ENUM für Endkunden

Die integrierte Verwaltung von Telefonnummern und IP-Adressen kommt voran

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500 Tester können in Österreich per ENUM-Client übers Internet telefonieren. Auch in Schweden und Großbritannien laufen offene Pilotprojekte mit den Telefon-Domains an. Deutsche User müssen sich hingegen weiter gedulden.

Nach Österreich schauen derzeit alle, die sich für ENUM (tElephone NUmber Mapping) interessieren, also die Einbindung klassischer Telefonnummern in das Domain Name System (DNS). Bei den VisionNG- und Tiphon-Tagungen Ende 2002 in den USA demonstrierten die Österreicher ENUM fürs Telefonie-Routing. ‘Seit den Präsentationen haben wir eine Menge Anfragen aus verschiedenen Ländern bekommen’, sagt Richard Stastny, ENUM-Experte der Telekom-Austria-Tochter Öfeg.

Die Technik bringt den Telekom-Firmen Kostenvorteile bei der Telefonvermittlung und ermöglicht die Zusammenführung von IP-Telefonie mit den klassischen Telefonnetzen (Circuit Switched Networks). Die Kunden profitieren von der Abwicklung aller Kommunikationsdienste über eine zentrale ENUM-Adresse (siehe Kasten).

Im Januar bekommen 500 Teilnehmer eines IP-Telefonie-Tests der Telekom Austria die Chance, ENUM auszuprobieren. ‘Mehr können nicht mitmachen, weil uns dafür Kapazitäten fürs SIP-Hosting fehlen’, sagt Stastny. Über das Session Initiation Protocol (SIP) werden IP-Telefonie-Verbindungen aufgebaut und genau das wollen die Leute mit ENUM ausprobieren, erwartet Stastny.

Dass das Alpenland bei der neuen Technik führend ist, mag an seinem relativ einfachen administrativen Modell liegen: AT.Nic, der nationale Provider für .at-Domains, übernimmt die zentrale Registrierungsstelle für die Domains mit den österreichischen Telefonnummern, die Telekom Austria ist der einzige Registrar. Erst bei den Application-Service-Providern tummeln sich mehr Anbieter, wie AOSA (Alcatel und Siemens), Kapsch und BearingPoint Infonova. Kapsch und Infonova bieten bereits erste ENUM-Clients für E-Mail und die Abfrage von Teilnehmerdaten an.

Ähnlich schnell wollen jetzt auch die Schweden einsteigen. In Schweden hat die Regulierungsbehörde die zentrale Registrierungsstelle ebenfalls an das nationale NIC vergeben. Daraufhin haben sich in der ersten Woche zwei ENUM-Service-Provider gemeldet, Digisip und die kürzlich von Telenor gekaufte Utfors, beides Spezialisten für IP-Kommunikation.

‘Ich habe keine Erklärung dafür, warum es in Schweden vor allem die Internet-Szene ist, die auf ENUM anspricht, während in Österreich mehr die klassischen Telekommunikationsanbieter einsteigen’, sagt Joakim Stralmark, ENUM-Projektleiter beim Schwedischen Telekommunikationsregulierer NRA. Dass sich die Telefoniebetreiber zurückhalten, könne sich negativ auswirken, wenn deren Kunden an den Pilotprojekten teilnehmen wollen.

In Großbritannien ist das Interesse an ENUM so groß, dass das britische Department of Trade and Industry angesichts von mehreren Bewerbern - CentralNic, Neustar und Nominet - für die zentrale Registry den UK-Nummernblock aufteilen musste. Auch im Königreich sollen die Tests im Januar losgehen, versicherte der britische Vertreter beim ITU-Treffen Anfang Dezember.

Deutschland ist von ENUM-Tests mit Endkunden dagegen noch ein gutes Stück entfernt. Die deutsche Registrierungsstelle DENIC hat Anfang Dezember erst einmal ein Validierungssystem für die Telefon-Domain-Adressen vorgeschlagen. Das Kapern fremder Telefonnummern durch Netzpiraten gilt als eines der Hauptprobleme bei ENUM.

