Drahtlos-Komfort

Funktechniken im Heimbereich

Praxis & Tipps | Praxis

Ob der PC Party-Einladungen per Handy an die Freunde verschickt, Pink Floyd in der Küche die Lautsprecher-Boxen vorheizen oder der DVD-Spieler das halbe Haus mit Video-Clips versorgt - immer ist Datenübertragung im Spiel. Und am bequemsten geht es drahtlos.

Aufmacher

Drahtlos-Techniken haben viele Vorteile. Mit ihnen lassen sich lästige Kabel und hässliche Aufputzkabelschächte vermeiden, man kann bequem aus jedem Winkel des Zimmers die HiFi-Anlage oder den Fernseher fernbedienen, mal eben ein Funk-Netz zum Nachbargrundstück auf der anderen Straßenseite auswerfen oder auch mit dem Schnurlos-Telefon in der Hand während des Gesprächs umherspazieren.

Derzeit gibt es für den Heimbereich Dutzende verschiedener Drahtlos-Verfahren, die ihren eigenen Mini-Komfort bescheren. Doch da stetig neue, verbesserte Verfahren hinzukommen, ist beim Kauf Umsicht geboten - wer etwa in der Anfangszeit der Schnurlos-Telefonie auf CT-Geräte setzte, findet heute dafür keinen Support, da die besseren DECT-Telefone den Markt dominieren.

Ähnliches ist in anderen Drahtlos-Bereichen zu erwarten. Funk-Kopfhörer etwa kann man bequem statt Lockenwicklern beim Staubsaugen tragen und Funk-Lautsprecher passen prima statt trockener Blumenvasen auf die Fensterbank, doch oftmals rauscht und knistert es bei der analogen Übertragung - vom edlen HiFi-Klang der teuren Stereo-Anlage bleibt nicht viel übrig. Dieselben Schwächen haben die Praline-Schachteln für die Video-Übertragung, die man zum Beispiel am TV-Ausgang der Grafikkarte einkoppelt.

Der prächtige Urlaubs-Video-Clip kommt also gar nicht so farbecht und womöglich nur verschneit auf der Mattscheibe im Nebenzimmer an. Und wer weiß, vielleicht befriedigt man mit seinem ‘Hausfunk’ unwissentlich die Neugier von Nachbarn, die das gleiche Funk-System gekauft haben, denn die meisten Empfänger eines Herstellers können auf einem der zwei möglichen Kanäle im Prinzip alle Sender ‘sehen’, auch wenn sie nicht aus dem gleichen Karton stammen [#literatur [1]].

Die Computer-Welt hat wiederum ihre eigenen - digitalen - Schnurlos-Techniken mit den typischen Vorteilen: Oft lassen sich Übertragungsfehler korrigieren und die Funkpartner gehen sich mittels eigener Übertragungskanäle aus dem Wege. Für DECT hat man zusätzliche Verfahren für die Datenübertragung entwickelt. Doch bisher bewältigen DECT-Surf-Stationen mit rund 30 kByte/s nur wenig mehr als ISDN-Geschwindigkeiten [#literatur [2]]. Der LAN-Abkömmling WLAN liefert zwar bis zu 600 kByte/s, eignet sich aber nur zum Vernetzen und Surfen [#literatur [3]]. Das PC-eigene Infrarot-Verfahren IrDA ist nicht kompatibel zu TV- und HiFi-Fernbedienungen und auch dabei müssen Sender und Empfänger einander sehen können. Für Tastaturen und Mäuse gibt es nur herstellerspezifische (proprietäre) Verfahren, sodass ‘fremde’ Tastaturen oder Mäuse nicht mit dem Funk-Adapter eines anderen Herstellers reden, ihn aber durchaus stören können. Auch kann es vorkommen, dass zwei Nutzer sich gegenseitig blockieren.

