Durchbruch

Linux als Desktop-Alternative

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Schon vergangenes Jahr war es zu lesen: 2003 soll das Jahr des Linux-Desktops werden. Neue Distributionen sprießen aus dem Boden, die alten Hasen im Geschäft polieren ihre Produkte. Denn Gründe dafür, dass Linux dem bisherigen King auf dem Desktop Marktanteile abjagt, gibt es genug.

Aufmacher

Das abschreckende Bild vom Linux-Aspiranten, der bereits an der Installation scheitert, entspricht nicht mehr der Realität. Moderne Distributionen installieren im Normalfall ein nahezu perfekt lauffähiges System. Die elementaren Konfigurationsschritte, etwa zur Anpassung der verwendeten Fonts, des Bildschirmhintergrunds und der Bildwiederholrate, gehen auch Linux-Unkundigen leicht von der Hand.

Das Hauptargument gegen Linux, nämlich dass es nicht genug Software gebe, gilt ebenso längst nicht mehr. Man hat die Wahl zwischen verschiedenen Office-Paketen, Browsern, Dateimanagern und sogar Bedienoberflächen - eine Vielfalt, die eingefleischte Windows-Benutzer zunächst erschlägt. Apropos Windows: Manche moderne Distribution bringt mit dem Code-Weaver-Plug-in auch gleich noch die Fähigkeiten mit, Micro-soft-Office unter Linux zu betreiben. Langjährige Microsoft-Fans müssen also nicht gleich auf OpenOffice umschulen.

All das macht es PC-Anwendern leicht, ihr Windows durch Linux zu ersetzen. Dank mitgelieferter Software zum Umpartitionieren eines Windows-PC lässt sich eine Linux-Distribution mal eben bequem, aber nicht ganz gefahrlos ausprobieren. So können sich Anwender mit Linux anfreunden und entdecken, dass es in vielen Punkten interessante Alternativen zu Windows bietet.

c't-Leser haben es jetzt besonders einfach: Dieser Ausgabe liegt eine bootfähige Knoppix-CD bei, die eine attraktive Auswahl von Linux-Anwendungsprogrammen mitbringt und ohne Festplatteninstallation ganz unverbindlich und risikolos jedem erlaubt, Linux zu beschnuppern.

Anlässe, es mal mit einem anderen Betriebssystem zu versuchen, liefern Windows und Microsoft zuhauf. Den Ruf, häufig abzustürzen und generell instabil zu sein, haben moderne Windows-Versionen zwar abgelegt, doch eine Eigenschaft haftet ihnen nach wie vor an: Sie wollen alles möglichst einfach machen und die Technik vor dem Anwender verbergen, was dazu führt, dass sich selbst Kenner mitunter nicht mehr helfen können. Erfahrene Nutzer haben unter Linux stets die Chance zu klären, ob sie oder das Betriebssystem das Problem verursachen. Windows-Nutzer hingegen sind oft auf Microsoft angewiesen.

Dass dort die Mühlen mitunter langsam mahlen, weiß jeder, der schon mal einen Fehler entdeckt oder eine Sicherheitslücke gefunden hat. Bis eine Lösung da ist, dauert es in der Regel Wochen. Oft bedarf es sogar öffentlichen Drucks, bis Microsoft ein Problem überhaupt als solches akzeptiert. Bei freier Software ergibt sich ein anderes generelles Bild: Die Entwickler reagieren schnell, und entdeckte Probleme sind zumeist binnen weniger Stunden gelöst. Unerfahrene Anwender haben davon unmittelbar etwas, schließlich profitieren sie von den zügig veröffentlichten Updates.

Die Undurchsichtigkeit von Windows macht misstrauisch. Es startet automatisch zahlreiche Dienste und richtet Benutzerkonten ein, deren Sinn und Zweck im Dunklen bleiben. So schürt Windows Paranoia, und mancher Benutzer scheint Microsoft alles zuzutrauen. Jedenfalls waren Zusätze, die angebliche Spionagefunktionen abschalten, nach der Markteinführung von Windows XP ein Renner - nicht immer zu unrecht, wie sich am Beispiel des Media Player von Windows XP herausgestellt hat, der allzu eifrig Daten an Microsofts Server überträgt.

