Die Woche: Bootloader befreit

@ctmagazin | Kommentar

Dem Engagement der aktiven Nutzer-Community ist es zu verdanken, dass HTC künftig auf die Bootloader-Sperre bei seinen Android-Geräten verzichtet. Das HTC Sensation erhält jetzt ein Update mit entsperrtem Bootloader.

Der Aufschrei in der aktiven Entwickler-Community war groß, als HTC begann, via Over-the-Air-Update Bootloader auf seine Geräte zu spielen, die es unmöglich machten, CustomROMs wie etwa CyanogenMod oder auch eine ältere Version der HTC-Firmware aufzuspielen. Die Bootloader-Sperre sollte verhindern, dass eine nicht von HTC signierte Firmware auf die Geräte kam.

Das Wildfire erwischte es mit dem Update auf Android 2.2, das in Deutschland Mitte Dezember ausgeliefert wurde. Ich hatte mein Wildfire zwar weder gerootet noch ein CustomROM aufgespielt, doch dass mir diese Möglichkeit nun jedoch komplett verwehrt wurde, schmeckte mir gar nicht – umso mehr, da andere Hersteller wie Samsung oder allen voran Google mit seinem jeweilig aktuellen Nexus-Modell weit weniger restriktiv agieren.

Das Aufspielen eines CustomROM ist nämlich die letzte Rettung, wenn der Hersteller ein Gerät nicht mehr oder nur stark verzögert mit Updates versorgt. Dabei verpasst man nicht nur neue Funktionen, auch Bugs und Sicherheitslücken im System wie den SMS-Bug beseitigt erst eine aktuelle Firmware. Selbst wenn man mit seinem Smartphone zufrieden ist und sich für CustomROMs nicht interessiert, ist es beruhigend zu wissen, dass man könnte, wenn es denn nötig sein sollte. Nur so kamen beispielsweise Besitzer des Motorola Milestone an Android-2.2-Features wie Tethering und Apps-to-SD, da Motorola sich bis März dieses Jahres mit dem Update Zeit ließ -- Android 2.2. gab es da bereits fast ein Jahr.

Während sich die aktive Android-Community, deren Treffpunkt unter anderem das xda-developer-Forum ist, daran machte, der neuen Bootloader-Sperre mit technischen Mitteln beizukommen, setzten sie gleichzeitig darauf, auf HTC einzuwirken, die Entscheidung zu überdenken. Eine Online-Petition wurde gestartet, die über 7000 Unterzeichner fand. Die öffentliche Empörung wirkte: Am 25. Mai 2011 kündigte HTC auf seiner Facebook-Präsenz an, die Entscheidung erneut zu prüfen; am 27. Mai erklärte das Unternehmen, künftige Android-Smartphones ohne Bootloader-Sperre auszuliefern. Zu diesem Zeitpunkt äußerte sich HTC noch nicht explizit dazu, ob die Entscheidung ausschließlich für neue Smartphones gelten werde, oder ob auch Besitzer eines HTC-Geräts mit Bootloader-Sperre via Update von der neuen Policy profitieren würden. Diese Frage ist nun beantwortet: Im August soll ein Update für das HTC Sensation ohne Bootloader-Sperre verteilt werden,danach sollen die US-Modelle Sensation 4G und Evo 3D an die Reihe kommen.

HTC kann durch diesen Schritt nur gewinnen: Zwar mag man als Unternehmen durch eine Bootloader-Sperre ein paar Support-Anfragen und Reklamationen von Nutzern vermeiden, denen beim Aufspielen eines CustomROM ein Malheur passiert ist; die Kosten dafür dürften jedoch minimal sein, da die meisten Nutzer nicht einmal damit liebäugeln, mit CustomROMs herumzuspielen. Mehrere 1000 gut vernetzte Multiplikatoren mit Facebook-Seiten, Twitter-Accounts und vielen Kontakten, die aktiv vom Kauf eines Smartphones mit gesperrtem Bootloader abraten, tun da wesentlich mehr weh. (amu)

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