Während in den Telefonnetzen die Nummern eindeutig zugeordnet sind, beweisen technische Möglichkeiten wie IP-Spoofing, also das Versenden von Daten mit gefälschten IP-Adressen im Internet, dass das DNS weniger sicher organisiert ist. Bei den europäischen Regulierungsbehörden wird deshalb diskutiert, wie sich die Integrität der Nummernzuteilung auch im weniger strikt regulierten DNS sicherstellen lässt. Denn durch unberechtigte Manipulationen an ENUM-Datensätzen könnte man E-Mails oder Anrufe abfangen oder einen fremden Account nutzen, um die Kosten auf dessen Inhaber abzuwälzen.

Damit das Kontrollsystem nicht zu kompliziert wird, will man sich in Schweden zunächst mit einer Faxbestätigung durch den Telefonprovider des jeweiligen Kunden begnügen. Die DENIC hat zusätzlich ein Callback-Verfahren vorgeschlagen, bei dem sich der Registrierende per Freischaltcode authentifiziert. Die derzeit zehn DENIC-Mitglieder, die sich als ENUM-Testprovider akkreditiert haben, favorisieren aber einfachere Lösungen.

Dass man in Deutschland für den ENUM-Teststart länger braucht, liegt an der anfangs zähen Debatte zwischen der Regulierungsbehörde und der DENIC. So hatte die vorläufige Vergabe der Registrierungsstelle an die DENIC nicht die ungeteilte Zustimmung aller beteiligten Beamten gefunden. Branchenkenner sehen allerdings auch den Schlingerkurs der Deutschen Telekom als möglichen Grund für die Verzögerung hierzulande.

Noch steht ENUM ganz am Anfang der Entwicklung. Ob es sich letztlich am Kundenmarkt durchsetzt oder nur hinter den Kulissen der Netzbetreiber das Routing erleichtern wird, darüber streiten sich die Experten. Trotzdem ist der Österreicher Stastny auf Grund der Erfahrung mit SMS, das ebenfalls über Jahre in den Schubladen geschlummert habe, heute der Ansicht: ‘Lieber bin ich zu früh dran als zu spät.’ (ad)

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ENUM bedeutet, dass man auf der Visitenkarte nur noch eine Telefonnummer angibt, anstatt einer ganzen Latte sich ständig ändernder Angaben wie E-Mail-Adresse, Telefon im Büro und daheim, Handy- und Faxnummern, Webseiten sowie den öffentlichen Schlüssel etwa für PGP. Dieser ganze Datenwust steht im ENUM-Directory, wo ihn der Anwender selbst pflegen kann. Die dort abgelegten Adressen decken praktisch alle bekannten Kommunikationsformen ab wie Telefonie über Festnetz, Mobilfunk und Internet, Fax, SMS, Instant Messaging oder E-Mail.

Bei der Telefonie kann der User durch Anruferidentifikation und das Setzen von Prioritäten festlegen, von wem er wie zu einem bestimmten Zeitpunkt bevorzugt kontaktiert werden möchte. Umleitungs- und Follow-me-Dienste eröffnen ein perfektes Management der Erreichbarkeit.

Spezielle E-Mail-Clients erwarten als Adresse die Telefonnummer des Empfängers und erzeugen daraus das ENUM-Adressformat. Entsprechend der vom Adressaten eingerichteten Angaben kann die Nachricht an seine jeweils aktuelle Mailbox weitergeleitet werden. Bei einem Providerwechsel muss man lediglich den ENUM-Datenbankeintrag ändern. Analog zu den E-Mail-Clients könnten auch Webbrowser mit ENUM-Adressen arbeiten.

Auf ENUM lassen sich Unified-Messaging-Dienste aufsetzen, indem etwa eine Sprachbox die aufgezeichneten Anrufe fallweise per E-Mail weiterleitet.

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