Die Web-Pads kommen!

Drahtlos surfen ohne PC

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Gemütliche Surfsessions auf dem Sofa oder im Garten, LAN-Zugriff auch ohne Notebook - Web-Pads sind kleiner und leichter als viele Notebooks und versprechen dem Privatanwender komfortables Surf-Vergnügen ohne Kabel. Im Firmennetz sollen sie als einfach zu bedienendes, mobiles Terminal ihren Dienst verrichten.

Aufmacher

Ein lauer Augustabend mit 20° auf dem Balkon, der Soave steht neben dem Liegestuhl - ideale Voraussetzungen für eine gemütliche Surf-Sitzung. Wenn nur der Desktop-PC nicht im stickigen Arbeitszimmer stünde ... Warum kann mir eigentlich das Internet innerhalb der Wohnung nicht, wie mein Mobiltelefon auch, auf Schritt und Tritt folgen? Dann könnte ich in der Küche Rezepte aus dem Web nachschlagen oder mich gemütlich auf dem Sofa herumlümmeln, während ich die Homepage der Süddeutschen Zeitung besuche.

Als erfahrener PC-Nutzer könnte ich mir zwar heute schon per Notebook und Funkverbindung ein mobiles Surfbrett zusammenbasteln, aber nur fürs Internet ist mir eine solche Installation zu teuer und aufwendig. Außerdem will ich surfen und mich nicht mit Details der Treiberkonfiguration oder anderen Windows-Widrigkeiten herumschlagen. Auch PDAs oder Smartphones sind keine geeigneten Kompagnons für feierabendliche Internet-Streifzüge: Mit ihren winzigen Displays oder WAP-Browsern kommt keine Freude beim Surfen auf - von den Online-Kosten beim Mobil-Telefonieren ganz zu schweigen.

Wie ein mobiler, komfortabler Surf-Begleiter für zu Hause beschaffen sein sollte, davon hatte die Industrie bereits Ende ’98 eine Vorstellung. Damals stellte Cyrix, bereits von National übernommen, sein Referenzdesign eines Web-Pads vor: Das universelle Surfbrett beherbergt seinen Browser in einem flachen Tablett [#literatur [1]] . Es besitzt keine Tastatur; der Surfer bedient es wie einen PDA per Stift und LCD-Touchscreen mit Bildschirmtastatur. Mit dem Internet kommuniziert es, ähnlich einem schnurlosen Telefon, drahtlos über eine Basisstation, die ihrerseits an die Telefondose angeschlossen ist.

Erst jetzt kommen jedoch die ersten Geräte auf den Markt - eine interessante neue Gerätegattung, die sich derzeit alles andere als homogen darstellt. Das Spektrum der Geräte reicht vom in Tablettform gepressten Browser bis hin zum vollwertigen Handheld PC mit drahtlosem Internet-Zugang. Darüber hinaus bieten einige der Web-Pads Zusatzfunktionen: Sie dienen beispielsweise auch als Terminal-Client oder als schnurloses Telefon.

Die Unterschiede zwischen den Geräten beginnen bereits bei den Prozessoren und beim Betriebssystem. Nur einige der Hersteller bedienen sich des Geode-Prozessors vom ‘Erfinder’ der Web-Pads oder einer anderen x86-CPU, etwa von Transmeta. Daneben kommen MIPS- und Strong-ARM-Chips zum Einsatz. Entsprechend heterogen sind auch die Betriebssysteme. Die populärste Plattform unter den Herstellern ist derzeit Windows CE. Daneben arbeiten mehrere an Pads auf der Basis von Linux. Der schwedische Hersteller RSC verwendet für seine Produkte QNX.

Die Software-Ausstattung unterscheidet sich von Gerät zu Gerät erheblich. Auch dass ein Pad unter Windows CE arbeitet, bedeutet nicht, dass es mit einem standardisierten Software-Paket daherkommt. Zwar benutzen alle CE-Pads den Pocket Internet Explorer als Browser. Jedoch besitzen nur einige Surftabletts einen MP3-Player, einen Grafik- oder PDF-Viewer oder Programme zur Darstellung von anderen Multimedia-Formaten. Wer ein Pad mit der kompletten Handheld-PC-Software sucht, inklusive des Personal Information Manager Pocket Outlook, der Tabellenkalkulation Pocket Excel et cetera, findet zurzeit nur ein einziges Gerät auf dem Markt.

