Die Woche: Der LinuxTag bekommt die Wirtschaftskrise zu spüren

@ctmagazin | Kommentar

Die Wirtschaftskrise überschattet auch den LinuxTag 2009: Die Messe Berlin muss sparen und hat die Stände der freien Projekte zusammengestrichen. Aus Protest trat der Leiter des Projektkomitees des LinuxTags zurück.

Die freien Projekte müssen auf dem LinuxTag 2009, der vom 24. bis 27. Juni in Berlin stattfindet, sprichwörtlich enger zusammenrücken. Ihr Platz auf dem wohl größten Linux-Event in Europa ist deutlich knapper bemessen als ursprünglich geplant: Die Messe Berlin strich aus wirtschaftlichen Gründen die Ausstellungsfläche für die freien Projekte im April kurzfristig auf nur noch rund 450 Quadratmeter zusammen. Vor zwei Jahren waren noch über 700 Quadratmeter allein für die freien Projekte reserviert.

Doch nicht nur bei der Ausstellungsfläche, sondern auch bei den Standbauten und der Ausstattung der Open-Source-Stände will die Messe Berlin massiv sparen, zudem strich sie kurzerhand alle drei Workshop-Räume und das Hack-Center.

Das ging Marko Jung, Leiter des Projektkomitees des LinuxTags, zu weit. Anstatt wie in den Vorjahren noch interessante Projekte zum LinuxTag einladen zu können und so die Attraktivität der Ausstellung zu steigern, konnte er gerade einmal den Projekten zusagen, die sich selbst um einen Stand beworben hatten. So sank die Zahl der freien Projekte gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel auf nunmehr 65. Mit den beengten Platzverhältnissen und den nicht abgestimmten Streichungen bei den Räumen und der Standausstattung sah Jung die Minimalstandards für einen sinnvollen Auftritt der Projekte auf dem LinuxTag nicht mehr gegeben; und aufgrund seines beruflich bedingten Umzugs nach England sah er auch keine Möglichkeit, das wenige Wochen vor Beginn der Veranstaltung noch gerade zu biegen – weshalb er Ende Mai offiziell den Rückzug von seinem Posten als Leiter des Projektkomitees in die zweite Reihe verkündete.

Auf die Einschnitte im Ausstellungsbereich angesprochen erklärte Wolfgang Wagner, stellvertretender Pressesprecher der Messe Berlin, gegenüber heise open: "Der LinuxTag unterstützt die Community-Projekte weiterhin mit kostenfreien Ständen". Allerdings bitte man "um Verständnis, dass sich diese Förderung der ökonomischen Gesamtsituation unterordnen muss." Die freien Projekte seien aber "sehr wichtig für die Gesamtveranstaltung".

Tatsächlich hat der LinuxTag nur begrenzt Einfluss darauf, wie die Ausstellung gestaltet wird. Das liegt an der vertraglichen Vereinbarung zwischen dem LinuxTag e.V. und der Messe Berlin. Salopp gesagt ist man sich einig, jedes Jahr den Kongress mit Ausstellungsprogramm zu organisieren, wobei sich der LinuxTag um die Inhalte des Kongressprogramms und die Betreuung der freien Projekte kümmert und die Messe Berlin für den Rahmen sowie die kommerziellen Aussteller zuständig ist – und auch für alle finanziellen Angelegenheiten. Dabei sind gewisse Mindeststandards festgelegt.

Diese Mindeststandards hat die Messe Berlin in den vergangenen Jahren regelmäßig weit übertroffen, sodass der Anspruch der Besucher, aber auch der ausstellenden Projekte an den LinuxTag inzwischen gestiegen ist. In der Wirtschaftskrise sitzt das Geld jedoch nicht mehr so locker, sodass Einschnitte unvermeidlich sind, will die Messe Berlin den LinuxTag nicht mit einem dicken Minus beenden. Allerdings hatte Marko Jung erwartet, als Leiter des Projektkomitees in solche Überlegungen einbezogen zu werden und andere, für die Community weniger schmerzhafte Einsparungsmöglichkeiten vorschlagen zu können.

Immerhin, der Rückzug von Marko Jung zeigt schon erste positive Konsequenzen: Die Messe Berlin hat einen Teil ihrer Kürzungen zurückgezogen, sodass die freien Projekte auch in diesem Jahr wieder professionelle, aber nicht ganz so teure Standaufbauten und ausreichend Möbel erwarten können. Zudem wurde einer der Workshop-Räume von der Streichliste heruntergenommen und man will eine Lösung für das Hack-Center finden.

An den etwas beengten Platzverhältnissen wird sich aber wohl nichts mehr ändern: Den nunmehr veröffentlichten Hallenplänen nach müssen sich manche Projekte mit gerade einmal vier Quadratmetern begnügen. In stürmischen Zeiten muss man eben ein wenig zusammenrücken – genau wie die Pinguine in ihren Brutkolonien in der Antarktis, wenn ein Schneesturm aufzieht. (mid)

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