Digitale Gewinnspiele

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Auf der vom Desktop-Publishing-Guru Jonathan Seybold gegründeten Konferenzmesse 'Digital World' stand die Kommerzialisierung der globalen Datennetze im Vordergrund. Apple will mit der Konsole 'Pippin' den Lern- und Spielebereich aufmischen.

Sollen sich Regierungen aus dem Cyberspace der globalen Datennetze heraushalten? Wie wird sich das Internet entwickeln, wo lohnt es sich zu investieren? Werden sich politische oder Verbrauchergruppen auf dem Internet in 'virtuellen Gemeinschaften' organisieren und Einfluß auf Wirtschaft und Politik entwickeln? Solche und ähnliche Themen beherrschten die 'Digital World' im sommerlichen Los Angeles. Einig waren sich alle Teilnehmer nur in einem Punkt: Die Computernetze werden unentwegt wachsen, und so drängte sich unisono der optimistische Tenor in den Vordergrund. Im Mittelpunkt stand die zunehmende Kommerzialisierung des Netzes. Dem interaktiven Fernsehen werden nach wie vor erfolgreiche Zeiten prophezeit.

Die erste Cyber-Bank, die 'First Virtual Holdings' hat sich vor kurzem virtuell eingenistet. Mastercard und VISA entwickeln gemeinsam mit Microsoft und Netscape Verschlüsselungssysteme. Die Tage der unzähligen kostenlosen Netzangebote gehen bald dem Ende zu. Immerhin kann man auch noch anonym einkaufen: David Lynch von CyberCash Inc. erklärte sein kommendes Geldsystem, das keine elektronische Spur hinterläßt.

Eine 'Cyber-Geldbörse' wird von der Hausbank gefüllt, mit einer Software von CyberCash kann es online ausgegeben werden, am Ende wandelt die Firma das E-Cash wieder in harte Münze um. Lynch, der mit der US-Bank Wells Fargo zusammenarbeitet, glaubt, daß in fünf Jahren 90% weniger Personal in den Banken arbeiten wird. Steven Spielberg, erfolgreicher Filmzauberer, ist Vorsitzender der amerikanischen 'Starbright Foundation!', bestehend aus Mitarbeitern des Gesundheitswesens, Technologieexperten und Hollywood-Profis. Auf der Digital World stellte er die 'Starbright World' vor, eine virtuelle Welt auf dem Computer, die zusammen mit den vier amerikanischen High-Tech-Unternehmen Intel, Sprint, UB Networks und Worlds Inc. entwickelt wird.

Ab November 1995 sollen per Glasfasernetz kranke Kinder aus fünf verschiedenen US-Krankenhäusern miteinander verbunden werden. Mittels Intels Videoconferencing-Systems ProShare auf schnellen Pentium-Rechnern können sich die Kinder in der virtuellen Spielwelt, die von Worlds Inc., US-Experten für interaktive 3D-Welten, erstellt worden ist, sehen, miteinander sprechen und gleichzeitig spielen. Allerlei lustige Grafikfiguren repräsentieren die kleinen Patienten in dem bunten 'virtual playspace'. 'Diese ablenkende Intervention hat darüber hinaus einen hohen therapeutischen Wert,' bemerkte Spielberg, dies soll eine begleitende Forschung analysieren. Doch das Projekt hat freilich materiellere Hintergründe. Roel Pieper, Chef von UB Networks, erläuterte, daß es ferner darum ginge, die im Projekt verwendete Technologie und die ausgefeilte Anwendung für künftige Computernetze zu testen. Am Ende sollen bis zu 100 Kinderkrankenhäuser in den USA sowie viele weitere international, auch in Europa, am Starbright-Netzwerk beteiligt sein.

Auf dem New Media Forum von Apple gab es viel Praktisches vor allem für Multimedia-Entwickler und Geschäftsleute. Ausgiebig erläutert wurde das neue Mac-basierte Multimedia-Gerät 'Pippin' (siehe c't 5/95, S.43) sowie das Engagement der Firma beim Interaktiven TV (ITV). Mit Mac-basierten Set-top-Boxen will sich Apple im kommenden ITV-Markt etablieren. Seit 1994 ist der zweitgrößte PC-Hersteller am Info-Highway aktiv, und seit kurzem liefert Apple größere Stückzahlen seiner Set-top-Boxen für verschiedene internationale ITV-Projekte. So etwa für das auf 2500 Nutzer ausgeweitete Projekt mit der British Telecom und Oracle in England. Auch für Deutschland soll ein Abkommen mit der deutschen Telekom getroffen worden sein, sagte ein Sprecher von Apple in Los Angeles.

Pippin, der eine neue Konsumentenschicht ansprechen soll, die Computer bisher nicht nutzen wollen, verfügt über den 66-MHz-PowerPC-RISC-Prozessor 603e, 6 MB RAM und ein CD-ROM-Laufwerk mit vierfacher Geschwindigkeit. Da er nicht wie ein Computer aussehen soll, kommt Pippin ohne Tastatur (Eingabe via 'Handheld-Controller'), ohne Festplatte und ohne Diskettenlaufwerk auf den Markt.

Pippin beliefert den Fernseher in NTSC und PAL, kennt aber auch VGA und dröhnt im 16-Bit-Stereosound. Wer will, kann den Pippin auch ausbauen: Speichererweiterung ist möglich, über zwei serielle Schnittstellen lassen sich weitere Peripheriegeräte und über einen Erweiterungs-'Slot' Festplatte oder Grafikbeschleuniger anschließen. Pippin ist zum Mac OS kompatibel, das Betriebssystem wird als 'funktionales Runtime-Subset' von Mac OS auf die CD-ROM ge'stamped'. Apple selbst wird das Gerät nicht bauen und vergibt OEM-Lizenzen. Als erster Hersteller hat sich Bandai, Japans größter Spielwarenhersteller etabliert ('Power Rangers'), der sogar einen Pippin-basierten Online-Service namens 'Frankie' aufbauen will. Spiele jedoch sollen nur einen geringeren Teil der Anwendungen ausmachen, in der Hauptsache sollen 'educational titles' und andere Heimanwendertitel entwickelt werden. Auf dem japanischen Markt findet Pippin bereits große Resonanz – zu zwei bisher abgehaltenen Konferenzen kamen 1500 Entwickler. Das Gerät soll etwa 850 Mark kosten und in Japan noch in diesem Jahr erhältlich sein. Die Markteinführung in Europa und den USA wird aber noch etwa ein Jahr auf sich warten lassen. (fm)

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