Welche Dienste Linux startet, wofür sie und die zugehörigen Benutzerkonten dienen, ist transparent und lässt sich mit vertretbarem Aufwand ermitteln. Startschwierigkeiten lassen sich so analysieren und beseitigen. Dadurch, dass viele Augen die beteiligte Software untersuchen, kommen kaum Zweifel auf, ob ein Programm nicht vielleicht zu kommunikativ ist.

Hinzu kommt, dass der gesamte Linux-Support dezentral läuft. Der Quelltext einzelner Programme geht durch viele Hände. Entdeckte Fehler oder Sicherheitslücken landen dennoch schnell bei den zuständigen Entwicklern, etwa dem Autor selbst oder bei einschlägigen Distributoren und Paket-Betreuern. Sie kommunizieren über ‘ihre’ Software direkt miteinander und können Probleme so lokalisieren und gegebenenfalls auch eine gut hörbare Warnung aussprechen. Der Support in Art eines Netzwerkes, obwohl nicht formal organisiert, funktioniert so gut, dass im Fall einer Sicherheitslücke die Korrekturen schnell an allen relevanten Stellen bereitstehen. Es gibt anders als bei Windows keinen zentral ausfallgefährdeten und verwundbaren Punkt.

Microsoft weist immer wieder gern daraufhin, dass Linux nur deshalb als so sicher gelte, weil es ein viel weniger attraktives Angriffsziel sei. Aber die Erklärung ist zu simpel. Linux ist auch ein viel heterogeneres Angriffsziel; schließlich hat der Anwender die Wahl, welchen Browser und welchen E-Mail-Client er einsetzt, und macht davon Gebrauch. Windows-Anwender scheinen überwiegend bequem zu sein und nutzen schlichtweg die beiliegenden Programme von Microsoft.

Es gibt noch einen gewichtigeren anderen Grund, warum Linux deutlich sicherer ist: Benutzer arbeiten in aller Regel nicht mit den Rechten des Systemverwalters. Das heißt, das System ist zu guten Teilen einfach nicht kompromittierbar. Die meisten Privatanwender betreiben ihr Windows XP hingegen mit Administrator-Rechten, weil alles andere auf Dauer kaum praktikabel ist.

Zudem bringen heutige Linux-Distributionen deutlich ausgereiftere Techniken mit, ein System zu schützen. Ein PC mit direktem Internet-Zugang lässt sich schon bei der Installation mit einer verlässlichen Firewall schützen. Bei Windows steht stets der Komfort im Vordergrund, das heißt, die Firewall ist abgeschaltet und auf dem PC laufende Software kann sogar Löcher hineinschießen, damit etwa eine Videokonferenz oder ein Spiel die Firewall ungehindert passieren kann. Unter Linux ist das aufgrund der Tatsache, dass ein Anwender als normaler Benutzer am System angemeldet ist, undenkbar.

Dass Linux generell weniger anfällig für Makroviren, Dialer und sonstige Tricks heutiger Schadsoftware ist, hat Gründe: Anders als Windows versucht die Linux-Gemeinde nicht, alles mit jedem zu verheiraten. Die von Microsoft vorangetriebene Integration von Web-Browser, Datei-Explorer und Online-Hilfe ist immer wieder gut für neue Lücken. Hinzu kommt ein undurchsichtiger Dschungel von ActiveX-Komponenten, deren Hintertürchen erst nach und nach bekannt werden. Die Liste solcher Sicherheitslücken, für die Microsoft noch keine Korrektur anbieten kann, ist über die letzten Jahre beinahe konstant geblieben. Sie stellt eine latente Gefahr für jeden dar, der sich mit Windows im Internet bewegt.

Ein weiterer unschätzbarer Vorteil von Linux liegt im umfangreichen Software-Sortiment, das eine Distribution ausmacht. Der Löwenanteil dieser Software ist ebenso wie Linux selbst frei. Man kann System und Software also nicht nur kostenlos einsetzen, sondern auch auf beliebig vielen PCs nutzen. Bis auf wenige Ausnahmen ist es sogar statthaft, die eigenen Linux-CDs an den Nachbarn zu verleihen. Windows dagegen muss man für jeden PC kaufen, auf dem es laufen soll - Microsoft bietet nicht mal Rabatte für treue Kunden.

Künstliche Nutzungsbeschränkungen, wie sie Microsoft in seinen Lizenzverträgen gern vornimmt, zum Beispiel auf die Einsatzszenarien seines Remote-Desktop, sind Linux fremd. Wenn man so will, ist Linux-Software gut fürs Gewissen.

