Die Woche: Ubuntu und das Geld

@ctmagazin | Kommentar

Derzeit existiert Ubuntu nur dank der Freigiebigkeit von Ubuntu-Begründer Mark Shuttleworth. Doch dessen Firma Canonical geht neue Wege, die Vorzüge der freien Linux-Distribution zu Geld zu machen.

Ubuntu ist eine freie Linux-Distribution – frei im Sinne von freier Software, aber auch, wie die Entwickler betonen, frei im Sinne von kostenlos.

Canonical, die Firma von Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth, sponsort Ubuntu – und würde sicherlich auch gerne Geld damit verdienen.

Eine ganz und gar freie Linux-Distribution und Geld verdienen – wie geht das zusammen? Andere Linux-Distributoren haben Wege gefunden: Red Hat und Novell unterscheiden fein säuberlich zwischen ihren Community-Distributionen (Fedora und OpenSuse) und den Unternehmensprodukten. Erstere gibt es gratis, aber ohne Garantien; letztere sind getestet, zertifiziert und mit Support erhältlich, aber verlangen den Abschluss eines kostenpflichtigen Abonnements für jede Installation.

Ubuntu gibt es nur in einer Spielart: Canonical testet, zertifiziert und supportet genau die Version, die jedermann kostenlos herunterladen und verwenden kann. Und das soll auch so bleiben. Damit ist das Abo-Modell versperrt. Die Methode einiger Distributoren wie Linspire, die Distribution eng mit selbst entwickelter Software zu verschränken und traditionell zu lizenzieren, passt nicht zu einem Community-Projekt, das in erster Linie von dem freiwilligen Engagement zahlreicher Ubuntu-Fans getragen wird.

Vergrößern Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth steckt Millionen in die freie Distribution

Derzeit löst Mark Shuttleworth den Widerspruch: Der Multimillionär (oder Milliardär, je nach Währung) steckt nach eigenem Bekunden jedes Jahr mehrere Millionen Euro in Ubuntu (siehe "Unser Desktop ist besser!", Interview mit Ubuntu-Initiator Mark Shuttleworth). In seiner anerkannten Rolle als Mäzen, Visionär und Repräsentant des Projekts nimmt er auch Einfluss auf die Entwicklung: Shuttleworth diskutiert in Gremien und Gruppen mit, die wichtige Entscheidungen treffen. Sein Wort hat dabei offensichtlich Gewicht: Der "wohlwollende Diktator" à la Linus Torvalds, der Visionen hat und strategische Entscheidungen trifft (und den viele als entscheidenden Faktor für den Erfolg eines Open-Source-Projekts ansehen), muss ja nicht selbst mitprogrammieren.

Shuttleworth wird seinem Baby nicht von heute auf morgen den Geldhahn zudrehen, aber irgendwann soll das Kind sicher auf eigenen Beinen stehen. Den klassischen Weg – kostenpflichtiger Support für den Einsatz im Unternehmen – will man durchaus gehen (siehe Ubuntu Linux auf dem Weg ins Unternehmen); aber hier trifft man auf starke, etablierte Konkurrenz und hat das Problem, dass die Differenzierung in eine "vogelfreie" Community- und eine supportpflichtige "bessere" Unternehmensversion der Distribution fehlt.

Das Kapital von Ubuntu liegt auch ganz woanders: in den qualifizierten Entwicklern, die sich dank der stabilen technischen Debian-Basis auf die Probleme der Anwender konzentrieren können; in der hohen Akzeptanz der freien Distribution in der Open-Source-Welt; und in der engagierten, großen Community, die von ihrem stabilen, anwenderfreundlichen und freien Betriebssystem begeistert ist.

Und genau hier setzen die jüngsten Initiativen von Canonical an. Im Rahmen der vor wenigen Tagen angekündigten Kooperation mit SpikeSource soll Ubuntu Teil der der SpikeIgnite-Plattform werden, die den Einsatz populärer Open-Source-Anwendungen im Unternehmen erleichtern will (siehe Zertifizierung als Geschäftsmodell). Canonical leistet dabei Support für Ubuntu – und macht so die Akzeptanz der Distribution im wachsenden Open-Source-Ökosystem zu Geld.

Die Zusammenarbeit mit Linspire zielt auf die große Anwender-Community: Linspires Click'n'Run Warehouse (CNR) bietet einen Vertriebskanal für kommerzielle Linux-Programme. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Ubuntu-Anwender, der bereit ist, für spezielle Programme – Spiele, beispielsweise – zu bezahlen. Zu finanziellen Absprachen haben sich die Firmen bei der Ankündigung ihrer Kooperation nicht geäußert; aber sicherlich wird Canonical, sollte die Rechnung mit dem CNR aufgehen, auch den einen oder anderen Dollar mitverdienen.

Die beiden Initiativen von Canonical zeigen beispielhaft, wie sehr sich der Open-Source-Markt verändert hat. Musste Open Source vor einigen Jahren noch darum kämpfen, überhaupt akzeptiert und eingesetzt zu werden, ist mittlerweile ein Ökosystem aus Open-Source-Anbietern und -Anwendern entstanden, das Chancen für neue Geschäftsmodelle bietet, die sich auf inhärente Open-Source-Qualitäten stützen. Canonical hat das erkannt. (odi)

Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Milde Gabe
  2. Neue Möglichkeiten
Anzeige

Anzeige

Anzeige