller Mesa-Versionen lässt sich den GPUs so eine 3D-Performance entlocken, die für einfache Spiele und Desktop-Oberflächen wie Gnome oder KDEs Plasma typischerweise ausreicht. Nvidias proprietärer Grafiktreiber entlockt diesen GPUs aber deutlich mehr Grafikleistung. Ein Grund dafür: Die freien Treiber werden typischerweise mit einer von Nvidia freigegebenen Firmware gepaart, die keine Wechsel der Geschwindigkeitsstufe erlaubt. Anders als Nvidia proprietärer Treiber kann Nouveau daher die schnellsten und sparsamsten Betriebszustände der Grafik-Hardware nicht ansteuern.

Durch einige weitere Änderungen unterstützt Nouveau nun auch die Grafikchips GP107 der GeForce-GTX-1050-Modelle (u. a. 1, 2). Neu dabei ist auch Support für den Grafikkern GP10B, der in den SoC-Prozessoren der Baureihe Tegra X2 steckt.

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