Die Woche: Ab in die Cloud?

@ctmagazin | Kommentar

Es ist kaum möglich, den Datenbestand von Smartphones und Tablets lokal mit einem Linux-PC abzugleichen. Zwingt so die zunehmende Verbreitung von Mobilgeräten Linux-Anwender in die Cloud?

Schöne, mobile Welt: Adressen, E-Mails, Termine, Musik und andere Dateien kann man nicht nur auf dem Desktop-PC verwalten, sondern möchte sie auch auf dem Smartphone oder Tablet stets zur Hand haben – und zwar möglichst automatisch synchronisiert. Da Mobilgeräte eine höhere Sterblichkeitsrate als Desktop-PCs haben und zudem leicht abhanden kommen, ist außerdem ein regelmäßiges Backup von Kurznachrichten, Anruflisten, Adressdaten, Kalendereinträge und Dateien angeraten.

Wer als Linux-User freilich glaubt, dass mit einem Android-Smartphone oder -Tablet – auf dem ja letztlich auch ein Linux-System arbeitet – das Abgleichen sämtlicher Daten zum Kinderspiel würde, liegt falsch. Ist das Gerät per USB angesteckt, lassen sich zwar Dateien, Musik und Fotos noch ohne Probleme auf das Mobilgerät verfrachten oder von dort herunterladen. Für verschickte und empfangene Nachrichten, Telefonbuch, Kalender, Notizen und Einstellungen gilt das allerdings nicht. Eine Hersteller-Software, mit der sich unter Linux ein vollständiges Backup anfertigen ließe, fehlt in der Regel.

Cloud-Anbieter versprechen Abhilfe – oder besser gesagt, dass sie die privaten Daten stets parat halten und zudem sicher verwahren. Am einfachsten lassen sich Android-Mobilgeräte natürlich mit Google synchronisieren; aber auch andere Anbieter tummeln sich in diesem Markt und bieten wie Ubuntu One oder Dropbox zumindest das Synchronisieren von Dateien und Musik an. Bei Kalender und Adressdaten erledigt Google die Synchronisation automatisch. Mit einer Android-App wie SMS Backup+ lassen sich auch Kurznachrichten und Anruflisten in das Google-Konto verfrachten.

Aber nicht alle wollen ihre Daten in die Hände eines Cloud-Anbieters geben. Selbst wenn dieser vertrauenswürdig erscheint, sind kleinere Unfälle und größere Katastrophen nicht ausgeschlossen. Gelangen dabei private Daten in die Öffentlichkeit, lassen sie sich nicht einfach wieder zurückholen. Insbesondere Adressdaten, private Termine und Nachrichten wollen viele Anwender aber sowieso keinem Cloud-Speicher anvertrauen. Und auch Firmen dürften Einwände haben, wenn ihre Daten auf ausländischen Servern mit laschen Datenschutzbestimmungen lagern oder sensible Firmendaten in Dropboxen gesichert werden.

Für das Synchronisieren von Dokumenten, Kontakten und Terminen lässt sich auf einem Server eine eigene Groupware aufsetzen, beispielsweise mit Funambol. Mobilgeräte können dann via ActiveSync Daten mit dem Groupware-Server abgleichen. Weniger aufwendig und auch für Einsteiger zu handhaben ist Owncloud, das sich auch auf einem simplen Webspace betreiben lässt. Das Abgleichen von Dateien klappt hier via App, Termine und Adressen muss man per CardDAV und CalDAV mit den entsprechenden Apps abgleichen. Für Anwender, die nicht sowieso ein NAS oder einen eigenen Webserver besitzen, dürfte aber auch diese Lösung schlicht zu umständlich sein.

Während Windows-Anwender für die Datensicherung einfach auf eine Software des Geräteherstellers zurückgreifen und ein Backup ihrer Daten auf dem lokalen PC ablegen, bleiben Linux-Anwender auch hier außen vor. Die Hersteller-Software gibt es in der Regel nicht für Linux und häufig lässt sie sich auch nicht mit Wine oder Crossover betreiben. Programmalternativen wie MyPhoneExplorer, das es ebenfalls nur für Windows gibt, fehlen. Letzteres lässt sich laut Wine-Datenbank mittlerweile immerhin eingeschränkt mit Wine via WLAN nutzen.

Samsung bietet für seine Mobilgeräte Browserzugriff via Kies Air. Herunterladen lassen sich aber nur Dateien und Fotos.

Dabei gibt es sogar Anwendungen für den Zugriff auf Smartphones und Tablets. Samsung bietet für seine Mobilgeräte Kies Air, mit dessen Hilfe sich auch unter Linux über eine Web-Oberfläche im Browser auf Fotos, Dateien, Kontakte, Anruflisten, Termine und Kurznachrichten zugreifen lässt. Sogar der SMS-Versand und das Anlegen neuer Kontakte und Termine ist möglich. Herunterladen lassen sich aber nur Fotos und Dateien. In etwa dieselben Funktionen, wenn auch mit schickerer Oberfläche, bietet die Android-App Airdroid, aber auch hier fehlt eine umfangreiche Downloadfunktion.

Das Abgleichen von Daten ist für Linux-Anwender also nach wie vor beschwerlich und oft siegt letztlich das Komfortbedürfnis. Ganz nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" landen mit der Zeit mehr und mehr Daten dann schließlich doch bei einem Cloud-Anbieter. Wer seine Daten aber für sich behalten will, muss im Zweifel einen großen Aufwand treiben oder auf manches verzichten. (lmd)

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