Die Woche: Was passiert 2008?

@ctmagazin | Kommentar

Trends, Voraussagen, Herausforderungen

Die Open Solutions Alliance, ein Zusammenschluss von 23 Anbietern von Open-Source-Anwendungen, hat unter ihren Mitgliedern eine Umfrage durchgeführt. Thema: Wie geht es 2008 weiter mit Open Source? Was sind die größten Herausforderungen? Welche Rolle werden Lizenzfragen spielen?

Wenig überraschend: Alle Befragten sind sich einig darin, dass der Einsatz von Open Source weiter zunehmen wird – kein Wunder, sonst würden sie wohl kaum in einer Open-Source-Firma arbeiten. Interessanter sind die Gründe, warum Open Source wachsen soll: Wegen des zunehmenden finanziellen Drucks sollen die IT-Abteilungen Lizenzkosten zunehmend auf den Prüfstand stellen; Open Source wird weiter reifen; und immer mehr Firmen, darunter auch bislang proprietäre Hersteller, werden Open Source anbieten.

Allerdings sehen einige der Befragten 2008 auch als das Jahr, in dem Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand stehen und es zu einer Auslese unter den bestehenden Firmen kommt. Open Source alleine reicht nicht mehr – jetzt müsse sich zeigen, wer mit OSS Geld verdienen kann.

Mehrfach wird die Ansicht geäußert, dass Open Source ihren Sonderstatus verliert. Offenbar sehen sich zumindest einige Anbieter in einem Wettbewerb, in dem der Kunde nicht nach Open Source oder proprietär fragt, sondern sich nur für Features, Leistung und Preise interessiert. Vorteile des Open-Source-Ansatzes wirken sich dabei nur indirekt aus – Open Source, so sehen es zumindest einige der Befragten, ist lediglich ein anderer, fexiblerer Ansatz der Softwareentwicklung, der schneller auf Kundenwünsche reagieren kann. Aber weder die offenen Quelltexte noch die erweiterten Rechte für den Anwender scheinen ein Argument zu sein, mit dem sich Kunden überzeugen lassen.

Oder spiegelt sich in dieser Sicht lediglich ein Problem der Business-Modelle wider? Dass es den Unternehmen bislang nicht gelingt, die eigentlichen Vorteile von Open Source aus Anwendersicht über den kollaborativen Entwicklungsansatz hinaus in eine Geschäftsstrategie umzusetzen? Schade, dass Unternehmen, die rein auf Service und Support setzen, in der Open Solutions Alliance fehlen und dort Anbieter dominieren, die nach dem Dual-Licensing-Ansatz eine "bessere" Version ihrer Software traditionell lizenzieren.

Einige der befragten Firmenchefs sind der Ansicht, dass Europa nach wie vor eine führende Rolle bei der Akzeptanz von Open Source spielen wird, vor allem aufgrund der Open-Source-freundlichen Politik vieler Regierungen. Recht häufig ist die Ansicht, dass Open Source dieses Jahr in Asien mächtig in Fahrt kommen wird. Dort gebe es viele junge Unternehmen, die nicht viel Geld für ihre IT ausgeben können und die noch nicht in Abhängigkeiten von proprietären Herstellern gefangen sind. Und man erwartet auch, dass aus Asien mehr und mehr Beiträge zum Open-Source-Fundus kommen. (Nur am Rande: Gerade diese Woche habe ich den ersten Patch aus China für ein eigenes kleines Projekt auf Sourceforge.net erhalten.)

Die größte Herausforderung für Open Source, da scheint Einigkeit zu herrschen, ist Interoperabilität – nur so könne man gegen die integrierten Pakete des proprietären Wettbewerbs bestehen. Auch das ist für den Kreis der Befragten kein wirklich überraschendes Ergebnis: Interoperabilität ist eines der Themen, die auf der Agenda der Open Solutions Alliance stehen. Die "Out of the box experience" müsse besser werden. Weitere Herausforderungen sind – neben der Entwicklung haltbarer Geschäftsmodelle – der Aufbau von Vertriebswegen.

Merkwürdig gespalten sind die Meinungen zum Thema Lizenzen. Einige der Befragten glauben, dass die Unternehmen Open-Source-Lizenzen verstanden haben und wissen, welche für sie akzeptabel sind und welche nicht. Andere sehen hier noch großes Konfliktpotenzial. Einen baldigen Umstieg auf die GPL3 plant übrigens keines der befragten Unternehmen: Das Spektrum der Äußerungen reicht von "Wir sind mit unserer aktuellen Lizenz glücklich" bis "Wir beobachten das, sehen aber keinen akuten Handlungsbedarf". Strikte Ablehnung der GPL3 scheint es allerdings auch nicht zu geben.

Übrigens: Die deutsche Open Source Business Foundation (ehemals Linux Business Campus Nürnberg) führt derzeit im Web eine Umfrage "Herausforderungen für Open Source 2008" durch. Die Ergebnisse sollen auf der Konferenz Open Source Meets Business präsentiert werden. (odi)

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