Einige Hersteller statten ihre Web-Pads - sowohl solche, die unter CE laufen, als auch solche unter anderen Systemen - dafür mit Anwendungen aus, mit denen sie zu mobilen Terminals für Unternehmensnetze avancieren: Citrix-ICA-, Microsoft-RDP- sowie Telnet-Clients rüsten Web-Pads zu mobilen ‘Thin Clients’ auf, mit denen der Benutzer andere Rechner im Firmen-LAN fernsteuern kann.

Der Benutzer eines CE-Geräts kann zwar zumindest theoretisch zusätzliche Software nachrüsten. In der Praxis scheitert dies jedoch häufig daran, dass Fremdhersteller für die exotischen Systeme, etwa für den Geode-Prozessor, noch keine Software entwickelt haben. Die meisten sind jedoch von vornherein als geschlossene Systeme konzipiert, die sich nicht vom Benutzer erweitern lassen. Ob erweiterbar oder nicht: Der Benutzer ist auf jeden Fall darauf angewiesen, dass der Hersteller die Systemsoftware seines Pads laufend aktualisiert. Immer neue Multimedia-Formate im WWW erfordern - wie beim Desktop-PC auch -, dass die Client-Software laufend erweitert wird. Ob die Hersteller ihre Pads entsprechend aktualisieren, wird sich aber erst in der Zukunft zeigen.

So verschieden die Software-Ausstattungen der Geräte ausfallen, so unterschiedliche Methoden setzen sie ein, um mit dem Netz zu kommunizieren. DECT-Geräte stellen für Einsteiger ohne PC und ohne Computer-Kenntnisse sicher die interessanteste Variante dar. Der Benutzer muss in der Regel nur die Basisstation (Access Point) an die Telefondose anschließen, ein paar einfache Einstellungen bei seinem Web-Pad vornehmen - und schon kann er surfen. Allerdings lässt sich per DECT im besten Fall eine Bandbreite von 552 kBit/s erreichen.

Auch eignet sich DECT nur als Einzelplatzlösung, während sich Wireless-LAN-Systeme auch im Unternehmen einsetzen lassen: Dort können sich mehrere Pads - oder andere Geräte wie Notebooks - eine Infrastruktur aus mehreren Access Points teilen. Geht ein Pad-Benutzer in einen anderen Raum, so sucht sich sein Gerät automatisch den jeweils am besten erreichbaren Access Point, über den es mit dem Netz kommuniziert. Ähnliches gilt für die Konkurrenztechniken Bluetooth und HomeRF.

Pads mit GSM-, GPRS- oder HSCSD-Modem eignen sich, um über Mobilfunknetze auch außerhalb der Grenzen des privaten oder des Firmennetzes zu surfen - allerdings zu den hohen Gebühren der Mobilfunkbetreiber und mit einer maximalen Übertragungsrate von 9,6 beziehungsweise 43,2 kBit/s. Diese Optionen eignen sich daher wohl in erster Linie für professionelle Anwender.

Nicht bei allen am Markt befindlichen Web-Pads ist die Netzwerktechnik fest eingebaut. Einige Geräte besitzen statt dessen nur einen PC-Card-Slot, in dem eine Karte für das jeweilige Funknetz steckt. Damit hat der Benutzer die Möglichkeit, durch einen einfachen Tausch der Karte in ein anderes Funknetz zu wechseln - zumindest in der Theorie: Denn dass eine bestimmte PC-Card existiert, bedeutet noch nicht, dass für das Pad auch Treiber zur Verfügung stehen.

Web-Pads existieren in den verschiedensten Ausprägungen. Das Spektrum reicht vom etwa DIN A4 großen, schlanken Vorzeige-Tablett, das auch im Wohnzimmer nicht unangenehm auffällt, bis zur kompakten, robusten, gut DIN A5 kleinen grauen Maus für den Einsatz im Unternehmen. Standard-Displayauflösung ist 800 × 600 Pixel, es existieren aber auch Geräte mit 640 × 480 sowie mit 1024 × 768 Pixeln auflösenden Displays.

