Ext4, aber kein KDE

Test & Kaufberatung | Test

Seite 2: Ext4, aber kein KDE

Das für SLE12 verbesserte Snapper mit Btrfs-Snapshots ist keine neue Funktion; es wurde bereits beim zweiten Service Pack von SLE11 eingeführt, das im Februar 2012 erschien. Bei SLE11 wird es aber nicht standardmäßig verwendet, denn es nutzt Ext3 als Standard-Dateisystem. Bei dieser Version deckt der Suse-Support nur das Lesen von Ext4-Dateisystemen ab; bei SLE12 wird nun auch das Schreiben unterstützt. Die auch bei den Ext4-Machern noch als instabil geltenden Funktionen Bigalloc und Metadata Checksums hat Suse allerdings lahmgelegt.

Auch bei Btrfs, das von seinen Hauptentwicklern bislang noch nicht als stabil eingestuft wird, hat Suse einige Funktionen standardmäßig deaktiviert, die bekanntermaßen unreif sind; darunter die Unterstützung für Kompression, Raid 5 & 6 oder Device Replace. [Update, 28.10.2014, 16:35] Als indirekte Reaktion auf diesen Artikel hat der leitenden Btrfs-Entwickler erklärt, er stufe Btrfs als stabil ein. [/Update]

Beim standardmäßig für Datenpartitionen verwendeten XFS gibt es keine derartigen Einschränkungen. Das Dateisystem nutzt aber das neueste On-Disk-Format, das die meisten Distributionen beherrschen, die in den letzten Monaten erschienen sind; ältere unterstützen es oft nicht.

Standard-Desktop ist Gnome 3.10.2 mit einer "SLE Classic" genannten Oberfläche. Auf den ersten Blick ähnelt sie jener, die Gnome 2.24 bei SLE11 nutzt: Eine Leiste am unten Rand gewährt Zugriff auf Anwendungen, Orte und aktiven Fenster, wie man es ähnlich von Windows kennt; wie dort ist auch die Zeitanzeige ganz rechts. Diese Classic-Ansicht wird durch eine von Suse selbst entwickelte Erweiterung für die Gnome-Shell erzeugt. Alternativ steht auch die Oberfläche "Gnome-Classic" bereit, die Gnome seit Version 3.8 mitbringt und die standardmäßig bei Red Hat Enterprise Linux 7 zum Einsatz kommt.

Der Anmeldemanager startet auf Wunsch auch die normale Gnome-3-Oberfläche, von der ein Teil bei beiden Classic-Varianten zu sehen ist, wenn man die Windows-Taste betätigt. Alle drei Desktop-Ansichten verwendeten dasselbe Systemeinstellungs-Menü, das recht wenig Konfigurationsmöglichkeiten bietet;. Dadurch ist es übersichtlich, manchem aber zu unflexibel. Alle drei Ansichten erfordern einen OpenGL-Treiber; steht keiner für die Grafikhardware zur Verfügung, greift das System auf Llvmpipe zurück, das die OpenGL-Befehle mit Hilfe der CPU ausführt.

Als vierte Desktop-Alternative richtet Suse noch IceWM ein, das auch ohne 3D-Treiber funktioniert. Die Desktops des KDE-Projekts liegen SLE12 nicht bei und lassen sich auch nicht über die Paket-Repositories von Suse nachinstallieren.

Wie beim Vorgänger bringt das neue SLE zwei Hypervisoren zur Virtualisierung mit: KVM und Xen. Treiber für verschiedene Gast-Betriebssysteme stellt Suse wie gewohnt mit dem Virtual Machine Driver Pack (VMDP), Dessen Einsatz ist nicht vom SLE-Support abgedeckt und erfordert einen eigenen Support-Vertrag. Parallel zu SLE12 hat Suse die Version 2.2 des VMDP veröffentlicht, das nun auch Gasttreiber für Windows Server 2012 R2 und Windows 8.1 sowie SLE12 selbst enthält. Neu ist auch ein Werkzeug, das Xen-Gast-Images anpasst, damit sie unter KVM laufen. Die VM-Gast-Treiber des Projekts Open Virtual Machine Tools (open-vm-tools) bringt SLE12 hingegen mit. Sie unterstützen verschiedene Virtualisierungslösungen von VMware, daher können sich Admins die Installation der VMware Tools sparen, wie VMware selbst erläutert.

Die Container-Virtualisierung erfolgt bei SLE12 nicht mehr mit den Userspace-Tools des Projekts LXC (Linux Containers); stattdessen ist es der vollkommen unabhängig davon arbeitende LXC Container Driver der Libvirt. Sie wird auch zur Steuerung von KVM- oder Xen-Gästen verwendet, daher lassen sich Container und VMs nun über dieselbe Software bedienen. Docker liegt ebenfalls bei, hat aber den Status eines "Technology Preview"; es gilt daher noch nicht als "Enterprise Ready" und wird auch von Suses L3-Support nicht abgedeckt. Das gilt auch für den Einsatz der Open-Source-Java-Implementation OpenJDK oder der Arbeitsspeicher-Komprimierung mit Zswap.

Kommentare

Kommentare lesen (40 Beiträge)

Anzeige