Die Woche: Zum Erfolg verdammt

@ctmagazin | Kommentar

Der für Windows 8 angekündigte Windows Store könnte Schluss machen mit Abofallen und sonstigen Tricksereien rund um den Download kostenloser Software – und die Softwareinstallation unter Windows endlich so bequem machen wie bei Linux.

Man muss Microsoft auch mal loben: Dass jetzt endlich ein App Store für Windows kommen soll, ist eine gute Sache. In der Linux-Welt ist eine zentrale Installationsquelle für neue Programme schon lange selbstverständlich: Da sucht man Software nicht in irgendwelchen Download-Verzeichnissen zusammen, sondern installiert sie einfach aus dem Programmarchiv der Linux-Distribution. Damit hat man auch gleich die Gewähr, dass das Programm funktioniert und nichts im System durcheinanderbringt – und man läuft gar nicht erst Gefahr, dass einen die Google-Suche nach "OpenOffice" in eine Abofalle führt.

Vergrößern Bild: Microsoft

Um die Abofallen ist es zwar ruhiger geworden, seit sich die Gerichte dem Thema angenommen haben; aber in nicht so teuren, dennoch lästigen Varianten ist die Abzockerei mit Gratis-Software immer noch gängig. Jüngstes Beispiel: das Portal Download.com, das beim Versuch, beispielsweise den freien Netzwerkscanner Nmap herunterzuladen, kackdreist eine eigene Toolbar installierte und das System verbog – Praktiken, die übrigens auch Microsoft nicht gutheißt. Wollen wir also hoffen, dass der Windows Store Erfolg hat und sich als Hauptbezugsquelle zumindest für freie, kostenlose und billige Software für Windows etabliert (Photoshop und Co. wird man wohl erst mal weiter über andere Vertriebswege beziehen).

Insofern ist es nur konsequent von Microsoft, dass die Nutzungsbedingungen für Entwickler im Windows Store eine explizite Sonderbehandlung für Open-Source-Software vorsehen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Ärger um den iOS-Port von VLC? Da die Nutzungsbedingungen des App Store "den Weitervertrieb, die Weitergabe, Übertragung oder Unterlizenzierung" ausdrücklich verbieten und die Nutzung der Software lediglich auf "von Apple freigegebenen Geräten" erlauben, vestößt der Vertrieb über den App Store gegen die GPL. Nach einer Beschwerde des VLC-Mitentwicklers Rémi Denis-Courmont entfernte Apple den freien Mediaplayer wieder: Die Rechte, die freie Software dem Anwender einräumt, lassen sich beim besten Willen nicht mit der restriktiven Policy des App Store verbinden.

Das Problem ist also bekannt, und für seinen Windows Phone Marketplace hat Microsoft eine noch radikalere Lösung gewählt als Apple: Dort ist Open Source ist von vornherein verboten. Die Nutzungsbedindungen für App-Anbieter schließen explizit alle Programme aus, die mit Quellcode ausgeliefert werden müssen, die Erstellung von abgeleiteten Werken erlauben oder kostenlos weitergegeben werden dürfen. Lediglich einige ausgewählte Non-Copyleft-Lizenzen wie die Mozilla- und die Eclipse-Lizenz sind von dem Open-Source-Verbot ausgenommen.

Dass man für den Windows Store eine andere Lösung gewählt hat, dürfte daher weniger dem entspannteren Verhältnis geschuldet sein, das Microsoft mittlerweile zu freier Software hat, sondern vor allem schlichtem Pragmatismus: Open Source hat den Windows-Desktop längst erobert. Immer mehr User surfen lieber mit Chrome oder Firefox als mit dem Internet Explorer, spielen Musik und Filme lieber mit dem VLC ab als mit dem Windows Media Player, bevorzugen das freie Open|LibreOffice gegenüber MS Office. Früher hätte Microsoft vielleicht versucht, die kostenlose Konkurrenz für die eigenen Anwendungen aus dem Windows Store rauszuhalten; heutzutage kann man sich das nicht mehr leisten.

Wenn der Windows Store Erfolg haben will, muss er eine Bezugsquelle für (fast) alle Programme sein, die ein Windows-Anwender so braucht. Open Source gehört dazu. (odi )

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