Als sinnvolle Ergänzung verfügen einige Geräte über ein Cradle. Es dient außer als Ladestation auch als Halterung, in der das Pad so ruht, dass der Benutzer senkrecht auf das Display schaut. Nur ein Teil der Cradles ermöglicht es auch, eine Tastatur oder Maus anzuschließen, sodass der Benutzer wie mit einem PC arbeiten kann. In Bezug auf die Ein- und Ausgabeschnittstellen unterscheiden sich die Geräte sehr stark. Ob USB, serielle Schnittstelle, IrDA, Mikrofoneingang zur Spracheingabe oder VGA-Ausgang für einen externen Monitor: Für die verschiedensten Anwendungszwecke existieren Geräte, die die betreffenden Schnittstellen bieten.

Erste Web-Pads sind bereits auf dem Markt; etliche Hersteller haben weitere Geräte angekündigt - siehe Kasten. Stellt sich nur die Frage, ob die durchaus interessanten Web-Pads auch ihre Käufer finden, denn sie sind alles andere als billig: Mindestens 2500 Mark muss man für eines der Internet-Tabletts inklusive der Basisstation auf den Tisch legen - viel Geld für Surf-Komfort im Liegestuhl, vollwertige Notebooks mit Internet-Anbindung kosten kaum mehr.

Der hohe Einstiegspreis bei den Web-Pads ließe sich durch Sponsor-Preismodelle drücken, mit denen Mobilfunkanbieter in der Vergangenheit Handys verkauft haben. So könnten beispielsweise Internet-Provider Web-Pads zunächst unter Preis verkaufen, und sich die restlichen Kosten über einen langfristigen Zugangsvertrag hereinholen. Schon länger heißt es, eine ‘große deutsche Bank’ plane ein solches Bündel mit einem Online-Banking-Zugang.

Etliche Hersteller setzen zunächst auf den Vertrieb von Web-Pads im geschäftlichen Bereich. So will zum Beispiel die Firma frontpath ihr ProGear an Hotels oder Kreuzfahrtschiffe verkaufen, die das Pad ihren Gästen als Komfort-Gimmick auf das Zimmer beziehungsweise in die Kabine legen sollen. Das Unternehmen will auch Krankenschwestern ausstatten, die mit den Pads schnell und einfach Patientendaten erfassen.

Dass das Tablett als Formfaktor für Internet-Appliances oder PC-ähnliche Geräte eine große Zukunft haben könnte, zeigt Microsofts Engagement in diesem Bereich - auch wenn ein Tablett nach Microsofts Vorstellungen ein vollwertiger PC sein sollte. Ob sich Tablet-PCs oder Web-Pads oder beide Konzepte durchsetzen, steht derzeit noch in den Sternen. Aber cool ist es allemal, mit einer flachen Flunder gemütlich in der Verlagskantine zu sitzen und zu surfen. (jo)

[1] www.national.com/news/item/0,1735,333,00.html

[2] Internet Appliance Zone - Portal für Web-Pads und andere Information Appliances

[3] Peter Siering: Sämtliche Wunder, Tablet PC und Windows XP auf Microsofts WinHEC, c't 8/01, S. 16

[4] Jo Bager: Web-Flunder, c't 13/01, S. 74

[5] Lutz Labs: Schöner fernsteuern, c't 22/00, S. 100

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Die Suche nach den Web-Pads: viele Ankündigungen, aber wenig fertige Geräte

Wer über die CeBIT streifte, der konnte den Eindruck gewinnen, dass in diesem Sommer Dutzende unterschiedlicher Web-Pads in den Regalen stehen würden. Auch einschlägige Sites wie die Internet Appliance Zone zeigen bereits Bilder von zig Geräten [#literatur [2]] . Und wer sich auf die Homepages der Hersteller durchklickt, findet dort bereits detaillierte technische Spezifikationen - als ob die Web-Pads bereits zu kaufen wären. Doch will sich der Surfer dann über die Bezugsquellen informieren, muss er enttäuscht feststellen, dass viele Geräte offenbar noch weit von der Marktreife entfernt sind.

