Die Open-Source-Strategie von Microsoft

Wissen | Reportage

Ein Gespräch mit Sam Ramji, dem Leiter von Microsofts Open-Source-Labor

Auf der Konferenz Open Source Meets Business(OSMB), die vom 22. bis 24. Januar in Nürnberg stattfand, hatten wir Gelegenheit, mit Sam Ramji zu sprechen. Ramji, verantwortlich für das Open-Source-Labor bei Microsoft, hielt auf der Konferenz eine Keynote (Webcast) und stellte sich anschließend der Diskussion mit Vertretern von Novell, Red Hat und der Linux Foundation sowie dem CIO der deutschen Post (Webcast).

Wenn Sam Ramji über Open Source redet, weiß er durchaus, wovon er spricht: Vor seiner Zeit bei Microsoft baute er unter anderem die mittlerweile von Kodak übernommene Foto-Community ofoto.com auf – rein auf Open-Source-Basis. Als Leiter des Open Source Software Lab hat er bei Microsoft die Nachfolge von Bill Hilf angetreten, der mittlerweile zum General Manager Platform Strategy aufgestiegen ist. In dem Labor beschäftigen sich Ramji und seine Mitarbeiter mit Fragen der Interoperabilität zwischen Windows und Open-Source-Software – in dem Blog Port25 geben sie Einblick in ihre Arbeit. Auf einer eigenen Seite fasst Microsoft alle seine Open-Source-Aktivitäten zusammen.

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Sam Ramji, Leiter von Microsofts Open-Source-Labor

Für Ramji ist Open Source eine von mehreren Methoden zur Softwareentwicklung. Kunden wollen Open-Source-Software einsetzen, Entwickler nach der Open-Source-Methode arbeiten, also unterstützt Microsoft Open Source. Zum einen gibt das Unternehmen eigenen Code als Open Source frei: Auf CodePlex, Microsofts Open- und Shared-Source-Site, finden sich eine Reihe von Projekten unter den von der OSI akzeptierten Lizenzen Microsoft Public License (Ms-PL) und die Microsoft Reciprocal License (Ms-RL).

Zum anderen unterstützt Microsoft Open-Source-Projekte und -Hersteller dabei, ihre Software auf Windows zu portieren: Dem Apache-Team beispielsweise, erklärt Ramji, habe sein Unternehmen mehrere MSDN-Abos überlassen, über das die Entwickler Zugriff auf Microsoft-Software und -Informationen haben – jedes dieser Abos koste normalerweise 4.000 US-Dollar pro Jahr. In den nächsten Wochen habe er einige Firefox-Entwickler nach Redmond eingeladen, die dort die Zusammenarbeit zwischen Firefox mit dem Windows Media Player optimieren wollen.

Aber fördert er damit nicht Konkurrenzprodukte zu den eigenen Angeboten Internet Information Server (IIS) oder Internet Explorer? Das ist für Ramji gar nicht die entscheidende Frage. Wenn ein Anwender Apache oder Firefox benutzen will, soll er das tun – aber bitte auf der Windows-Plattform. Mit dem derzeitigen Marktanteil von Linux, auch im Serverbereich, könne Microsoft gut leben. Wichtig sei, zu verhindern, dass Anwender auf Linux wechseln, um bestimmte Open-Source-Software einzusetzen.

Ramji führt als Beispiel MySQL an, die derzeit wohl meist genutzte Datenbank. Was passiert, wenn ein Unternehmen irgendwann feststellt, dass MySQL den Anforderungen nicht mehr genügt und eine größere Datenbank ins Haus muss? Wenn der Anwender MySQL auf Linux betreibt, wird er auf der Linux-Plattform bleiben und Oracle oder IBMs DB2 nehmen. Läuft MySQL unter Windows, ist auch Microsofts SQL Server eine Option.

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