Andererseits lebt sie auch davon, dass es nicht nur Konsumenten gibt, die alles gratis haben wollen. Langfristig trägt dieses Modell nur, wenn die Nutzer auch dazu beitragen, sei es durch den Kauf einer Distribution oder Spenden, die inzwischen die meisten Projekte in irgendeiner Form entgegennehmen. Gern gesehen ist auch die Beteiligung an einem Projekt. Dazu muss man nicht zwangsläufig programmieren: Bug Reports, Hilfe in Foren, Mailing-Listen und News-Gruppen sind weite Betätigungsfelder.

Ob es für Linux weniger Software als für Windows gibt, ist mittlerweile fraglich. Freilich unterscheidet sich das Angebot stark, und für manchen Zweck gibt es gar keine Linux-Lösung. Mancher Fuchsschwanz oder Spoiler, der unter Windows die Kassen klingeln lässt, ist unter Linux gar nicht erst zu finden: Es gibt keine Tuning-Kits, die dem Anwender verheißen, den Speicher oder die Platte zu defragmentieren, den Speicher zu komprimieren oder die Cache-Größen anzupassen. Vermutlich weil die höhere Kompetenz der Anwender solche Angebote nicht aussichtsreich erscheinen lässt.

Das muss nicht heißen, dass die Linux-Software-Welt langweilig ist. Wer den Lieferumfang seiner Distribution gesichtet hat, kann sich auf zahlreichen News-Sites zu Linux frisches Software-Futter holen. In aller Regel stößt er dabei nicht auf lästige Zeitbomben oder absurde Funktionsbeschränkungen, mit denen die Entwickler hoffen, den potenziellen Kunden zum Registrieren und Bezahlen zu nötigen. Ganz ohne eigene Leistung geht das allerdings nicht ab - oft muss man solche Software noch selbst kompilieren und das ist sicher nichts, was ein Windows-Umsteiger mal eben so macht.

Die Freiheit, die ein Linux-Anwender genießt, geht über die reine Software hinaus: Er wird nicht mit einer Zwangsaktivierung konfrontiert, damit sein Betriebssystem überhaupt länger als 30 Tage läuft. Auch das in aller Munde geführte Digital Rights Management, das vor allem die Interessen der Produzenten schützt, steht für Linux nicht zu erwarten. Wer über seine MP3-Sammlung, seine Digitalbilder oder seine Videos frei verfügen will, kann auf lange Sicht mit Linux ohne externe Auflagen mit solchem Material umgehen.

Es bedarf keiner großen Freiheitsliebe, um zukünftige Entwicklungen zu beargwöhnen, die den PC um einen Hochsicherheitstrakt ergänzen wollen: Die PC-Industrie arbeitet an einer ‘Trusted Computing Platform Architecture’ (TCPA), bei Microsoft bisher Palladium, neuerdings ‘Next-Generation secure Computing Base for Windows’ genannt. Linux-Anwender müssen sich als Letzte vor irgendwelchen Einschränkungen fürchten, die solche Verfahren mit sich bringen. Schon jetzt gibt es sogar erste Treiber von IBM für TCPA - inklusive Quelltext, versteht sich.

Wie Windows hat auch Linux seine Schattenseiten: Das größte Manko scheint nach wie vor die Hardware zu sein. Die Unterstützung von neueren Standards ist in den letzten Jahren zwar mächtig gewachsen, so etwa für USB-Geräte, aber wirklich Schritt halten mit den aktuellsten Entwicklungen kann es selten. Neue Grafikkarten laufen zunächst unter Windows. Je nach Offenheit der Hersteller dauert es mitunter Monate, bis man auch Treiber für Linux bekommt - oft dann nicht vom Hersteller selbst. Die Selbstverständlichkeit, die einem Gerät beiliegende CD ins Laufwerk zu legen und den Treiber zu installieren, wie sie unter Windows besteht, ist unter Linux eine Seltenheit.

