Die Woche: VMware, SpringSource und "Platform as a Service"

@ctmagazin | Kommentar

Mit dem Kauf von SpringSource steigt VMware in die Java- und Middleware-Welt ein. Ist Red Hat jetzt eingeklemmt zwischen VMware und Oracle?

Verliefen die vergangenen Wochen eher ruhig an der Übernahmefront, überraschte am Montag VMware mit der Neuigkeit, dass es den Java-Spezialisten SpringSource kauft. Der Anbieter von Virtualisierungssoftware, seinerseits seit 2003 als Tochterfirma in das EMC-Imperium einverleibt, legt 420 Millionen US-Dollar für SpringSource auf den Tisch. Und das, wo das noch junge Unternehmen bislang einen Umsatz von vielleicht 20 Millionen Dollar schaffte (SpringSource wird privat geführt, muss also keine Zahlen offenlegen.)

VMware ist also offensichtlich davon überzeugt, mit dem Deal ein gutes Geschäft zu machen. Tatsächlich dürfte der Wert von SpringSource auch wesentlich höher sein, als der reine Umsatz vermuten lässt. So spielt die Firma mit ihrem Java-Applikations-Framework Spring einen wichtige Rolle bei der Entwicklung von Unternehmensanwendungen mit Java. Dessen Erfinder und SpringSource-Gründer Rod Johnson soll dabei am Ruder der neuen VMware-Einheit bleiben.

Zudem ist SpringSource maßgeblich an der Weiterentwicklung des Anwendungsservers Tomcat beteiligt, für den sie auch kommerziellen Support leistet. Seit Anfang dieses Jahres hat SpringSource zudem mit dem tc Server eine eigene Enterprise-Version von Tomcat im Angebot. Durch den Zukauf von Hyperic, einem Anbieter quelloffener Netzwerkmanagement-Software, hat die Firma im Frühjahr zudem einen weiteren Vorstoß in den Enterprise-Software-Stack gemacht. Hyperics Kernprodukt, Hyperic HQ, verwaltet nicht nur physische Server, sondern auch virtuelle Maschinen in der Cloud.

Mit der Übernahme hat VMware eine willkommene Gelegenheit genutzt, sich in Richtung Lösungsanbieter für Entwickler zu bewegen. Das Zauberwort hier heißt Platform as a Service (PaaS) – wobei der Anbieter die komplette Infrastruktur inklusive (virtueller) Betriebssysteme, Applikationsserver und Entwicklungstools bereistellt.

"Eine Lösung, gebaut mit offener, portabler Middleware, die sowohl auf herkömmlichen Java-EE-Anwendungsservern in einem Rechenzentrum als auch auf Amazons EC2 oder einer anderen Cloud-Plattform oder auf der VMware-eigenen Plattform laufen kann". So formuliert es VMwares Chief Technology Officer Steve Herrold in einem ausführlichen Blog-Eintrag zu der Übernahme, in dem er nicht nur erläutert, wie sich die Angebote der beiden Firmen ergänzen, sondern vielmehr auch, wie sie künftig zusammenspielen sollen.

Eine Chance für VMware also, sich nicht nur als Virtualisierungsspezialisten sondern auch als Plattformausrüster für die Cloud zu etablieren? Sinn macht die Sache schon: In der Virtualisierungsarena kommt Konkurrenz von allen Seiten – Microsoft und die Linux-Anbieter Novell und Red Hat wollen hier mit ihren jeweiligen Lösungsansätzen auf der Basis von HyperV, Xen und KVM ein Stück vom Kuchen. Microsoft hat mit Azure bereits eine eigene Cloud-Plattform für Entwickler in der Mache.

Aber vor allem Red Hat muss sich warm anziehen. Nicht nur spielt das Betriebssystem durch die zunehmende Bedeutung von Virtualisierung und Cloud-Computing eine immer gringere Rolle. Seit der Übernahme von JBoss 2006 versucht das Unternehmen, sich verstärkt als Anbieter einer Plattform aus Betriebssystem und Middleware zu etablieren. Spring und JBoss stehen schon immer in einer gewissen Konkurrenz zueinander; nun hat Spring mit VMware starke Rückendeckung bekommen. Die Kombination aus VMware-Virtualisierung und SpringSource-Middleware dürfte durchaus eine Alternative zu Red Hat Linux und JBoss sein.

Und nicht zu vergessen ist da Oracle, mit einem kompletten Software-Stack aus einem ausgerechnet von Red Hat abgekupferten Linux-Betriebssystem, Middleware und Virtualisierungstechniken. Spätestens nach der – allerdings noch nicht ganz abgeschlossenen –Übernahme von Sun wird Oracle auch im Bereich Java kräftig mitmischen. Die Programmiersprache bildet ja die Grundlage für Oracles Middleware-Portfolio. Keine beneidenswerte Position für Red Hat.

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