So sandte uns die schwedische Firma RSC zwei Versionen ihres Web-Pads namens Lisbon zu, bestückt mit Funkanbindung für DECT und Wireless LAN. Die Tabletts in offenbar handgefertigten Gehäusen waren als ‘engineering samples’ beschriftet und benahmen sich auch so - sie produzierten derart häufig und unvorhersehbar Abstürze, dass wir sie nicht mit in den Test aufgenommen haben. Dabei beeindrucken ihre technischen Daten durchaus: Im Inneren arbeitet jeweils ein QNX-Betriebssystem auf Geode-Prozessoren mit 300 MHz Taktfrequenz. Neben einem Slot für Flash-Speicher besitzen sie einen USB-Port für wahlweise Maus-, Tastatur- oder Drucker-Anschluss sowie Buchsen für Mikrofon und Kopfhörer. Als Browser setzen die RSC-Pads Opera ein. Darüber hinaus bieten sie einen einfachen POP-E-Mailer, einen MP3-Player sowie einen ICA-Client. Mit einer besonders einfachen grafischen Oberfläche richten sie sich primär an Privatanwender.

Andere Firmen waren nicht einmal in der Lage, uns überhaupt ein Gerät zu senden. FIC ver-tröstete uns auf ‘Ende August’, crosstainment auf das vierte Quartal, Compaq gar auf den Anfang 2002. Auch der Tablet PC - Microsofts Vision eines tablettförmigen PC auf Basis von Windows XP [#literatur [3]] - soll erst im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Intel teilte mit, dass das Pad-ähnliche Web-Tablet nicht verfügbar ist. Ob das Gerät, mit dem der Chip-Hersteller viel Marketing-Wind aufgewirbelt hat, jemals erscheint? Egal ob Innolabs, Airspeak, Gericom oder Monec - immer bekamen wir sinngemäß die gleich Antwort: ‘... zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Testgerät ...’. Und Dosch & Amand, deren Freepad wir bereits in [#literatur [4]] getestet hatten, wollte anscheinend wegen des seinerzeit schlechten Abschneidens seinen Ingenieuren mehr Zeit für die notwendigen Verbesserungen geben und stellte uns kein Testmuster zur Verfügung.

Einige Web-Pads haben uns nicht erreicht, weil ihre Hersteller hierzulande zurzeit keinen Markt für ihre Geräte sehen. Sony beispielsweise plant bis auf weiteres nicht, sein Airboard in Deutschland einzuführen. ViewSonics will seinen Tablet PC nur in den USA vertreiben. Der WWW-Tablett-ähnliche Scribor ist hingegen wieder vom Markt verschwunden. Der gleichnamige Hersteller befindet sich im Insolvenzverfahren [#literatur [5]] . In Anbetracht der vielen noch nicht verfügbaren Gerätes sind wir froh, für den folgenden Test acht Web-Pads zusammenbekommen zu haben.

(Noch) nicht verfügbare Web-Pads - eine Auswahl
Airspeak www.airspeak.com/home.html
Crosstainment WWD1 www.crosstainment.com/Products/WWD1/wwd1.html
Dosch & Amand Freepad www.dosch-amand.com/02_products/2_2_mobile_stations/
freepad/de/index.htm
Ericsson Web Screen www.ericsson.com/press/screen01.html
FIC AquaPad www.fica.com/products/ia/Aqua3400/FICAqua3.stm
Hitachi HPW-630 www.hitachi.com/products/information/multimedia/handheld3/
halp-ZZZVAGPP43C.html
Gericom Companion www.gericom.com/cfml/frame.cfm?page=imagelisting&user=
factory_outlet&familie=9997&gruppe=1_1000&caption=
Mobile&Web-Appliances
Innolabs www.innolabs.com.tw/
Intel Web Tablet www.intel.com/home/webtablet/index.htm
Microsoft Tablet PC www.microsoft.com/windows/tabletpc/
Monec Voyager www.monec.com/en/start.cfm
RSC www.rsc.se
Sony Airboard www.sony.co.jp/sd/airboard/main/top_pc.html

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