Die Woche: Firefox und die Updates

@ctmagazin | Kommentar

Die neue Update-Strategie bei Firefox bringt Verbesserungen schneller zu den Anwendern. Das ist gewöhnungsbedürftig und benötigt vielleicht noch Feinschliff, ist aber in Zeiten schneller Internet-Verbindungen der richtige Weg.

Mit seiner kühneren Update-Strategie hat das Mozilla-Projekt jetzt eine Reihe von Anwender verschreckt. Vorgestellt wurde die neue Strategie zwar schon im April, ins allgemeine Bewusstsein rückte sie aber erst nach der Freigabe von Firefox 5. Denn da begriffen viele Anwender erst, dass der erst Ende März gestartete Firefox 4 nach nur einem einzigen Update Ende April mit der Bezeichnung 4.0.1 schon sein "End of Life" erreicht hatte.

Es gibt also keine Sicherheitskorrekturen für die 4er-Serie mehr. Anwender von Firefox 4 erhalten seitdem Version 5 als Auto-Update angeboten; auch Linux-Distributionen liefern es als Sicherheitsupdate aus. Schon Mitte August soll dann Version 5 durch Firefox 6 abgelöst werden, den wiederum die Version 7 einige Wochen später beerben wird – und so weiter. Bei Firefox 3.6 zu bleiben ist auch keine wirkliche Alternative, denn alles deutet darauf hin, dass das Mozilla-Projekt die Pflege dieser Serie bald einstellt; möglicherweise ist mit der für Mitte August geplanten Version 3.6.19 schon Schluss.

Schreckt Sie das ab? Dann hilft Ihnen vielleicht die Vorstellung, dass Firefox 5 und 6 nur andere Namen für Firefox 4.0.2 und 4.0.3 (oder 4.1 und 4.2) sind. Zugegeben, das ist ein wenig geflunkert, denn die neuen Firefox-Versionen bringen nicht nur Sicherheitskorrekturen, sondern auch neue Funktionen. Durch einige der Verbesserungen ändern sich auch Interna. Eine Handvoll Firefox-Erweiterungen fällt dadurch auf die Nase, weil deren Entwickler sich noch nicht an die neue Ordnung gewöhnt haben und ihre Erweiterungen rechtzeitig angepasst haben; es ist auch wahrscheinlich, dass hier und da Probleme mit einzelnen Web-Anwendungen und -Seiten auftreten, die frühere Versionen noch nicht gezeigt haben. Aber die in wenigen Wochen entwickelten Unterschiede sind bei weitem nicht so groß wie jene, die es zwischen Firefox 2.0, 3.0, 3.5, 3.6 und 4.0 gab – dadurch ist auch die Gefahr von größeren Problem deutlich geringer. Die groß wirkenden Zahlenänderungen sind daher nicht mit klassischen "Major Releases" vergleichbar; die Vorstellung "Firefox 5 == 4.0.2" ist da viel passender.

Verbesserungen an Firefox kommen so in Zukunft in leicht verdaulichen und über das Internet schnell verteilten Häppchen zu den Anwendern -- viele kennen und schätzen das schon von Smartphone-Apps, denn viele von ihnen werden ähnlich gepflegt. Das hat gerade für freie und Open-Source-Software Vorteile, denn dort kann jeder dabei helfen, Probleme an der Wurzel auszureißen – mit dem neuen Schema sind sie dann schon in wenigen Wochen aus der Welt. Wenn das ordentlich durchgehalten würde, bräuchten Entwickler von Web-Anwendungen und -Seiten längst nicht so viele Workarounds für Browser-Bugs einzubauen – das ist pflegeintensiv und führt mit den Jahren zu Ballast und unsauberem Code.

Da es nicht Monate oder Jahre dauert, bis Änderungen in der Breite bei den Anwendern ankommen, können unerwartete Probleme häufig auch zeitnah erkannt und behandelt werden. Wie gut das laufen kann, zeigt sich bei der Entwicklung des Linux-Kernel, wo sich die stetige Weiterentwicklung im Rahmen der 2.6er-Serie (die gerade zur 3er-Serie wird) sehr gut bewährt hat, obwohl nicht wenige sie anfangs als groben Unfug eingestuft hatten.

Doch auch beim Linux-Kernel kam der Punkt, wo Einzelne damit begannen, manche Versionen in "Stable"- oder "Longterm"-Serien über einen längeren Zeitraum zu pflegen. Regelmäßige Updates gibt es aber nur für die jeweils aktuelle Kernel-Version und eine handvoll älterer Kernel. Etwa 2.6.32 und 2.6.27; Letzterer wird bereits seit 2008 regelmäßig mit Fehlerkorrekturen sowie kleinen, ungefährlich scheinenden Verbesserungen versorgt.

So etwas ähnliches dürfte auch bei Firefox passieren, nachdem Firmenkunden ihre Bedenken gegenüber der neuen Update-Stratgie äußerten und das Thema in den Medien hochkochte – die Unternehmen wollten keine größeren Updates mit neuen Funktionen, weil sie die Browser auf den PCs ihrer Mitarbeiter mit den hausintern wichtigen Webseiten, Apps und Add-Ons abstimmen, damit alles möglichst reibungslos läuft. Nach einigen etwas unglücklichen Aussagen eines Marketing-Mitarbeiters von Mozilla hieß es Ende Juni, das Mozilla-Projekt suche nach Lösungen, um diese Interessengruppe glücklich zu machen.

An einer länger gepflegten Versionsreihe dürften auch Red Hat, Suse und Co. für ihre Enterprise-Distributionen Interesse haben. Für deren Nutzer macht eine gewisse Kontinuität vielleicht Sinn. Für meine PCs ist die neue Firefox-Strategie aber die richtige – das Mozilla-Projekt muss allerdings erst noch beweisen, ob es die Qualität dabei halten kann. Google hat das bei Chrome schon geschafft, denn der Google-Browser nutzt eine ähnliche Update-Strategie schon länger, was mit zu seinem Erfolg beigetragen hat; Microsoft lässt sich davon aber nicht beeindrucken. (thl )

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