Die Welt in HD

Hochaufgelöste Inhalte aus dem Netz

Wissen | Hintergrund

Das Internet ist eine reichhaltige Quelle für hochaufgelöstes Filmmaterial: Clips, Dokumentationen und manchen Spielfilm gibt es sogar gratis, den Blockbuster per kostenpflichtigem Video-on-Demand. Und auch die illegale Moviez-Szene schläft nicht.

Als vor 10 Jahren die Napster-Katze an den Türen der Musikindustrie kratzte, erwischte sie die erfolgsverwöhnte Branche auf dem falschen Fuß. In den fetten Jahren der CD-Einführung hatte man den Zug der Zeit schlichtweg verpennt. Plötzlich wurden die teuer produzierten musikalischen Erzeugnisse von der juvenilen Kundschaft am PC gegrabbt, in MP3 gewandelt, kopiert und wanderten fortan in Sekundenbruchteilen per Internet von Nutzer zu Nutzer. Dem illegalen Schreckgespenst Napster konnte man zwar den Garaus machen, am freien Vertrieb ungeschützter Musikdateien jedoch führte – nach langem Zaudern und kurzem DRM-Intermezzo – kein Weg vorbei.

Die Film- und Videoindustrie hat es besser. Zum einen konnte sie sich jahrelang auf den bevorstehenden Tauschrausch im Netz vorbereiten. Zum anderen tickt ihr Produkt grundsätzlich anders als Musik: Bei Filmen genügt den meisten Kunden der Konsum in den eigenen vier Wänden, Musik hingegen begleitet Menschen durch den ganzen Tag. DRM-Systeme, die beim Musikkauf zum Scheitern verurteilt waren, könnten beim Videoerwerb als akzeptabel durchgehen. Doch die Geschichte wiederholt sich. Was in Sachen Video geht, sieht man auch heute eher beim Blick auf die illegalen Moviez-Seiten als in die spärlich bestückten legalen Download-Shops.

Stellt sich die Frage, ob man illegale und legale Filmangebote überhaupt vergleichen darf? Man darf nicht nur, man muss sogar, denn die Web-Community nutzt inzwischen wie selbstverständlich Sharehoster, die GByte-weise Videomaterial an den Mann bringen, oder illegale Streaming-Angebote wie Kino.to – die normative Kraft des Faktischen entfaltet ihre Wirkung. Die Nutzer stören sich nicht einmal daran, dass die Dienste oft mit Abofallen verwanzt sind.

HD-Inhalte zählen dabei zu den „Premium-Angeboten“ im Netz. Da sie naturgemäß bandbreiten- und ressourcenintensiver sind als Videos in Standardauflösung, sind sie zwar seltener zu finden. Doch wer dank HDTV und Blu-ray so richtig auf den HD-Geschmack gekommen ist, wird inzwischen nicht mehr nur auf Tauschbörsen, sondern bei Sharehostern und im wiedererstarkten Usenet fündig. Auf den erschreckend professionell gemachten Seiten gibt es alles, was das Herz begehrt – HD-Mitschnitte von US-Serien sind zum Beispiel meist wenige Minuten nach der Erstausstrahlung online abrufbar. Im Artikel ab Seite 86 (c't 1/11) verschaffen wir uns einen Überblick über die stetig wachsende Moviez-Szene.

Will die Filmbranche die Kunden hinter dem Ofen hervorlocken, muss ihr Angebot die Offerten im Grau- bis Dunkelgraubereich zumindest in puncto Qualität und Kundenfreundlichkeit in den Schatten stellen. Was die aktuellen Video-on-Demand-Dienste zu bieten haben, lesen Sie in unserem Artikel ab Seite 80 in c't 1/11 . Doch wenn es um Gratis-HD-Videos aus dem Netz geht, handelt es sich nicht zwangsläufig um illegale Kopien.

Zu den freien HD-Perlen zählen fraglos die im Rahmen des Open Movie Project rund um das 3D-Animationsprogramm Blender erstellten Filme. „Elephant’s Dream“, „Big Buck Bunny“ und „Sintel“ stehen unter Creative-Commons-Lizenz, sind also mit ausdrücklicher Download-Erlaubnis versehen. Den neuesten Streifen „Sintel“ gibt es derzeit nicht in Full-HD, sondern in der Kino-Auflösung 2K (2048 x 872 Pixel); eine 4K-Version (4096 x 1744 Pixel, Cinemascope-Format) renderte bei Redaktionsschluss noch. Ein Vertriebsweg für die Dateien ist das auf BitTorrent aufsetzende alternative Filme-Portal Vodo.net, das immer einen Blick lohnt.

