Die Woche: Microsoft vs. Tomtom, Netbooks vs. Linux

@ctmagazin | Kommentar

Zwei Themen haben in den letzten Wochen Wellen geschlagen: Microsofts Patentklage gegen TomTom und die Erkenntnis, dass auch die Netbooks Linux nicht zum Durchbruch auf dem Desktop verhelfen werden.

Mit diesem Artikel wollen wir die im Herbst vergangenen Jahres eingeschlafene Tradition wieder aufnehmen, regelmäßig am Donnerstag Abend einen Kommentar oder eine Analyse zu wichtigen Ereignissen in der Open-Source-Welt zu veröffentlichen. Dieses Mal geht es gleich zum zwei Ereignisse, die in den letzten Wochen Schlagzeilen gemacht haben: Microsofts Patentklage gegen den Navi-Hersteller TomTom und der verpasste Siegeszug von Linux auf Netbooks.

... hat die Klage von Microsoft gegen TomTom ausgelöst: Der Navi-Hersteller soll angeblich acht Microsoft-Patente verletzen; darunter auch drei, die sich auf das Dateisystem FAT beziehen und die TomTom mit dem Linux-Kernel in seinen Navis verletzen soll. Und gleich wurde wild spekuliert: Ist der der erste Schuss in dem (von einigen Kommentatoren schon lange erwarteten) Patentkrieg gegen Linux?

Alles halb so wild – Microsofts Chef der Lizenzabteilung, Horacio Gutierrez, betonte gleich, dass es bei der Klage nicht um Linux im Allgemeinen geht, sondern nur um die Implementierung in den TomTom-Geräten. Man habe ein Jahr mit TomTom über eine Lizenzierung der Patente verhandelt, aber keine Einigung erzielt und sich daher zur Klage entschlossen – schließlich würden andere Navi-Hersteller auch Lizenzgebühren an Microsoft zahlen. Die anderen Navigationsgeräte laufen freilich nahezu alle mit Windows CE, nicht mit Linux – und in den c't-Navi-Tests glänzen die Linux-Geräte von TomTom gegenüber der Konkurrenz immer mit ihrer flotten Bedienung.

Möglicherweise also eher ein Warnschuss in Richtung Navi-Hersteller: Mit Windows CE seid ihr auf der sicheren Seite. Vielleicht auch Ärger darüber, dass sich ein Navi-Hersteller so hartnäckig dem eigenen Embedded-Betriebssystem verweigert. Oder aber einfach der Versuch, TomTom übernahmereif zu schießen, wie (nicht nur) Damian Sicking auf heise resale spekulierte.

Beibt aber noch ein irritierendes Detail: ComputerWorld hat Gutierrez gefragt, ob es "Unternehmen gibt, die Linux und Open-Source-Software nutzen und das FAT-Patent lizenziert haben". Worauf Gutierrez antwortete: "Ja, andere Unternehmen haben das FAT-Patent lizenziert." Was wiederum ComputerWorld folgern ließ, dass es geheime Patentabkommen zwischen Microsoft und Linux-Anbietern gebe, die damit gegen die GPL verstoßen würden – patentgeschützte Software darf nur unter GPL weitergegeben werden, wenn das Patent die durch die GPL garantierten Freiheiten nicht einschränkt. Sprich: Microsoft müsste jedem eine kostenfreie Lizenz einräumen.

Da aber niemand weiß, von welchen Unternehmen Gutierrez gesprochen hat, ist man hier im Bereich wilder Spekulation. Und, nicht zu vergessen: TomTom will die Klage vor Gericht ausfechten – derzeit weiß man nicht einmal, ob sich das FAT-Patent überhaupt gerichtlich durchsetzen lässt.

... war die Reaktion auf die Erkenntnis, dass Linux bei den derzeit verkauften Netbooks nur noch auf einen Marktanteil von zehn bis 20 Prozent kommt (detailliertere Marktzahlen habe ich nicht gefunden) – hatte man doch im vergangenen Jahr noch gehofft, mit dem Netbook-Boom käme endlich der lang ersehnte Durchbruch von Linux auf dem Desktop. Vista zu fett, Windows Mobile zu mickrig: Linux schien die perfekte Wahl für die neue Geräteklasse.

Wir haben schon im vergangenen Jahr – Microsoft hatte gerade das schon abgekündigte Windows XP für Netbooks wiederbelebt – Skepsis angemeldet und argumentiert, dass der Erfolg von Linux davon abhängt, wie die Käufer die Netbooks wahrnehmen: als neuartige Geräteklasse, bei der man auch neue Bedienkonzepte akzeptiert, oder als kleine Notebooks, die sich anfühlen sollen wie andere PCs auch.

Die Entwicklung der Netbooks zeigt deutlich, in welche Richtung die Entscheidung gefallen ist. War der erste EeePC mit seinem mickrigen 7-Zoll-Display, 2 GByte Flash als "Massenspeicher", winzigen Tasten und einer ganz eigenen Bedienoberfläche noch irgendwo zwischen großem Smartphone (natürlich ohne Phone) und richtigem Computer angesiedelt, sind die heutigen Netbooks zu kleinen Notebooks herangewachsen. Größere Displays, benutzbare Tastaturen, bessere Ausstattung – Netbooks sind zu preisgünstigen, abgespeckten Subnotebooks geworden. Und auf denen soll dann bitte Windows laufen, kein Linux mit einem Windows-ähnlichen, aber doch irgendwie anderen Desktop. Oder gar mit einer ganz eigenen Bedienoberfläche. (odi)

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