Ein Blick auf die Zukunft von Visual Studio

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Microsoft hat auf der "Build"-Konferenz eine Developer-Preview-Version der Entwicklungsumgebung Visual Studio 2011 vorgestellt. Sie erlaubt das Erstellen von Metro-Apps für Windows 8 und enthält zahlreiche weitere Verbesserungen und Erweiterungen.

Microsoft hat auf der derzeit stattfindenden Konferenz Build eine Developer-Preview-Version der Entwicklungsumgebung Visual Studio 2011 vorgestellt. Die kommende Version der IDE enthält unter anderem neue Vorlagen und Werkzeuge, mit denen sich Metro-Apps für Windows 8 erstellen lassen. Entwickler können dabei zwischen zwei verschiedenen Herangehensweisen wählen: Entweder sie modellieren die Bedienoberfläche in der Layout-Beschreibungssprache XAML und programmieren den dahinter liegenden Code in C++, C# oder Visual Basic. Alternativ kann man das Design in HTML5 und CSS erledigen und für die Programmfunktionen JavaScript verwenden. Im ersten Fall profitieren Entwickler von einem neuen XAML-Designer, der in weiten Bereichen einen ähnlichen Funktionsumfang hat wie das Design-Werkzeug Expression Blend – beide Editoren verwenden eine gemeinsame Code-Basis. Auch der HTML- und der JavaScript-Editor haben deutlich dazugelernt: Ersterer bietet unter anderem einen DOM-Explorer, der ähnlich wie die Entwicklerwerkzeuge des Internet Explorer funktioniert, aber auch Änderungen am HTML- und CSS-Code zulässt. Bei JavaScript schließt die IntelliSense-Unterstützung in puncto Vollständigkeit und Geschwindigkeit zu den Editoren für C# und Visual Basic auf.

Bei der Fehlersuche in Metro-Apps kann man zwischen verschiedenen Laufzeitumgebungen wählen: Unter Windows 8 lassen sie sich wie andere Anwendungen nativ debuggen. Um zu testen, wie sich eine App auf Geräten mit anderen Bildschirmauflösungen verhält, kann man einen Simulator verwenden. Anders als etwa der Windows-Phone-Emulator im Visual Studio 2010 gaukelt er der Anwendung auch Ausgaben eines Lagesensors vor und simuliert Zweifingergesten mit einer Maus. Als dritte Debug-Umgebung kommt das Zielgerät selbst in Frage, das zum Remote Debugging per Netzwerk mit dem Entwicklerrechner verbunden sein muss.

Für die Installation von Metro-Apps hat Microsoft ein neues Paketformat definiert. Visual Studio 2011 beherrscht dieses Format und bietet unter anderem grafische Editoren für die dort verlangten Manifest-Dateien. Auf Knopfdruck lädt die IDE das fertige Paket auch in den Store hoch, den Microsoft für Metro-Apps einrichten will.

Die Unterstützung für Metro-Apps ist bei Weitem nicht die einzige Änderung, die Microsoft für Visual Studio 2011 anpeilt. Nach wie vor lassen sich damit Desktop-Anwendungen für Windows erstellen, wobei Entwickler davon profitieren, dass die beliebten Productivity Power Tools von vornherein integriert sind. Die Toolbar der Entwicklungsumgebung wurde überarbeitet und entschlackt, dafür gibt es jetzt für die seltener verwendeten der enthaltenen etwa 4000 Befehle eine globale Suchfunktion. Eine Funktion namens Code Clone Search spürt Stellen in Quelltexten auf, die einander stark ähneln und womöglich in eine gesonderte Funktion ausgelagert werden sollten. Sie basiert nicht auf einem simplen Textvergleich oder regulären Ausdrücken, sondern setzt Heuristiken für den Vergleich ein. Programmierer von Gerätetreibern wird freuen, dass sie direkt von der Entwicklungsumgebung aus auf den Kernel Debugger zugreifen können.

