Die Woche: Wettbewerb der Standards

@ctmagazin | Kommentar

Freude bei Microsoft, betretene Gesichter bei den deutschen ODF-Fans: Das DIN befürwortet OpenXML als ISO-Standard. Die Chancen steigen, dass wir es demnächst mit zwei standardisierten Dokumentenformaten zu tun haben werden.

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat sich für OpenXML als ISO-Standard ausgesprochen. Mit 13 zu 4 Stimmen fiel das Ergebnis ziemlich eindeutig aus – daran können auch Spekulationen über angebliche Merkwürdigkeiten bei der Abstimmung nichts ändern.

In absehbarer Zukunft wird es also wohl zwei Standards für Office-Formate geben: ODF, bereits von der ISO standardisiert, und OpenXML, auf dem Weg dorthin – trotz Widerstand einiger Organisationen und Länder. Der Linux-Verband beispielsweise hat sich schon mit dieser Aussicht arrangiert – auch wenn man nicht glücklich mit der sich abzeichnenden Situation ist.

Für Microsoft scheint die Anerkennung von OpenXML als ISO-Standard eine Herzensangelegenheit zu sein, nicht zuletzt, weil immer mehr Länder in öffentlichen IT-Ausschreibungen die Einhaltung offener Standards fordern. So verabschiedete der Bundestag diesen Sommer einen Antrag mit dem Titel Den Wettbewerb stärken, den Einsatz offener Dokumentenstandards und offener Dokumentenaustauschformate fördern, der die Verwendung offener Formate in der IT des Bundes empfiehlt. Die Idee dahinter erklärte Dr. Uwe Küster, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, auf dem diesjährigen LinuxTag: Ein offener Dokumentenstandard würde "den Wettbewerb organisieren", "Diktate der Großen verhindern" und so die Chancen kleiner und mittlerer Software-Hersteller auf dem derzeit von einem Hersteller dominierten Markt für Office-Software verbessern.

Dass sich Microsoft über die DIN-Empfehlung freut, ist daher nicht verwunderlich, bringt sie OpenXML doch ein Stückchen weiter auf seinem Weg zum ISO-Standard. Interessant ist allerdings, wie das Unternehmen in seiner Pressemitteilung das Votum für OpenXML in Hinblick auf die genannte Entschließung des Bundestags deutet: Die Entscheidung leiste "einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Standardisierungswettbewerbs, wie es der Deutsche Bundestag in seiner Entschließung [...] anregt".

Standardisierungswettbewerb? Der Antrag der Bundesregierung (PDF) spricht vom Wettbewerb zwischen Produkten auf Basis offener Standards, nicht von Wettbewerb zwischen Standards. Konkurrierende Standards, da fällt mir spontan der aktuelle Hickhack zwischen Blu-ray Disc und HD DVD ein, der der Etablierung eines DVD-Nachfolgers nicht eben förderlich ist. Aber vermutlich sind zwei Standards immer noch besser als gar keiner ... (odi)

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