Auch tut sich das freie Betriebssystem schwer mit Standards, die aus dem Intel- und Microsoft-Umfeld stammen. Die ACPI-Unterstützung, für den Notebook-Einsatz heute fast ein Muss, ist noch unvollkommen. Ähnlich langsam ging es seinerzeit bei USB. Anders verhält es sich bezeichnenderweise bei Standards, bei denen Bill Gates nicht mit am Reißbrett gestanden hat. Bei Bluetooth war Linux sogar schneller als Windows. Trotzdem: Linux-Nutzer müssen eher mal basteln, um eine neue Hardware-Komponente zur Mitarbeit zu überreden.

Ähnlich verhält es sich mit aktueller Unterhaltungssoftware, sei es ein aktuelles 3D-Spiel oder Edutainmentware für Kinder. Unter Linux ist meist Fehlanzeige. Weder im Supermarkt um die Ecke noch beim Spielespezialisten in der City wird man auf absehbare Zeit Titel für Linux finden. Man muss sich schon auf spezialisierten Websites umsehen und erheblichen Installationsaufwand für 3D-Erweiterungen und andere X-Zusätze in Kauf nehmen, um aktuelle Unterhaltungssoftware in Betrieb zu nehmen. Nicht für jeden ist das Lob der Kids für die ungewöhnliche Software genug Dank für die Mühe.

Viele Linux-Nutzer scheinen sich lieber anders unterhalten zu lassen: Dutzende Skriptsprachen, fast alle Programmiersprachen und viele weitere Werkzeuge helfen eben auch, die Freizeit zu füllen. Wünsche, die sich ein Windows-Anwender nur durch einen tiefen Griff in die Geldbörse erschließen kann - dort gibt es professionelles Programmierwerkzeug nur, wenn man bereit ist, entsprechende Produkte zu kaufen.

Das ‘Alles gratis’-Argument ist in gewisser Weise fadenscheinig: Auch wenn man Linux in der Theorie kostenlos bekommen kann, indem man es sich aus dem Internet saugt oder die CD vom Nachbarn ausleiht, geht es doch ohne Investition nicht. Die muss indes nicht in Euro erbracht werden, sondern kann sich auch im Zeitaufwand bemessen. Und das ist de facto so: Linux mal eben so für etwas benutzen zu wollen, geht oft schief. Wer mit Linux richtig warm werden will, muss eine Lernphase einkalkulieren und auch Rückschläge in Kauf nehmen. Andererseits: All das gilt auch für Windows - nur haben viele dessen niedrigere Hürden schon genommen.

Geld zu sparen hilft Linux auch bei der Hardware. Da viele Treiber nicht vom Hersteller selbst stammen, findet sich für etliche Geräte auch heute noch einer in modernen Linux-Versionen, obwohl der Hersteller selbst den Support schon lange eingestellt hat. ISDN-Karten etwa, die mit einem aktuellen Windows schon lange nicht mehr funktionieren, lassen sich mit Linux weiterhin einsetzen. Auch bedenken die Linux-Entwickler oft noch ältere Systemversionen mit aktuellen Treibern, so die alten Kernel mit USB-Support. Microsoft hingegen hat es nicht für nötig gehalten, NT4 mit USB zu versorgen, und den Standard auch erst in Windows 98 SE vernünftig unterstützt.

Vergleich von Windows und Linux
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Studien zum Vergleich von Windows und Linux betrachten derzeit vor allem die Server-Seite. IDC kommt zu dem Schluss, dass Linux teurer ist.

Vergleicht man die Geschwindigkeit, mit der neue Linux- und Windows-Versionen auf dem Markt erscheinen, lässt sich daraus ein Nachteil für Linux ableiten: Wer mit SuSE Schritt halten will, muss drei- bis viermal im Jahr die Börse zücken; RedHat-Anwender immerhin zweimal. Ein neues Windows erscheint hingegen nur alle paar Jahre. Aber diesen Upgrade-Zirkus macht ohnehin niemand jedes Mal mit. Läuft eine Linux-Distribution erst mal rund, ist es wohl sinnvoll, dabei zu bleiben. Die wichtigen Updates gibt es auch so. Plant man alle paar Jahre eine Generalrenovierung etwa gemeinsam mit der Hardware ein, so entpuppt sich Linux keineswegs als Kostenfalle - anders verfährt auch der durchschnittliche Windows-Nutzer nicht.

