Digital aufs Band

Camcorder in Recorder verwandeln

Test & Kaufberatung | Kurztest

Wer in der EU einen digitalen Camcorder erwirbt, kann meist nicht über den IEEE-1394-Anschluß aufnehmen. Passende Software erlaubt dennoch den verlustfreien Videoschnitt per Computer.

Ein digitaler Camcorder, der via IEEE-1394-Anschluß aufnehmen kann, unterliegt einem zehn Prozentpunkte höheren Einfuhrzoll als einer, der das nicht kann. Deshalb sperren Hersteller diese Funktion bei vielen preisgünstigen Geräten. Oftmals tun sie das aber nur per Software. Diverse kleine Anbieter verkaufen Minimalfernbedienungen, die nur eine Funktion haben: den Digitaleingang freizuschalten.

Günstiger kommt die PC-Lösung Lremote. Für 140 Mark erhält man eine kopiergeschützte Diskette mit der Software und ein Kabel, das den Druckerport mit der LANC-Buchse des Camcorders verbindet. Laut Hersteller liefern manche Notebooks eine zu geringe Ausgangsspannung, so daß Lremote dort nicht funktioniert.

Hat man eine Freischaltung vorgenommen, kann man keine weitere tätigen - es sei denn, man macht die vorige rückgängig. Das verhindert den gewerblichen Einsatz der Software. Die Funktion, Freischaltungen wieder aufzuheben, beruhigt aber auch vorsichtige Gemüter, die befürchten, durch den Eingriff in den Camcorder Garantieansprüche zu verlieren.

Mit Sonys Digital8-Camcorder TR7000E (1700 DM) funktioniert Lremote ohne Komplikationen. Nach der Freischaltung lassen sich etwa mit der Software Final Cut Pro über den IEEE-1394-Anschluß Videos auf die Kassette spielen. Die Aufnahmefunktion muß man durch Final Cut fernsteuern, denn eine Taste dafür fehlt dem Camcorder. Die Vorschau, die das Programm über IEEE 1394 beim Editieren ausgibt, erscheint im Sucher und auf einem am Camcorder per S-Video oder Composite angeschlossenen Videomonitor.

Lremote schaltet am Digital8-Camcorder auch die Analogeingänge frei. Die Composite- und S-Video-Buchsen des Camcorders dienen dann nicht mehr nur als Ausgänge. Die Aufnahme startet man mit einem Programm, das Lremote beiliegt. Analogvideo bringt man in den Rechner, indem man es auf Digital8-Band aufzeichnet und dann über IEEE 1394 abspielt. Obendrein gibt der Camcorder schon ohne Freischaltung analoge Hi8-Kassetten über den Digitalanschluß wieder.

Nach der Freischaltung ersetzt der Digital8-Camcorder in Verbindung mit einer einfachen IEEE-1394-Karte (c't 10/99, S. 140) teure Profi-Hardware. Für den Videofan bleibt jedoch das Risiko, daß ein frisch gekaufter Camcorder nicht mehr auf die Freischaltcodes reagiert - weil der Hersteller inzwischen den Digitaleingang anders oder sogar komplett blockiert hat. (jl)

Lremote 4.0
Freischaltsoftware für Sony-DV-Camcorder
Hersteller Adaptive Systems, Wien, members.telecom.at/~erpar/DVin.htm, Tel. 00 43/1/2 82 66 22
für Camcorder PC1E, PC7E (mit LANC-Adapter), TRV5E, TRV7E, VX700E, SC100E, TR7000E, TR71000E, TRV110/210/310/510, bis zu bestimmten Seriennummern TRV9E, VX1000E, VX9000E
Systemanford. 486-Prozessor, Windows 95 oder 98
Preis ca. 140 DM