Die Neuerungen von Red Hat Enterprise Linux 6.5

Test & Kaufberatung | Test

RHEL 6.5 bringt Verbesserungen zur Virtualisierung mit KVM. Neu sind auch TLS-1.2-Unterstützung und einige wichtige Funktionen für moderne Storage-Hardware. LibreOffice macht einen Sprung auf Version 4.0.

Beim jetzt verfügbaren Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 6.5 hat Red Hat eine Reihe von Verbesserungen eingebaut. Sie betreffen RHEL-Nutzer ebenso wie für die Anwender der Red-Hat-Produkte für Clouds (OpenStack, OpenShift Enterprise), Storage (Storage Server) und Virtualisierung (Enterprise Virtualization), die auf RHEL aufbauen.

Die Virtualisierungsfunktion, die auf KVM aufsetzt, unterstützt in der neuen RHEL-Version das Hinzufügen und Entfernen von Prozessorkernen bei Linux-Gästen. Der "Windows Guest Agent", der bei Windows-Gastsystemen unter anderem die Netzwerk-Konfiguration regelt, ist keine Technology Preview mehr, daher ist sein Einsatz durch den Red-Hat-Support abgedeckt. Das bei der KVM-Virtualisierung involvierte Qemu unterstützt GlusterFS, was die Unterstützung für den GlusterFS einsetzenden Red Hat Storage Server verbessert.

Die auf KVM aufbauende Virtualisierungsfunktion von RHEL soll VMwares Virtual Machine Disks (VMDK) besser unterstützen. Genau wie die Funktion zum Einbinden von Micosofts Hyper-V Virtual Hard Disk (VHDX) kann RHEL solche Datenträgerimages aber nur lesen. Virt-v2v soll auch VMs zur Nutzung mit RHEL aufbereiten können, die in VMwares Open Virtualization Format (OVF) vorliegen oder mit Citrix Xen erstellt wurden.

Per Mdadm administrierte Software-RAIDs der Level 0, 1, 5 und 10 beherrschen nun Trim. Die einem RAID zugrunde liegenden Datenträger erfahren dadurch von Datenträgerbereichen, deren Daten etwa durch Löschen von Daten keine Relevanz mehr haben. Das kann Performance und Lebensdauer von SSD steigern. Es ist aber auch für Storage-Server mit Thin Provisioning wichtig, die mehr Speicherplatz offerieren, als ihnen zur Verfügung steht.

Beim Logical Volume Manager (LVM) ist der Einsatz von Thin Provisioning für Locial Volumes und Snapshots keine Technolgoy Preview mehr. Red Hat will zudem die Performance von FUSE (Filesystem in User Space) verbessert haben. Davon soll unter anderem GlusterFS profitieren.

Bei OpenSSL setzt Red Hat auf die Version 1.0.1 und beherrscht dadurch auch Transport Layer Security (TLS) 1.1 und 1.2. Der Red-Hat-Support deckt auch den Einsatz des Precision Time Protocol (PTP) ab; das Protokoll zum Abgleich der Systemzeit wird unter anderem im Wertpapierhandel verwendet, wo mikrosekundengenaue Synchronisation wichtig ist.

Der RHEL6-Kernel basiert weiterhin auf Linux 2.6.32, in den Red Hat allerdings eine Reihe von Treibern und Funktionen aus neueren Kernel-Versionen eingebaut. Darunter ist ein Treiber für den Touchscreen des Lenovo Thinkpad X220 und einer für SSDs mit dem Interface NVMe (NVM Express). Neu ist auch Unterstützung für nicht näher spezifizierte System-on-a-Chips (SOCs) von Intel – vermutlich solche mit der seit einigen Wochen erhältlichen Silvermont-Architektur.

RHEL soll auch AMD-Systeme mit mehr als 1 TByte RAM unterstützen. Neu dabei sind Treiber für 12-Gbps-SAS-Chips von LSI und SAS/SATA-HBA-Controller der Adaptec-Serie 6H und 7H von PMC-Sierra. Zahlreiche Treiber hat Red Hat aktualisiert, um die Hardware-Unterstützung zu verbessern. Dazu gehört der Qlogic-Netzwerktreiber qlcnic, der nun SRIOV unterstützt und so Teilfunktionen der Netzwerkhardware direkt an Gastsysteme geben kann; das Feature gilt bei dem Treiber aber als Technology Preview.

Das neue Kommandozeilen-Support-Tool. (Bild:  access.redhat.com )

Red Hat hat das integrierte LibreOffice von 3.4 auf 4.0 gehoben; Evolution hat einen Sprung von 2.28 auf 2.32 gemacht. Der NetworkManager unterstützt nun Point-to-point protocol over Ethernet (PPPoe). Zudem hat Red Hat ein neues Support-Tool eingebaut. Über das Kommandozeilenprogramm kann man im Kundenportal Red Hat Access nach Hilfe suchen oder auch Fehler melden; ein Red-Hat-Access-Artikel erläutert, wie man diese und andere Funktionen nutzt.

Einen Überblick zu den weiteren Neuerungen von RHEL 6.5 liefern die Release Notes und die sehr detaillierten Technical Notes. Letztere zählen unter anderem die weiterhin als Technology Preview eingestuften Funktionen auf und listen die Änderungen bei Kernel-Treibern für Storage- und Netzwerkhardware.

RHEL 6.5 erscheint rund neun Monate nach der Version 6.4. Damit hat sich Red Hat rund zwei Monate mehr Zeit gelassen als zuletzt üblich, denn zwischen den vorangegangenen Ausgaben der RHEL-6-Reihe lagen jeweils ungefähr sieben Monate. In den nächsten ein bis vier Wochen dürften CentOS und Oracle ihre RHEL-6.5-Nachbauten veröffentlichen; deren Entwickler brauchten in letzter Zeit zumindest nie länger, um ihre kostenlosen Klone der Linux-Distribution fertigzustellen. Red Hat selbst vertreibt RHEL in einem Abomodell.

Schon seit einigen Monaten arbeiten Red-Hat-Entwickler an internen Vorabversionen von RHEL7, wie etwa im Fedora-Umfeld immer wieder zu erkennen ist. Im vergangenen Jahr hatte Red Hat noch eine öffentliche RHEL7-Beta für 2013 in Aussicht gestellt; bislang sind aber noch keine Vorboten einer solche zu erkennen. In der Vergangenheit gab es von neuen RHEL-Generationen meist zwei öffentliche Beta-Versionen, zwischen denen viele Wochen lagen. Sofern sich Red Hat an das bisherige Entwicklungsmuster hält, dürften also noch mindestens sechs Monate vergehen, bis RHEL7 erscheint.

Kommentare

Anzeige
Anzeige