Eine Firma muss, wenn sie Linux auf dem Desktop einsetzt, nicht für jeden PC eine Lizenz erwerben. Anders bei Microsoft: Hier regeln Verträge für Großabnehmer im Detail, was er lizenzieren kann und muss. Updates auf während der Vertragslaufzeit erschienene Produkte gibt es nur noch bei Abschluss einer zusätzlichen ‘Update-Versicherung’. Jeder Zugriff von einem Client auf einen Server(-Dienst) muss von einer geeigneten Lizenz gedeckt sein - der Kauf eines Client bei Microsoft reicht nicht. Solche Klauseln sind der freien Software, aus der Linux besteht, weitgehend fremd.

Microsoft führt trotzdem an, dass der Einsatz seiner Software im Unternehmen günstiger sei. Die Argumentation führt über die Folgekosten, die Microsoft für Linux sehr hoch ansetzt. Der Software-Riese geht davon aus, dass die Personal- und Ausfallkosten bei Linux deutlich höher liegen als bei Windows, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Die Angaben dazu stammen aus einer Studie, die IDC bei rund 100 US-amerikanischen Unternehmen durchgeführt hat. Wie viele andere Studien, die mitunter auch zu anderen Ergebnissen kommen, ist auch diese umstritten. Nichtsdestotrotz scheint sich inzwischen ein Tross von kommerziellen Anwendern in Bewegung zu setzen, die Linux nicht nur auf ihren Servern, sondern auch auf den Clients einsetzen wollen. Hauptsächlich, hört man, gehe es dabei ums Sparen.

In der Tat scheint Linux auf dem Desktop bisher vor allem dort zu überzeugen, wo es um den professionell betreuten Einsatz geht - also weitgehend vorkonfigurierte Systeme, die dem Anwender genau den für seine Aufgaben passenden Werkzeugsatz zur Verfügung stellen. Dafür hat zwar auch Microsoft mit seinen Verwaltungskonzepten rund um das Active Directory seiner Server einiges zu bieten, schreckt aber andererseits mit hohen Lizenzforderungen und undurchsichtigen Support-Optionen potenzielle Kunden ab. Einige in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Projekte zeigen, dass sich solche Szenarien durchaus auch mit Linux umsetzen lassen, zum Beispiel bei der Debeka [[#lit01 1]].

Anders als bei Windows muss man sich dafür unter Umständen erst die nötige Infrastruktur schaffen, hat dabei dann aber alle Wahlmöglichkeiten und muss nicht mit den von Microsoft vorgesehenen Pfaden vorlieb nehmen. Zudem wächst das hausinterne Know-how, sodass in Problemfällen nicht erst teure Hilfe einzukaufen ist. Interessant ist übrigens, dass Microsoft selbst mit den Terminal-Diensten einen einfachen Migrationspfad für umstiegswillige Kunden schafft. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, auf Linux umgestellte Desktop-PCs von einem zentralen Server aus mit Terminalsitzungen zu versorgen, in denen Windows-Software läuft. Mit dieser Fernsteuertechnik lässt sich unersetzliche Windows-Software weiter einsetzen, bis es Alternativen dafür gibt, etwa die hauseigene Lösung auf Linux umgestellt ist.

Linux dürfte sich noch als harte Nuss für Microsoft erweisen: Die Heerscharen fleißiger Entwickler, die ihre Produkte gratis weitergeben und sogar zur Auflage machen, dass Weiterentwicklungen im Quelltext wieder freizugeben sind, stehen im krassen Widerspruch zum Geschäftsmodell und Weltbild der Windows-Macher. Darüber können die eilends aufgelegten Shared-Source-Programme, die es ausgewählten Kunden und Institutionen erlauben, den Windows-Quelltext einzusehen, nicht hinwegtäuschen. Auch die übrigen Strategien Microsofts versagen: Man kann Linux nicht einfach kaufen. Als Gegenmittel bleibt für Microsoft auf Dauer wohl nur, seine Produkte besser zu machen und nicht so sehr aufs eigene Wohl auszurichten. Auch notorische Windows-Fans müssten also erfreut sein über die Erfolge des Konkurrenten Linux.

