UEFI, Kernel, MariaDB

Test & Kaufberatung | Test

Seite 3: UEFI, Kernel, MariaDB

Als Haupt-Bootloader nutzen die x86-Ausführungen von SLE nun Grub 2. Für die Unterstützung von UEFI Secure Boot schaltet Suse den Mini-Boot-Loader "Shim" zu. Bei aktivem Secure Boot gibt es einige Einschränkungen im Betrieb, wie sie auch aktuelle Versionen von Fedora oder Red Hat Enterprise Linux zeigen. Der SLE12-Kernel lädt etwa nur Kernel-Module, die das System als vertrauenswürdig einstuft. Das verkompliziert den Einsatz selbst-kompilierter Kernel-Treiber.

Der SLE12-Kernel basiert auf dem vor knapp einem Jahr veröffentlichten Linux 3.12. Die Distribution ist zum Live-Patching mit Kgraft vorbereitet, mit dem sich manche Sicherheitslücke des Kernel beheben lässt, ohne das System neu starten zu müssen. Ab Ende des Jahres will Suse einen Service anbieten, der diese Funktion nutzt.

Statt Sysvinit verwendet SLE nun die Version 210 von Systemd als Init-System. Um die persistente Systemprotokollierung kümmert sich allerdings nicht das Journal von Systemd, sondern Rsyslog, daher gibt es weiterhin eine /var/log/messages. MySQL liegt nicht mehr bei; stattdessen liefert Suse den MySQL-Fork MariaDB mit. Der hat das Original auch bei vielen anderen Distributionen abgelöst und war anfangs voll kompatibel zu MySQL. Seit der im März gestarteten Versionsreihe 10.0, die SLE12 beiliegt, ist das aber erstmals nicht mehr der Fall.

Durch seine Abstammung von OpenSuse funktioniert bei SLE12 vieles, wie man es von aktuellen Versionen der von Suse geförderten Community-Distribution kennt. Das Systemadministrations-Werkzeug Yast sieht bei SLE12 allerdings ein wenig eleganter aus. Auch der Installer wirkt moderner. Das dort verwendete Design ist dasselbe, das Suse auch bei den Webseiten des Suse Customer Center (SCC) einsetzt. Dies Web-Kundenportal, mit dem SLE12 zusammenspielt, hat Suse erst wenige Tage vor der Einführung von SLE12 offiziell gestartet. Kunden können dort SLE-Abonnements und Entitlements verwalten oder Support-Anfragen stellen; weitere Details erläutert die FAQ des SCC. Mit ihm löst sich Suse weiter von Novell, denn bislang mussten Kunden für die genannten Aufgaben zum Novell Customer Center (NCC) greifen.

Wie bei den Vorgängern gibt es eine Server- und eine Desktop-Variante von Suse Linux Enterprise 12, die gemeinhin als SLES und SLED abgekürzt werden. Über das Benutzerinterface zum Einbinden der neuen SLE-Module lassen sich auch Erweiterungen aktivieren; anders als Module sind diese aufpreispflichtig, daher erfordert das einen Registrierungscode. Eine der angebotenen Erweiterung ist die "High Availability Extension", die es bereits bei SLES11 gibt. Neu ist die "Workstation Extension", über die man Desktop-Programme von SLED unter SLES erhält.

Die Ausführung für die 32-Bit-x86-Architektur hat Suse mit SLE12 aufgegeben, daher gibt es die Distribution nur noch für 64-Bit-Architekturen; konkret x86-64, IBM System z und IBM Power in der Little-Endian-Variante. Beim Support-Zeitraum gibt es große Ähnlichkeiten mit Red Hat Enterprise Linux, denn wie schon bei SLE11 will Suse auch SLE12 zehn Jahre lang pflegen; drei weitere Jahre Support können Kunden über das Long Term Service Pack Support zubuchen.

Nach wie vor wird der Preis eines SLE-Abonnements unter anderem von SLE-Ausführung, Prozessor-Architektur, Zahl der Prozessor-Sockel und dem Umfang des Suse-Supports beeinflusst. Die Webseite nennt beispielsweise knapp 350 Euro (inkl. MwSt) als unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für ein Jahresabo von SLES, das auf einem x86-64-System läuft, das maximal zwei Prozessoren aufnimmt. Mit Suse "Priority-Support" liegt der jährliche Preis bei knapp 1500 Euro.

Weitere Hintergründe zu den Neuerungen liefern die Produktseiten zu SLES und SLED sowie die Release Notes für SLES und SLED. (thl)

Kommentare

Kommentare lesen (40 Beiträge)

Anzeige