Distributionsreigen: Die Großen und die Kleinen

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Während sich die Community-Distributionen Fedora, Ubuntu und Mandriva für ihr Frühjahrsrelease bereitmachen, gibt Novell Suse Linux Enterprise den letzten Schliff. Auch kleinere Linuxe machten Frühlingsputz und veröffentlichten aktualisierte Versionen.

Bei Ubuntu läuft der Countdown: Diese Woche soll die erste Beta des kommenden Ubuntu-Release 9.04 erscheinen; die Freigabe der finalen Version ist für den 23.4. geplant. Knapp eine Woche später soll am 29. April die nächste Version von Mandriva erscheinen. Einen ersten Release-Kandidaten veröffentlichten die Entwickler am 11. März. Genauso wie Ubuntu bringt die französische Distribution das neue Dateisystem Ext4 mit, dessen Hauptentwicklungsphase mit Kernel 2.6.28 abgeschlossen ist; Standarddateisystem bleibt jedoch noch das altbewährte Ext3. Anders Fedora: Das für Ende Mai erwartete Fedora 11 soll standardmäßig Ext4 verwenden. Das Fedora-Team gab allerdings gerade bekannt, dass die ursprünglich für morgen geplante Beta um eine Woche verschoben wird.

Das Debian-Projekt hat inzwischen das offizielle Startsignal für die Entwicklung von Squeeze, der nächsten stabilen Debian-Version, gegeben. Mit einem Release-Plan halten sich die Entwickler traditionsgemäß erst einmal zurück. Mitte Februar hatte das Projektteam das langerwartete Debian 5.0 Lenny freigegeben. Auch die Policy, die unter anderem Richtlinien für die in Debian enthaltenen Softwarepakete vorgibt, hat das Team aufgefrischt. In der Zeit vom 29. März bis 11. April findet zudem die Wahl des neuen Debian-Projektleiters statt. Neben dem amtierenden Projektleiter Steve McIntyre kandidiert dieses Jahr mit Stefano Zacchiroli lediglich ein weiterer Entwickler.

OpenSuse hat seinen Release-Zyklus auf acht Monate umgestellt. Für die kommende Version 11.2 hat das Release-Team den November anvisiert, elf Monate nach der Veröffentlichung der aktuellen Version 11.1, die kurz vor Weihnachten fertig war. Unterdessen mehren sich die Anzeichen für ein baldiges Release der kommenden Version 11 Suse Linux Enterprise. Mit Vorabversionen von sowohl Suse Linux Enterprise Server (SLES) 11 als auch Suse Linux Enterprise Desktop (SLED) 11 hatte Novell Ende Februar einen Ausblick auf die neue Version des Unternehmenslinux gegeben.

Noch in dieser Woche soll CentOS 5.3 erscheinen. Der Red-Hat-Nachbau, dessen Releases traditionsgemäß einige Wochen nach dem Vorbild erscheinen, hat dieses Mal etwas Verspätung. Mit Scientific Linux 5.3 erschien indes Ende der vergangenen Woche die Neuauflage eines anderen Red-Hat-Klons. Ebenso wie CentOS bauen die Entwickler die Distribution aus den Quellpaketen von Red Hat Enterprise Linux, die Scientific-Linux-Macher fügen jedoch noch einige eigene Zugaben hinzu. Hinter Scientific Linux stehen einige wissenschaftliche Institutionen wie das Fermilab und das CERN.

Nach fast zwei Jahren erschien diesen Monat auch eine neue Version von PCLinuxOS., einem Mandriva-Derivat mit eigenen Ergänzungen, um das sich auch eine deutsche Community versammelt hat. Im Gegensatz zum rpm-basierten Mandriva setzt PCLinuxOS beim Paketmanagement auf das von Debian und Ubuntu bekannte apt mit dem grafischen Frontend Synaptic. Neben der offiziellen KDE-Version (KDE 3.5.10 – für KDE 4 erachten die Entwickler die Zeit noch nicht reif) gibt es eine Community-Variante mit dem Alternativ-Desktop Gnome. Auf die gerade erschienene neue Gnome-Version 2.26 wollte das Team jedoch nicht warten: PCLinuxOS Gnome 2009.1 setzt noch auf Gnome 2.24.3.

Das schlanke ZenWalk Linux, das vor wenigen Wochen in Version 6.0 mit der Desktop-Umgebung Xfce 4.6 erschien, dürfte mit der am Wochenende freigegeben Gnome Edition die erste Distribution sein, die auf das neue Gnome aufsetzt.

Neue Versionen gibt es auch von Absolute Linux, einer leichtgewichtigen, auf Slackware aufbauenden Distribution mit dem Window-Manager IceWM, und von Frugalware Linux. Die Entwickler von Absolute Linux 12.2.2 halten Ext4 für stabil genug, um es bei der automatischen Installation als Standarddateisystem einzusetzen. Die Frugalware-Macher sind zurückhaltender und setzen nach wie vor in den Standardeinstellungen auf Ext3. Neu sind hier ein PPC-Port und die offizielle Unterstützung für Netbooks der Reihe Asus Eee PC.

Persisch-sprechende Linux-Enthusiasten dürften Gefallen an der neuen Version 2.0 von Parsix GNU/Linux finden. Die Gnome-zentrierte Distribution baut auf den Testing-Zweig von Debian auf und kommt als installierbare Live-CD daher. Sie enthält diverse freie persische Schriftarten, ein Englisch-Farsi-Wörterbuch und lässt sich komfortabel auf ein persisches Tastatur-Layout umschalten.

Ein Linux im Streichholzschachtelformat bietet Tiny Core, das in nur 10 MByte einen Kernel der 2.6-Reihe, die BusyBox-Toolsammlung und ein minimales grafisches System auf der Basis von Tiny X und dem Window-Manager JWM packt. Aus der Taufe hob die Minidistro der Amerikaner Robert Shingledecker, der vorher als einer der Hauptentwickler bei Damn Small Linux (DSL) galt. Das System lässt sich mit Hilfe von Online-Repositories um zusätzliche Anwendungen erweitern. Es startet von CDROM oder USB-Stick und kann auf die Festplatte installiert werden. Tiny Core Linux begnügt sich mit einem i486DX-Prozessor und 32 MByte RAM, wobei mehr natürlich nicht schadet. Das System läuft komplett im Arbeitsspeicher. (akl)

Tiny Core Linux: Systemstart (Bild: http://wiki.tinycorelinux.com/)
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