Die Woche: MeeGo vor dem Aus?

@ctmagazin | Kommentar

Erst die Meldung, die Netbook-Variante von MeeGo soll nicht mehr weiterentwickelt werden; dann de Entscheidung Nokias für Windows Phone 7 statt MeeGo als System für seine kommenden Smartphones. Was bleibt für MeeGo?

Das Jahr 2011 scheint für MeeGo unter keinem guten Stern zu stehen. Das aus dem Zusammenschluss von Intels Netbook-Betriebssystem Moblin und Nokias Mini-Tablet/Smartphone-System Maemo hervorgegangene MeeGo sollte nicht nur Nokia den Weg in den Smartphone-Markt ebnen, sondern auch mit der Variante Netbook User Experience (UX) die Netbooks erobern. Diese beiden Zukunftsperspektiven dürften sich jedoch zerschlagen haben: Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass die Weiterentwicklung der Netbook-Variante komplett eingestellt wird – eine Entscheidung, die unter anderem wegen der sinkenden Umsätze bei Netbooks gefallen sein soll.

Noch übler scheint es für MeeGos Zukunft im Smartphone-Bereich auszusehen. Die erste Unruhe gab es im Oktober letzten Jahres, als Ari Jaaks, der Nokia-Manager für MeeGo-Geräte, seinen Hut nahm, wenige Tage, nachdem der ehemalige Microsoft-Manager Stephen Elop den bisherigen CEO Olli-Pekka Kallasvuo abgelöst hatte. Bereits damals begannen die Spekulationen, ob MeeGo tatsächlich Nokias neues Smartphone-System werden würde.

Neu angeheizt wurde die Gerüchteküche durch Elop, der betonte, wie wichtig es für Nokia sei, sich einem sich schnell wandelnden Smartphone-Markt anzupassen und dass man dabei die unterschiedlichen Ökosysteme berücksichtigen müsse. Investoren und Analysten sahen das als Zeichen, dass Nokia plant, nicht MeeGo, sondern Android oder Windows Phone 7 als Betriebssystem für seine kommenden Smartphones einzusetzen. In einem angeblich internen Nokia-Memo erklärte Elop die MeeGo-Strategie für gescheitert. Und jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die Zukunft für Nokia heißt Windows Phone 7.

Bei all den schlechten Nachrichten scheint es, als stehe das Aus für MeeGo unmittelbar bevor – noch nicht tot, aber riecht schon komisch. Wer das denkt, übersieht jedoch das zweite MeeGo-Elternteil Intel, das sein Engagement für das System weiter vorantreibt, wenn auch nicht für den Smartphone-Markt (und wohl auch nicht für Netbooks). So kaufte der Prozessorhersteller bereits 2009 den Embedded-Spezialisten Windriver, um mit den Prozessoren der Atom-Familie sowie mit Systems-on-Chip in Embedded-Systeme, Mobilgeräte wie Handys und Smartphones sowie Consumer Electronics und Autos vorzustoßen.

Darüber hinaus ist der Prozessorhersteller ein Gründungsmitglied des Industriekonsortiums Genivi, dessen Ziel die Entwicklung einer skalierbaren, Atom-basierten Linux-Referenzplattform für Infotainment-Systeme in Autos ist. Die Genivi-Allianz, der auch diverse Autohersteller und Zulieferer wie BMW, General Motors, PSA Peugeot, Magneti Marelli und Bosch angehören, hat sich für MeeGo als Referenzplattform entschieden und im August 2010 die erste speziell für den Einsatz in Autos angepasste Version der mobilen Linux-Plattform veröffentlicht.

Und genau dort könnte die Zukunft von MeeGo liegen: In einem jungen Markt, für dessen Eroberung weder Android noch Windows Phone 7 gedacht sind. Dann braucht das System auch keine Smartphones, um ein Erfolg zu werden. (amu)

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