Die Woche: Linux auf Smartphones

@ctmagazin | Kommentar

Mit der LiMo Foundation und der Open Handset Alliance versuchen zwei große Firmengremien, Linux auf Smartphones zu etablieren. In der Zielsetzung und bei der Einbindung der Open-Source-Gemeinde unterscheiden sie sich jedoch deutlich.

Gleich mehrere Gremien wetteifern darum, Linux am Smartphone-Markt zum Durchbruch zu verhelfen. Langfristig soll es den etablierten Smartphone-Betriebssystemen Symbian und Windows Mobile große Marktanteile abluchsen. Die beiden größten und, mit Blick auf die Mitglieder, gewichtigsten Gremien sind die Anfang 2007 gegründete LiMo Foundation und die Ende 2007 von Google ins Leben gerufene Open Handset Alliance.

Doppel-Mitgliedschaften in beiden Organisationen gehörten bislang für viele Firmen zum guten Ton, um die Entwicklung im Smartphone-Markt nicht zu verpassen. Doch nun hat ausgerechnet Motorola, Gründungsmitglied beider Gremien und bislang besonders im LiMo-Umfeld aktiv, sein LiMo-Engagement stark gedrosselt und ist nicht länger Core Member, sondern als Associate Member nur mehr eine kleine Stimme unter vielen anderen in der LiMo Foundation.

Die Begründung von Motorola für diesen Schritt ist, dass ja beide Gremien zum Ziel haben, eine einheitliche Linux-Plattform zu entwickeln, und dass Android von der Open Handset Alliance einfach die leistungsfähigere Basis sei.

Tatsächlich überschneiden sich die Ziele von LiMo Foundation und Open Handset Alliance zu einem gewissen Teil, ihre Ausrichtung und vor allem ihr Verhältnis zur Open-Source-Community sind jedoch sehr unterschiedlich.

Die Android-Plattform der Open Handset Alliance war von Anfang an offen für die Community; noch bevor das erste Android-Smartphone offiziell vorgestellt wurde, hatte die Linux-Gemeinde Android auf das freie Openmoko-Smartphone portiert. Auch die Anwendungsentwicklung für die Android-Plattform floriert dank umfassender Entwicklungswerkzeuge und der Nutzung des Internets als zentrale Kommunikationsplattform.

Allerdings behält Google den Daumen auf dem Desktop: Ob Google Mail, Google Maps oder die Google-Suche, der Anwender ist bei den Kommunikationsdiensten fest mit dem Internet-Riesen verkettet. Zusätzliche Anwendungen bekommt er ebenfalls nur von Google, über den Android Market. Letztlich entscheidet der Internet-Riese, welche Dienste und welche Werbung der Anwender zu sehen bekommt. Die Telcos sind hier weitgehend außen vor. Dabei sehen die Mobilfunkanbieter ihre Zukunft im Markt der Location Based Services, bei Premium-Diensten und individualisierter Werbung, wollen nicht mehr länger nur an den Gesprächsminuten oder dem Datenvolumen verdienen.

Deutlich attraktiver für die Telcos ist daher die LiMo-Plattform, wo man als Mitglied Zugriff auf eine Art Baukasten mit Anwendungen und Diensten bekommt, man in der Gestaltung jedoch frei ist und den Kunden über eigene Portale binden und so schröpfen kann. Dafür hat die LiMo Foundation einen sogenannten Common Code Pool eingerichtet, bei dem man sich kostenfrei bedienen kann – vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld, um erst einmal Mitglied zu werden. Dabei handelt es sich um fünf- bis sechsstellige Beträge, die jedes Jahr fällig werden.

Damit ist die Open-Source-Community praktisch von jeder Mitwirkung ausgeschlossen: Der Code Pool ist weder öffentlich zugänglich noch gibt es für Nicht-Mitglieder die Möglichkeit, etwas zur Plattform beizutragen. Nutznießer sind die Gerätehersteller, die mit den im Pool vorhandenen Anwendungen und Treibern schnell eine LiMo-kompatible Firmware zusammenstellen können, und die Telcos, die diese Geräte dann nach eigenem Gutdünken mit Anwendungen und Diensten versehen und so verdongelt an ihre Kunden ausliefern.

Doch die Rechnung der LiMo Foundation geht nicht auf: Die LiMo-Handys wie zum Beispiel das Motorola Razr2 V8 unterscheiden sich aufgrund der Ausrichtung auf die Hersteller und Telcos praktisch nicht von Smartphones mit proprietärer Firmware, und ohne die Open-Source-Community und einen florierenden Software-Markt wie dem Android Market, der in dieser Form ja auch gar nicht von der LiMo Foundation geplant ist, fehlt der LiMo-Plattform auch der Hype. Mit Motorola hat nun erstmals einer der Big Player die Konsequenzen gezogen und sein massives LiMo-Engagement zugunsten der Android-Plattform faktisch aufgegeben.

Auch der Open-Source-Community kann es nur recht sein, wenn die LiMo-Plattform an Boden verliert – schließlich gewinnt die Community nichts durch die Aktivitäten der Firmen in der LiMo Foundation, während Entwicklungen bei Android stets wieder in die Community zurückfließen. Die LiMo-Foundation und die Open Handset Alliance mögen zwar oberflächlich betrachtet das gleiche tun, was dabei herauskommt ist jedoch höchst verschieden. (mid)

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