Die Woche: Open Source und Software as a Service

@ctmagazin | Kommentar

Einerseits ist Software as a Service ein Weg, um Open Source zum Anwender zu bringen; andererseits macht Open Source viele SaaS-Angebote überhaupt erst attraktiv. Eine kleine Übung in Dialektik.

Wie findet Open-Source-Software zum Anwender? Nicht jeder Admin möchte Anwendungen selbst aus dem Internet herunterladen und in Eigenregie installieren und konfigurieren. Und nicht jedes Open-Source-Projekt, nicht jede Open-Source-Firma hat die Ressourcen, weltweit Support anzubieten, oder ist populär genug, um den Weg in klassische Vertriebskanäle zu finden.

Software as a Service (SaaS, auch unter Schlagwörtern wie Software on Demand oder Enterprise 2.0 angepriesen) kann ein Ausweg aus dem Vertriebsproblem sein. Bei SaaS kümmert sich ein Service-Hoster um die Installation, Konfiguration, Wartung und Aktualisierung der Software. Der Anwender zahlt lediglich für die Nutzung der Anwendung; und das ist meist deutlich weniger, als wenn ein Systemhaus die Software vor Ort pflegt – sofern sich überhaupt ein Systemhaus mit ausreichend Know-how in der gewünschten Anwendung findet. Von den Kosten für eigene Server- und Speicher-Hardware, Backupsysteme und sonstige Infrastruktur sowie die zum Betrieb nötigen Admins ganz zu schweigen. Als Erfolgsmodell für SaaS wird gerne die bekannte ERP- und CRM-Plattform salesforce.com zitiert.

Vergrößern Rafael Laguna de la Vera, Open-Xchange: Open Source und SaaS passen prima zusammen.

Open Source und SaaS passen prima zueinander, findet beispielsweise Rafael Laguna de la Vera, Aufsichtsratsvorsitzender des deutschen Groupware-Anbieters Open-Xchange: "Die Firmen, die die Infrastruktur für SaaS bereitstellen, betreiben eine Open-Source-basierte Infrastruktur, in die eine Open-Source-Anwendung wunderbar eingebettet werden kann." Seit kurzem bietet der Hoster 1&1 auf Basis von Open-Xchange eine webbasierte Groupware-Lösung an.

Dabei, so Laguna, profitieren alle: Der Anwender muss die Software nicht selbst installieren und pflegen, sich nicht um Hardware, Systempflege, Backup und Sicherheit kümmern und keine große initiale Investition tätigen. Der Hoster generiert regelmäßige Einnahmen bei niedrigerer TCO dank (im Vergleich zur Standalone-Lösung) effizienteren Nutzung der Hardware. Und die Open-Source-Software kommt zum Kunden.

Viele Analysten prophezeien Software as a Service eine große Zukunft im Bereich Business-Anwendungen. Im Unterschied zum älteren Konzept des Application Service Providers, der die Standard-Anwendungen seiner Kunden auf dedizierter Hardware betreibt und sie über ein (meist aufgesetztes) Web-Frontend zugänglich macht, sind SaaS-Anwendungen für den Betrieb in solchen Umgebungen ausgelegt. Der Service-Anbieter betreibt nicht für jeden Kunden eine eigene Instanz der Anwendung, stattdessen nutzen viele Kunden gleichzeitig eine Installation (multi-tenant architecture) – erst so ergeben sich deutliche Kostenvorteile gegenüber Einzelinstallationen bei den Anwendern. Und da es sich in der Regel nicht um Software von der Stange handelt, kann der Hoster Features nachrüsten, die die Nutzer seines Dienstes benötigen.

Und hier kommt Open Source ins Spiel. Bei freier Software muss der Service-Anbieter die Anwendung nicht selbst erstellt haben, um sie an die Bedürfnisse seiner Kunden und den Betrieb in einer einer SaaS-Umgebung anzupassen. Mit der nötigen Expertise ausgestattet, nimmt er eine Open-Source-Software, erweitert sie um eventuell fehlende Bausteine, integriert weitere Komponenten und kann seinen Kunden eine runde Komplettlösung bieten. Viele Web-2.0-Angebote gehen diesen Weg: Auf dem freien LAMP-Stack als Grundlage läuft ein Open-Source-Wiki oder -Blog, eine Groupware, eine Networking-Anwendung oder ein Content Management System, zugänglich über ein AJAX-Interface und angereichert mit den Mash-up-Möglichkeiten des "neuen" Web. Oder wie es Laguna ausdrückt: Open Source ermöglicht eine Integration im Backend, so wie sie Web 2.0 im Frontend möglich macht.

Während Open-Source-Software so viele SaaS-Angebote überhaupt erst möglich macht, kommt sie gleichzeitig zum Kunden. Und der hat, setzt sein SaaS-Anbieter Open Source ein, noch einen weiteren Vorteil: Ist er mit dem Service unzufrieden, kann er zu einem anderen Anbieter wechseln oder die Anwendung lokal auf eigenen Servern betreiben – die User werden kaum eine Veränderung bemerken. Beispiel Zimbra: Die Groupware wird in mehreren Varianten zum freien Download oder kostenpflichztig mit Support und verbesserten Management-Möglichkeiten angeboten, lässt sich aber auch bei mehreren Hostern als Software as a Service nutzen. (odi)

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