Die Woche: Ambitioniert gescheitert

@ctmagazin | Kommentar

32 Millionen US-Dollar wollte Canonical binnen eines Monats einwerben, um die Fertigung des Super-Smartphones Ubuntu Edge zu finanzieren. Am Ende bekam man mit der größten Crowdfunding-Initiative aller Zeiten nicht einmal die Hälfte davon zusammen. Trotzdem ein Erfolg.

Nichts Geringeres als die größte Crowdfunding-Initiative aller Zeiten hatte Canonical ins Leben gerufen, um das selbst entworfene Super-Smartphone Ubuntu Edge fertigen zu lassen. Investitionen von 32 Millionen US-Dollar wollte man dafür von Privatleuten und Firmen einsammeln – genug Geld für rund 50.000 Smartphones, die übliche Chargen-Größe bei Auftragsfertigern. Kein utopisches Vorverkaufsziel, wie Jolla gerade erst bewiesen hat – die erste Fertigungs-Charge des Sailfish-OS-Smartphones ist nach drei Monaten weg.

Doch bei Canonical bekam man bis zum Ablauf der Crowdfunding-Initiative nicht einmal die Hälfte der angepeilten Summe zusammen. Nun werden die Gelder wieder an die Investoren zurückgegeben, das Projekt Ubuntu Edge ist gescheitert. Schon im Vorfeld hatte Mark Shuttleworth in der FAQ auf Indiegogo erklärt, dass das von Canonical entworfene Smartphone im betont kantigen Look nur bei Erreichen der Mindestsumme gebaut würde. Jetzt will Canonical Hardware von der Stange einsetzen und darauf Ubuntu Phone portieren.

Trotz allem ist die Aktion ein Erfolg – vor allem für Canonicals PR-Abteilung. Allein durch das aberwitzig hohe Ziel von 32 Millionen US-Dollar war Canonical die Aufmerksamkeit der Medien gewiss. Dazu hätte die komplette erste Charge von 50.000 Geräten binnen 31 Tagen vorab verkauft werden müssen – zu viel, wie sich gezeigt hat. Durch seine Sekt-oder-Selters-Ansage hat Shuttleworth aber dafür gesorgt, dass die Interessenten ihrerseits die Werbetrommel gerührt und andere für die Aktion zu begeistern versucht haben, nur um sicher sein zu können, letztlich ein Ubuntu Edge kaufen zu dürfen.

Canonical-Gründer Mark Shuttleworth weiß das Engagement der Ubuntu-Anhänger durchaus zu schätzen, was man aus seiner Stellungnahme zum Scheitern der Crowdfunding-Initiative erkennen kann. So will sich Canonical bei den umtriebigsten Werbern persönlich bedanken.

Auch bei den Herstellern dürfte Canonicals Crowdfunding-Initiative viel Aufmerksamkeit genossen haben. Schließlich haben rund 20.000 Investoren mehr als 600 US-Dollar für ein Ubuntu Edge verbindlich zugesagt. Man darf davon ausgehen, dass die meisten auch ein Ubuntu Phone mit ähnlicher Ausstattung zum gleichen Preis kaufen werden. Insofern ist eigentlich nur noch die Frage, wann das erste Ubuntu Phone in die Läden kommt – schade nur, dass es nicht das unverwechselbare Design des Ubuntu Edge haben wird. (mid)

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