Auch die meisten Fernsehsender stellen inzwischen Videos in ihre Internet-Mediatheken – sogar viele Spielfilme kann man innerhalb von sieben Tage nach der TV-Ausstrahlung abrufen. Hochaufgelöste Videos sind jedoch Mangelware und bisher nur beim ZDF zu finden, etwa Dokumentationen aus der Reihe „Terra X“ und die beeindruckende Serie „Deutschland von oben“.

Maxdome kennzeichnet Gratisangebote freundlicherweise mit einem grünen Rahmen – auch die spärlichen HD-Inhalte.

Die ARD nutzt HD im Internet nur ab und zu für Live-Streams von Sportgroßereignissen; bei den Privatsendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 gibt es nur SD-Kost. Anders sieht es bei dem von ProSiebenSat.1 betriebenen Video-on-Demand-Dienst Maxdome aus; dort gibt es neben hochaufgelösten Bezahlinhalten (siehe S. 80) auch einige kostenlose HD-Lockangebote. Bei denen handelt es sich jeweils um einzelne Episoden von Fernsehmehrteilern, an deren Produktion die Sendergruppe beteiligt war – etwa „Die Säulen der Erde“, „Die Schatzinsel“ oder „Die Wanderhure“.

Wer die kostenlos in 720p (1280 x 720 Bildpunkte) angebotenen Streifen anschauen will, eröffnet ein Konto bei Maxdome und gibt dabei an, dass er zunächst nur Gratisangebote nutzen will – das erspart die Angabe von Kontodaten.

Nicht nur die deutschen TV-Sender zögern noch, die via HDTV ausgestrahlten Inhalte auch in die Mediatheken hochaufgelöst einzustellen. Beim US-amerikanischen Vorzeigevideoportal Hulu gibt es HD nur für Kunden, die für den Luxus, sich vom Senderaster abzunabeln, ein Hulu-Plus-Abo abschließen. CBS passt die Streaming-Datenrate automatisch an die Internet-Bandbreite des Nutzers an, doch auch wenn „HD“ aufleuchtet, kommt nur 640 x 360 an – der Sender unterscheidet nämlich zwischen „HD“ und echten hochaufgelösten Inhalten in „720 HD“ respektive „1080 HD“.

Einzig bei der britischen BBC gibt es vereinzelte Sendungen in 720p (www.bbc.co.uk/iplayer/tv/bbc_hd ). Allerdings bleibt der Zugriff auf die HD-Inhalte der Mutter aller öffentlich-rechtlichen Anstalten den Briten vorbehalten. Zwar soll der auch als separate Software erhältliche „BBC iPlayer“ in Kürze international veröffentlicht werden, allerdings zunächst nur für Apples iPad. Ob der iPad-iPlayer auch HD-Inhalte abspielen können wird, ist fraglich.

Google-Tochter YouTube wartet momentan vermutlich mit den meisten HD-Clips auf; im November ließ das Unternehmen verlauten, dass jede Minute rund 35 Stunden neues Videomaterial auf die Streaming-Plattform hochgeladen werde – da kann kein anderes Portal mithalten. Zwar ist YouTube als eines der letzten großen Internet-Videoportale ins HD-Business eingestiegen, hat dafür aber umso schneller zugelegt. Seit gut einem Jahr unterstützt das Portal Full-HD-Auflösung (1080p: 1920 x 1080) – seit Juli 2010 sogar 4K (4096 x 2304 Bildpunkte, 16:9-Format), was allerdings kein Rechner glatt abspielen kann. Schade nur, dass man YouTube nicht mehr gezielt nach HD-Inhalten durchsuchen kann. Man kann lediglich im YouTube-Konto unter „Einstellung für Wiedergabe“, Video-Wiedergabequalität, „Immer die besten Option entsprechend meiner Player-Größe“ auswählen und „Video beim Umschalten in den Vollbildmodus immer in HD abspielen (falls verfügbar)“. Allerdings zeigte YouTube bei unseren Versuchen beim Umschalten auf Vollbildbetrieb nur 720p an, selbst wenn das Video in 1080p verfügbar war.

Derzeit bekommt man YouTubes HD-Inhalte am bequemsten mit YouTube  Leanback aufs Display.

Der bequemste Weg für YouTube HD am PC ist momentan „YouTube Leanback“ (www.youtube.com/leanback ), weil hier automatisch HD abgespielt wird – sofern verfügbar. Ins Wohnzimmer bekommt man YouTube Leanback momentan nur mit Hilfe eines Media-Center-PC oder der nagelneuen Boxee Box von D-Link; Apple TV beherrscht es ebenso wenig wie die meisten Internet-fähigen Fernseher. Einzige Ausnahme sind die Geräte von Toshiba (siehe [2] ).

