Die Unsichtbaren

All-in-One-PCs erobern das Wohnzimmer

Test & Kaufberatung | Test

Kein Kabelgewirr mehr auf dem Schreibtisch: Immer mehr Hersteller folgen dem Beispiel iMac und verstecken den Rechner im Monitor. Mit schickem Design und geringer Lautstärke macht solch ein All-in-One-PC auch im Wohnzimmer eine gute Figur.

Ein eigenes Zimmer für den PC-Arbeitsplatz haben nur wenig Haushalte. Meistens soll sich der Rechner in das Wohnumfeld integrieren. Da spielen All-in-One-PCs ihre Vorzüge aus: Sie packen die komplette Rechnertechnik gleich mit in das Monitorgehäuse. Kein zusätzlicher Kasten auf oder unter dem Schreibtisch, kein Strippengewirr. Bei zwei unserer Testkandidaten sind sogar Tastatur und Maus kabellos verbunden; nur das Netzkabel führt vom Bildschirm weg.

Populärer Vorreiter dieser Gerätekategorie ist der iMac. Seit über zehn Jahren verbaut Apple in seiner Consumer-Serie die PC-Hardware im Monitorgehäuse. Waren dies anfangs noch klobige Röhrenmonitore, wanderten die Komponenten mit Einführung der TFT-Panels zuerst in den Sockel der „Tischlampen“-iMacs und schließlich direkt in das Monitorgehäuse.

Mit ihrer Form wirken die iMacs 20" und 24" äußerlich eher wie klassische Monitore im 4:3-Format. Minimalismus ist Trumpf bei Apple. Bei der Tastatur muss man sogar auf den Ziffernblock verzichten.

In den vergangenen Monaten haben auch viele andere Hersteller All-in-One-(AiO-)PCs vorgestellt. Neben den Branchenprimussen Dell, Hewlett-Packard und Sony, welche vergleichsweise leistungsfähige Core-2-Prozessoren verwenden, versuchen nun auch Hersteller außerhalb der Top 5 einen Fuß in diesen Markt zu bekommen. So probieren es beispielsweise Asus, Averatec, MSI oder Shuttle mit Low-Cost-Geräten, in denen billige Netbook-Technik eingebaut ist.

Die Preise der direkten iMac-Konkurrenten mit Doppelkernprozessor beginnen etwa bei 1000 Euro, und sie haben Bildschirmdiagonalen von 19 bis 22 Zoll. Beispiele dafür sind der Hyrican PCK02884, Lenovo A600 oder Sony Vaio VGC-JS2E. Die Grafikeinheit ist oft im Chipsatz integriert. Für Office, Bildbearbeitung und einfache 3D-Anwendungen wie Google Earth und Gelegenheitsspieler reicht dies aus. Leistungsfähigere Grafikchips und Prozessoren – teilweise sogar mit vier CPU-Kernen – findet man in der 2000-Euro-Klasse. Diese Rechner haben dann auch ein Panel mit 24 oder 25,5 Zoll Diagonale und Full-HD-Auflösung (1920 x 1200 Pixeln). Die Spitzenmodelle eignen sich mit umfangreicher Multimedia-Ausstattung wie Blu-ray-Laufwerk, Fernbedienung und TV-Tuner auch als Fernseherersatz.

Vergleichsweise neu sind die billigen All-in-One-PCs mit Intels Atom-Prozessoren für etwa 500 Euro. Zwar kommen die meisten der Atom-Chips immer noch in die boomenden Netbooks, die Vielfalt der Billig-Desktop-PCs – der sogenannten Nettops – wächst momentan aber ebenfalls. Atom-Rechner inklusive Display bieten neben MSI mit dem NetOn AP1900 noch Averatec und Asus an [1].