Reif für den Desktop ist Linux allemal. Getreu dem alten Spruch ‘Unix is user friendly, it’s just very picky about who its friends are’ kann man daraus aber keine generelle Empfehlung ableiten. Erfahrene Computer-Anwender mit Spaß am Basteln, Programmierambitionen oder einer im Lauf der Jahre gewachsenen Microsoft-Allergie - sei es aus Frust wegen der Windows-Unzulänglichkeiten oder politischen Bedenken wegen der übermächtigen Position des Software-Riesen - dürften mit dem freien System Freude haben. Dabei ist es egal, ob sie es privat oder beruflich einsetzen. Wer im Wesentlichen spielen will, keinen Wert auf Sicherheit legt und mit den Geschäftsgebaren des Software-Riesen kein Problem hat, für den bleibt Windows weiterhin das System der Wahl.

Anders sieht es beim Masseneinsatz in Firmen und anderen Institutionen aus. Viele Punkte sprechen heute dafür, Linux den kommerziellen Angeboten vorzuziehen, darunter Sicherheit, Anpassbarkeit, Kosten, Unabhängigkeit und Transparenz. Bei Microsoft hingegen ist allzu offensichtlich, dass die Produkte darauf ausgelegt sind, den Kunden auf Dauer zu binden - viele in den Clients vorhandene Fähigkeiten laufen nur mit einem Microsoft-Server zur Hochform auf. Linux dient dagegen allen Herren und Untergebenen gleich gut. Früher hieß es, ‘No manager ever got fired for buying IBM’. Das geflügelte Wort sollte darlegen, dass EDV-Verantwortliche beim Kauf bei IBM zwar auf der teuren, aber immer auch auf der sicheren Seiten waren. Heute setzt IBM selbst massiv auf Linux. (ps)

[1] Michael Kulisch, Axel Meyer, Jörg Steffens, Ausgetauscht, Linux auf 3000 verteilten Arbeitsplätzen, iX 3/02, S. 40


"Knoppix - das Instant-Linux"

Weitere Artikel zum Thema Knoppix finden Sie in der c't 4/2003:

Knoppix von der Heft-CD starten Seite 98
Linux-Software für jeden Tag Seite 100
Systemwartung und Netzwerkdiagnose Seite 104

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Auch wenn es die Distributoren nicht gerne hören werden: So groß sind die Unterschiede zwischen den diversen Linux-Varianten gar nicht. Einzig spezielle Distributionen wie LindowsOS und Xandros heben sich etwas ab. Aufgrund eines deutlich geringen Umfangs und wegen deutlich höherer Einstiegspreise empfehlen sie sich aber nicht wirklich.

Umsteiger sind mit den aktuellen Versionen der bekannten Distributionen - Mandrake, SuSE oder Red Hat - am besten bedient. Dabei reichen die günstigen Personal- oder Standard-Versionen mit Preisen unter 50 Euro aus. Die fehlenden Anwendungen vor allem aus dem Serverbereich wird man als Einsteiger kaum vermissen; falls doch, lädt man sie einfach aus dem Internet herunter.

Für SuSE spricht neben der besten deutschen Lokalisierung die weite Verbreitung hierzulande, die schnelle Hilfe im deutschsprachigen Teil des Internet oder der Linux-User-Group vor Ort verspricht. Technisch zeichnet sich SuSE durch sein integriertes Konfigurationswerkzeug Yast2 aus, das unter einer komfortablen Oberfläche alle wesentlichen Systemeinstellungen zugänglich macht.

Red Hat hat die weltweit größte Nutzergemeinde; viele Programme, aber auch Anleitungen im Internet sind auf die Gegebenheiten der amerikanischen Distribution abgestimmt. Außerdem gibt es die Kerndistribution von Red Hat Linux zum kostenlosen Download - für Anwender mit dickem Draht ins Internet durchaus eine überlegenswerte Alternative.

Mandrake pflegt mit eigenen Diskussions- und Hilfeforen aktiv den Community-Gedanken unter seinen Anwendern, was manchmal fast sektiererische Züge annimmt. Auch bei Mandrake kann man die Distribution kostenlos runterladen, allerdings bitten die Franzosen, doch zuvor dem Mandrake Linux User Club zu Preisen ab fünf US-Dollar pro Monat beizutreten.

Debian richtet sich eher an erfahrene Anwender, die eine grundsolide Distribution mit garantiert freier Software bevorzugen. Für einen Sysadmin, der die PC-Benutzer in seiner Firma mit einem individuell angepassten Linux beglücken will, ist Debian eine gute Wahl. Sein ausgefeiltes Paketmanagement verspricht, dass man ein solches System über Jahre durch einfaches Aufspielen der Updates aktuell halten kann. (odi)

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