Die Woche: Alle gegen Microsoft

@ctmagazin | Kommentar

Das ist schon eine beeindruckende Allianz, die sich da gegen Microsoft zusammengetan hat: Von der EU-Kommission über Mozilla und Google bis zu Adobe, IBM, Oracle, Red Hat und Sun. Aber es geht auch um nichts weniger als um das offene Internet.

Das ist schon eine beeindruckende Allianz, die sich da gegen Microsoft zusammengetan hat: Auf politischer Seite die EU-Kommission, aus dem Open-Source-Lager die Mozilla Foundation und die Free Software Foundation Europe (FSFE), zudem der Browser-Hersteller Opera sowie Microsofts Web-Intimfeind Google. Und über das European Committee for Interoperable Systems (ECIS) sind zahlreiche Firmen im Boot, die in der IT-Welt Rang und Namen haben, darunter Adobe, Corel, IBM, Nokia, Oracle, RealNetworks, Red Hat und Sun Microsystems.

Auf der Agenda steht die Bündelung von Microsofts Internet Explorer mit MS Windows. Der Europäischen Kommission geht es dabei vor allem um den Wettbewerb zwischen verschiedenen Webbrowsern, den Microsoft mit der Bündelung behindere. Das erschwere Produktinnovationen in diesem Bereich und vermindere so letztlich die Auswahl für die Anwender. Vorbild des Verfahrens ist der Streit um die Bündelung des Media Players mit Windows, der 2004 mit einem hohem Bußgeld und diversen Auflagen für Microsoft ausging.

Opera, die Mozilla Foundation und Google sind als Browser-Hersteller unmittelbar Leidtragende des Umstandes, dass die meisten Internet-Nutzer mit Windows und dem dort vorinstallierten IE surfen. Google dürfte auch aus anderen Gründen daran interessiert sein, die Dominanz des Microsoft-Browsers im Web zu vermindern, bietet der IE Microsoft doch ein probates Mittel, eigene Technologien wie Silverlight und Web-Angebote prominent zu präsentieren. Die Free Software Foundation engagiert sich, weil es um offene Standards und gegen proprietäre Software geht.

Und der Branchenverband ECIS? In der Pressemitteilung betont man, wie wichtig ein offenes und dynamisches Internet für die Welt ist – von Geschäftsanwendungen über E-Commerce und den Angeboten der öffentlichen Hand bis zu sozialen Netzwerken "wird das Internet immer mehr zum Rückgrat von Wirtschaft und sozialem Leben", so der Branchenverband.

Die Fronten sind damit geklärt: Auf der einen Seite Microsoft mit seinem Wunsch, Schlüsseltechnologien des Internet zu kontrollieren, auf der anderen Seite die Politik und der Rest der IT-Branche, denen es um ein offenes, sprich: technologie-neutrales Internet geht. Oder?

Ganz so einfach ist es nicht. Nicht nur Opera, Mozilla und Google konkurrieren im Web mit Microsoft: Adobes Flash, derzeit Quasi-Standard für Video-Filmchen im Internet, gerät allmählich durch Microsofts Silverlight unter Druck. Im Bereich Streaming Media konkurriert RealNetworks (keinsweges offenes) Format mit dem Windows-Media-Protokoll. Sun propagiert Java als Sprache für das Web, Microsoft setzt .NET dagegen. Red Hat konkurriert bei den Server-Betriebssystemen, Oracle bei den Datenbanken mit Microsoft – je Microsoft-zentrierter das Web wird, desto größer die Versuchung, auch auf der Serverseite MS-Produkte zu verwenden. Kurz und gut: Nahezu alle Firmen haben ein konkretes wirtschaftliches Interesse daran, dass das Internet offen bleibt.

Was aber auch zeigt, wie breit Microsofts Ansprüche im Internet aufgestellt sind: Von der Business-Anwendung bis zu Multimedia-Sites hat Microsoft für fast jede Nische im Internet ein Komplettangebot zu bieten. Und da, so kann man durchaus mit Recht argumentieren, wird es dann doch gefährlich – der große Erfolg des Internets beruht schließlich darauf, dass die offenen Internetprotokolle eine maximale Interoperabilität ermöglichen. Ob das für ein Internet auf Basis von Microsoft-Technologien auch noch so gelten würde? Diskutieren Sie mit! (odi)

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