Doch es geht auch anders: Daheim angekommen, spielt ein moderner Tech-Nomade per Funk die mitgebrachten Adressen aus dem Handy und die unterwegs gekritzelten PDA-Notizen in den PC, ruft drahtlos die neuen E-Mails aus dem Internet ab, druckt sie auf dem in den Flur verbannten ‘Funk-Drucker’ aus und legt sich zum Lesen der Liebesbriefe entspannt aufs Sofa. Musik? Kein Problem: Mit dem PDA lässt sich die Lieblings-MP3-Songliste auch aus dem Nebenzimmer auf dem HiFi-PC starten.

All diese Geräte kommunizieren über eine einzige Funktechnik miteinander, nämlich Bluetooth. Das Verfahren ist so flexibel ausgelegt, dass es etliche anderen Drahtlos-Techniken ablösen könnte. Zum Beispiel kann jede PC-Anwendung, ob Fax-, SMS-Programm oder DFÜ-Netzwerk, Bluetooth ohne ‘Vorkenntnisse’ nutzen. Bluetooth befördert bis zu 90 kByte/s, überbrückt bis zu 100 Meter [#literatur [4]] und reicht also zum Surfen, Drucken, zum Datenabgleich, zum Telefonieren, ja selbst für die gelegentliche LAN-Kopplung aus; Verschlüsselung ist eingebaut.

Bluetooth-Chips gehen mit Strom genügsam um und sind für Hersteller recht billig. Deshalb überträgt man ihnen immer mehr solche Aufgaben, die heute Infrarot- und IrDA-, DECT- oder auch die speziellen Funk-Komponenten in Tastatur und Maus verrichten. Sie eröffnen aber auch neue Einsatzfelder, etwa bei der Sprachübertragung im Auto oder der Übertragung von MP3-Musik zwischen PC und Stereo-Kopfhörer.

Zur herstellerübergreifenden Kommunikation nutzt Bluetooth für jeden Einsatzzweck ein so genanntes Profil. Das Fax-Profil regelt die Faxübertragung, das File-Transfer-Profil die Dateiübertragung und so weiter. Ende 2002 waren 19 (Anwendungs-)Profile spezifiziert, weitere sind zu erwarten.

Bisher sind fast 900 Profil-Funker zertifiziert. Es gibt PC-Erweiterungen in Form von Mainboard-Modulen, USB-Steckern, PC- und PCI-Cards, dazu kommen Camcorder, Digicams, Drucker, Handys, Headsets, Freisprecheinrichtungen fürs Auto und fürs Ohr, ISDN-Adapter, LAN-Access-Points, Mäuse, Modems, MP3-Player, Stereo-Kopfhörer und -Lautsprecher, Strichcode-Scanner, Tastaturen, PDAs, Sub-Notebooks und anderes mehr - zum Beispiel Kuriositäten wie funkende Festplatten, Füller, Kofferverfolgungssysteme, USB-Dongles als PC-Schlüssel oder auch Puls- und Blutdruck-Messgeräte. Auch sollen Bluetooth-Geräte den Reifendruck von Autos mitteilen.

Doch mit der Vielfalt handelt man sich auch prinzipbedingte Nachteile ein, denn anders als eine Kabelstrippe muss eine Funkverbindung unbefugte Nutzer und Abhörer ‘künstlich’ ausschließen, also besondere Sicherheitsmechanismen verwenden. Damit etwa ein PDA ein Handy zum Surfen nutzen kann, muss es das Mobiltelefon zunächst ‘sehen’; das Bluetooth-Modul des Handys muss im Erkennungsmodus sein (Discovery). Um sich nun einander bekannt zu machen, müssen die beiden Gegenstellen das gleiche Passwort übermitteln (Kopplung, Pairing). Dieses Paarungsritual ist nur einmal erforderlich, denn die Funkpartner merken sich die Kenndaten.