Mit der Bequemlichkeit ist es allerdings schnell vorbei, wenn es bei jedem zweiten Video heißt, „Dieses Video enthält Content von XYZ. Es ist in deinem Land nicht verfügbar“ – weil die GEMA Lizenzforderungen stellt, auf die Google nicht eingehen will. Auch schön: „Dieser Partner hat das Video in deinem Land aus urheberrechtlichen Gründen gesperrt“. In diesem Fall kann man nur zum nächsten Clip springen oder sich – zumindest virtuell – in ein anderes Land begeben: Mehr dazu im Kasten auf Seite 78 in c't 1/11 .

Der HD-Pionier unter den Videoportalen Vimeo liefert Videos in 1080p; inhaltlich liegt das Niveau deutlich über den meisten YouTube-Videos – unabhängige Filmemacher, Musikvideoproduzenten und andere Kreative stellen ihr Material bewusst nicht bei YouTube ein; Vimeo hat sich so den Nimbus des Edel-Streaming-Portals bewahren können. Der Großteil der Videos liegt in HD vor, im „HD Channel“ (www.vimeo.com/HD ) präsentieren die Betreiber die besten knapp 1500 Produktionen.

Beim deutschen Portal Sevenload gibt es nominell auch HD, die Videos sehen allerdings eher nach SD aus. Möglicherweise ist das der Grund, weshalb Sevenload die Inhalte gut versteckt. Nur über die direkte URL http://de.sevenload.com/suche/<Suchbegriff>/videos?noTagForward=0&hdOnly=1 (Suchbegriff einsetzen) kann man sie zutage fördern. Für weiteren HD-Nachschub sorgen in der Zwischenzeit beispielsweise blip.tv, ExposureRoom und Veoh [1] .

Eine weitere schier unerschöpfliche HD-Videoquelle sind Podcasts. Davon bekommt man sogar einiges auf Internet-Fernsehern, Apple TV und anderen Streaming-Boxen zu sehen [2] . Hat man seinen Lieblings-Podcast abonniert, kümmert sich die Podcast-Software automatisch um den Download der neuesten Folgen, sodass man sie auch bequem unterwegs anschauen kann.

Die beiden größten Podcast-Sammler für HD-Inhalte sind Apples iTunes Store und die plattformübergreifende Software Miro. Bei iTunes findet man die überwiegend englischsprachigen HD-Videos unter Podcasts, Video-Podcasts, HD oder über den am Ende des Artikels angegebenen Direkt-Link. Darüber hinaus kann man im Bereich „iTunes U“ Vorlesungen abonnieren, beispielsweise von der Yale oder Stanford University. Anders als die „normalen“ Podcasts kann man diese nicht gezielt nach Hochaufgelöstem durchsuchen. Auf iPad, iPhone 4 und iPod touch (4. Generation) lassen sich die HD-Podcasts ohne Umwege herunterladen und wiedergeben.

Mit den Vorlesungen kann Miro zwar nicht aufwarten, dafür zapft es weitere Quellen wie Vodo, ClearBits und verschiedene Video-Feeds an. Der ähnlich gelagerte, 2007 zum „HD-Videonetzwerk“ Vuze erweiterte BitTorrent-Client Azureus kann mit dem Umfang des Podcast-Angebots von Miro nicht mithalten.

Der 2007 um das HD-Videonetzwerk „Vuze“ erweiterte BitTorrent-Client Azureus macht eine traurige Figur: Statt wie damals mit Bezahlinhalten von BBC wartet er nur noch mit Podcasts auf – die bekommt man aber auch bei Miro oder anderen Podcast-Aggregatoren.

Schon heute genügt das Gesamtangebot an frei verfügbaren HD-Inhalten für so manchen kurzweiligen Videoabend mit Freunden. Die große, hochaufgelöste Samstagabendunterhaltung ist indes nur gegen bare Münze zu haben – oder in den Untiefen des Netzes. (vza)

[1] Dr. Volker Zota, High Definition Internet, Zehn Videoportale mit HD-Unterstützung, c’t 22/09, S. 124

[2] Nico Jurran, Ulrike Kuhlmann, Fernsurf-Geräte, Was Internet am Fernseher aktuell bringt, c’t 23/10, S. 108

www.ct.de/1101076

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 1/2011.

HD-Filme aus dem Netz

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