Wegen ihrer geringen Leistungsaufnahme benötigen Atom-Systeme keine aufwendigen Kühler und passen so leicht in flache Gehäuse. Um die Kosten niedrig zu halten, greifen die Hersteller zu Microsofts ULCPC-Lizenz (Ultra Low Cost Personal Computer). Das bedeutet: Statt des aktuellen Vista ist Windows XP installiert. Bei der Hardware gelten Microsofts Limits, wonach der Rechner maximal 1 GByte Arbeitsspeicher haben und die Festplattenkapazität 160 GByte nicht überschreiten darf. Die Rechenleistung der Atom-Getriebenen bleibt allerdings deutlich hinter der von aktuellen PCs mit Dual-Core-Prozessoren zurück. Schon etwas aufwendiger gestaltete Webseiten mit Flash-Inhalten bauen sich sichtbar langsamer auf. Für Textverarbeitung, Filme in PAL-Auflösung sowie einfache Bildbearbeitung reicht das aber aus.

Bei der Beschaffung der Testgeräte fiel auf, dass einige schon zu Jahresbeginn angekündigte Neuheiten, wie der Shuttle X50 und Lenovo A600, noch nicht zum Test erhältlich waren. Bei dem thüringischen PC-Hersteller Hyrican fanden wir mit dem PCK02884 einen 19"-All-in-One-PC mit Core 2 Duo T3200 und 2 GByte für 999 Euro. Doch Hyrican wollte nicht am Test teilnehmen, da im Zeitraum April/Mai ein Produktwechsel anstehe. Der Kauf im Quelle-Online-Shop misslang ebenfalls: So kam per E-Mail zwar eine Auftragsbestätigung, doch bis zum Testbeginn wurden wir nicht beliefert. Als wir nachfragten, konnte die Service-Hotline die Bestellung nicht mehr im System auffinden. Andere AiO-PCs, wie der ViePC VPC100 von Viewsonic sollen gar erst im zweiten Halbjahr 2009 in den Handel kommen.

Die kürzlich aktualisierten iMacs erreichten uns wenige Tage nach ihrer Vorstellung in zwei Ausführungen: mit 20-Zoll-Panel sowie in der mittlere Ausstattungsvariante des 24"-Modells. Gemeinsam mit dem Dell XPS One, dem Sony Vaio VGC-LV1S und dem MSI NetOn AP1900 bilden sie das Testfeld.

Anders als bei den aus Standardkomponenten zusammengesetzten Desktop-PCs verwenden die Hersteller in den All-in-One-Geräten wie bei Notebooks proprietäre Platinenformate. Nachträgliches Aufrüsten ist daher praktisch unmöglich. Ein All-in-One-PC sollte also bereits beim Kauf die gewünschte Ausstattung besitzen, sonst wird der Platzvorteil schnell hinfällig. Bei Apple, MSI und Sony lassen sich ohne Eingriff eines Service-Technikers immerhin die SO-DIMM-Module des Arbeitsspeichers erweitern. Im Vergleich zu üblichen Speichermodulen sind diese nur etwa halb so lang, genauso schnell und inzwischen nicht mehr nennenswert teurer. Als einziger der getesteten Rechner besitzt der PC von Sony eine Einbaumöglichkeit für eine zweite 3,5"-Festplatte. Ansonsten können Festplatten, TV-Tuner, Blu-ray-Laufwerk oder Cardreader nur extern hinzugefügt werden.

In ihren All-in-One-Systemen verbauen die Hersteller vergleichsweise leistungsschwache Grafikchips beziehungsweise Chipsätze mit integrierter Grafikeinheit, da nur wenig Raum für große Karten und Kühler vorhanden ist. Selbst im Dell-Rechner für 2300 Euro entspricht die 3D-Leistung lediglich einer Desktop-Mittelklasse-Karte für etwa 60 Euro. Mit Ausnahme des preisgünstigen All-in-One von MSI verwenden die Hersteller Displays mit spiegelnder Oberfläche. Dies stört insbesondere bei dunklen Bildschirminhalten, fällt aber auch bei heller Anzeige auf. Abgesehen vom Kippwinkel lassen sich die Bildschirme weder in der Höhe verstellen noch um die Hochachse drehen. Aus Ergonomiegründen sollte beispielsweise die obere Bildschirmkante nicht über Augenhöhe liegen.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 08/2009.

Literatur

[1] Christof Windeck, Kleinpackungen, Zwei Nettop-PCs mit Intel-Atom-Prozessoren, c't 08/25, S. 76

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