In der Praxis gelingt aber nicht jede Paarung. Das kann zum Beispiel an mangelnder Interoperabilität liegen. Deshalb muss man Funk-Pärchen für jede Anwendung, etwa Internet-Zugang, LAN-Kopplung, Tippen und Mausen, Spracheingabe, Drucken, Fernbedienung oder auch Telefonieren am Lenkrad sorgfältig auswählen. Welche Bluetooth-Paare korrekt funken und welche nicht, lesen Sie in dem Beitrag ‘Funk-Parade’ in c't 2/2003 auf Seite 76. Der Artikel in c't 2/2003 auf Seite 82 erklärt ausführlich, wie man ‘Funk-Störungen’ behebt.

Bisher sind noch lange nicht alle möglichen Bluetooth-Features ausgereizt und in Produkten umgesetzt. Gleichzeitig kündigen sich schon zahlreiche neue Anwendungen an. Der Artikel in c't 2/2003 auf Seite 86 zeigt den Stand der Dinge und umreißt die zu erwartenden Entwicklungen. (mur)

[1] Carsten Meyer, Sven Hansen, Heimatsender, Acht Funkübertragungsstrecken für Bild und Ton, c't 5/02, S. 138

[2] Du san Zivadinovi´c, Murat Özkilic, Schnurlos surfen, Acht drahtlos Systeme für ISDN- und Analoganschlüsse, c't 23/02, S. 158

[3] Ernst Ahlers, Netzen ohne Kabel, Vierzehn WLAN-Kits für Einsteiger, c't 14/02, S. 84

[4] Murat Özkilic, Du san Zivadinovi´c, Auf die Plätze, fertig, Funk!, Bluetooth-USB-Adapter, c't 1/02, S. 164

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Bluetooth-Anwendungen
Profil-Name Funktion
Basic Imaging Bild-Transfer
Basic Printing Drucken
Common ISDN Access ISDN
Cordless Telephony Schnurlos-Telefonie
Dial-up Networking Internet-Zugang
Fax Faxen
File Transfer Datei-Transfer
Generic Object Exchange Objekt-Austausch
Hands Free Sprechfunk im Auto
Hardcopy Cable Replacement Drucken
Headset Headset-Sprachausgabe
Human Interface Device Tastatur- und Maus-Anschluss
Intercom Sprechfunk (Walkie-Talkie)
LAN Access Netzwerkverbindung (via PPP)
Object Push Termine und Adressen übertragen
Personal Area Networking Netzwerkverbindung (via Ethernet)
Serial Port allgemeine serielle Verbindungen
SIM Access SIM-Karten-Zugriff
Synchronization Datensynchronisation

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Bei den meisten Automobilherstellern herrscht noch vornehme Zurückhaltung, wenn es um das Thema drahtlose Netze im Auto geht. Während Bluetooth für VW laut Pressesprecher derzeit kein Thema ist, verhalten sich Opel und Ford abwartend - man entwickelt im Hinterstübchen, gibt aber keine Details preis. DaimlerChrysler setzt in seiner Oberklassenlimousine E55AMG Bluetooth derzeit als Nabelschnurersatz zwischen Handy und festinstallierter Freisprecheinrichtung ein. Außer zum Telefonieren dient die Freisprecheinrichtung auch zur Kommandogabe an das Entertainment- und DVD-Navigationssystem COMAND. Genau anders herum verbindet Bluetooth im Audi A8 einen optionalen ‘Bedienhörer’ mit dem ins Fahrzeug fest eingebauten GSM-Telefon. Damit können auch Fond-Passagiere telefonieren, ohne am Fahrer in Richtung Freisprecheinrichtung vorbeirufen zu müssen.

Bei BMW soll Bluetooth auch zum drahtlosen Datenaustausch mit dem Bordcomputer dienen. Adresslisten für die Navigation oder Telefonnummern können Fahrer oder Passagiere in oder aus dem PDA oder Laptop übertragen. Drahtlos will BMW später auch Fahrzeugdiagnose, Firmware-Updates und Datenabgleich des Bordcomputers in der Kfz-Werkstatt durchführen. An ähnlichen Systemen forschen auch Audi, Bosch und DaimlerChrysler. (ea)

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