Spieleentwickler finden im Visual Studio neue DirectX-Projektvorlagen. Außerdem können sie Medien wie Audio-Clips, Texturen oder 3D-Modelle direkt in der IDE verwalten. Für letztere gibt es gar einen Editor, der zwar kein professionelles Modellierungswerkzeug ersetzt, aber unter anderem die Möglichkeit bietet, herauszufinden, welche Modell- und Code-Komponenten am Aussehen eines bestimmten Bildschirmbereichs beteiligt sind. Eigenschaften wie Farben oder Texturen lassen sich hier direkt ändern.

Die oben erwähnten Verbesserungen beim Umgang mit JavaScript stehen auch Web- und Cloud-Entwicklern zur Verfügung. Für letztere wurde das Azure SDK in Version 1. 5 integriert, außerdem kann der Profiler nun auch in Azure-Anwendungen Performance-Problemen auf den Grund gehen. ASP.NET-Anwendungen haben einen Automatismus hinzugelernt, der erkennt, wenn Seiten mit einem Mobilgerät aufgerufen werden, und die Darstellung entsprechend anpassen kann.

Einen breiten Bereich an Neuerungen nimmt das Thema Application Lifecycle Management (ALM) ein. So gibt es den Team Foundation Server (TFS) außer zur Installation auf eigenen Maschinen wahlweise als Cloud-Service auf Windows Azure. Ansprechen lässt er sich nicht nur aus der Entwicklungsumgebung heraus, sondern mit TFS Web Access auch per Browser. Geplant ist, dass sich auch bei dieser Zugriffsart kleinere Änderungen an Quelltextdateien direkt vornehmen lassen. Entwicklerteams kann der kommende TFS in Arbeitsgruppen aufteilen (die Microsoft übrigens wieder "Teams" nennt), sodass man etwa Aufgaben oder Bugs gruppenweise zuweisen und verwalten kann.

Zum Definieren von Anforderungen an die Bedienoberfläche von Anwendungen liefert Visual Studio 2011 einen Satz an Powerpoint-Vorlagen mit: Über dieses "Powerpoint Storyboarding" kann man recht einfach das Aussehen des GUI definieren und mit kleinen Animationen auch sein Verhalten simulieren.

Innerhalb von Visual Studio erleichtert ein neuer Team Explorer den Umgang mit dem TFS, in dem ein Entwickler zum Beispiel sehr einfach die Arbeitsschritte verwalten kann, die ihm selbst zugeordnet wurden. Die Code-Editoren können Unterschiede zwischen verschiedenen Versionsständen von Quelltextdateien nicht mehr nur in getrennten Fenstern nebeneinander, sondern auch farblich hervorgehoben direkt im Text anzeigen. Das Durchsuchen bestehenden Codes nach Abhängigkeiten und Verbindungen (Architectural Discovery) soll deutlich schneller vonstattengehen, weil Visual Studio die dabei erzeugten Daten auf der lokalen Festplatte zwischenspeichert und in der dazugehörigen Diagrammansicht immer nur die Informationen lädt, die gerade angezeigt werden.

Visual Studio 2011 soll Unit Testing auch in C++-Projekten unterstützen und dazu ein eigenes Test-Framework mitliefern. Ein neuer Unit Test Explorer navigiert – in allen Sprachen – per Doppelklick direkt zu der Stelle im Quelltext, an der ein Test gescheitert ist.

Noch ist hat Microsoft kein Wort darüber verloren, welche Editionen vom Visual Studio 2011 es geben wird, also etwa Professional, Premium und so weiter, und welche der vorgestellten Funktionen in welcher Ausgabe enthalten sein sollen. Etliche der Funktionen sind auch noch komplett Zukunftsmusik und nicht in der jetzt erschienenen Developer Preview enthalten. Wer sich selbst ein Bild machen will und Abonnent bei MSDN ist, kann die Developer Preview ab sofort herunterladen; Nicht-Kunden müssen bis zum morgigen Freitag warten.

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