Ein Elektroauto als Familienfahrzeug – geht das wirklich? Update

Autotausch [--] der Anfang

Wissen | Reportage

E-Auto als Familienkutsche? Taugt nix. Oder doch? Wir wollten es wissen und tauschten einen Pampersbomber gegen den Nissan E-NV200 Evalia. Zunächst standen einige Vorbereitungen an.

Ein Elektroauto als fahrbarer Untersatz für die ganze Familie? Das kann doch eigentlich nichts werden! Und trotzdem wollte ich mal wissen, ob das funktionieren kann. Den Impuls gab unsere Testfahrt von Kirchrode nach Kollerschlag, rund 750 Kilometer, die wir in einem Nissan Leaf zurücklegten. Das Fahrzeug schien mir derart alltagstauglich zu sein, dass mich der ebenfalls von Nissan angebotene E-NV200 Evalia neugierig machte: Ein elektrifizierter Siebensitzer – wäre das ein adäquater Ersatz für unsere Diesellok Citroen C8?

Hier also der grobe Rahmen für den dreiwöchigen Autotausch: Ehepaar, Stadtwohnung mit Tiefgaragenplatz, drei Kinder. Das Fahrzeug wird viel zu oft zum Pendeln zur Arbeit genutzt (etwa 7 km), am Wochenende oft zur Gartenhütte bewegt (etwa. 45 km) und muss für die üblichen Kindertransfers und Familienausflüge herhalten. All das soll in den nächsten Wochen der Nissan E-NV200 leisten – über Erfahrungen und Probleme werde ich in loser Folge auf der c't-Webseite berichten.

Die erste Hürde war zu nehmen, bevor das Fahrzeug überhaupt in der Redaktion ankam. Denn ohne eine Lademöglichkeit daheim hätte ich den Autotausch kaum gewagt. Die längsten Stehzeiten verbringt das Fahrzeug über Nacht in der Tiefgarage, also sollte an dieser Stelle auch eine Lademöglichkeit bestehen. Der Vermieter erklärte sich bereit, die Installation durch einen Elektrofachbetrieb zuzulassen.

Die eigentliche Elektroinstallation durch Elektro Rosummek war in 30 Minuten erledigt. Langwierig war der Aufbau des Leitungsweges aus einer Verteilung eines anliegenden Gebäudes. Das Verlegen einer neuen Leitung ist wegen der Dauerbelastung beim Aufladevorgang notwendig. Obwohl also bereits Strom in der Garage liegt, wird eine diskrete Leitung (NYM 3x2,5mm) mit eigenem FI-Schutzschalter direkt zum Hausanschluss gelegt. Dort ist auch ein digitaler Zwischenzähler montiert, der künftig den Ladestrom vom Allgemeinstrom des Miethauses abtrennen wird. Das Elektrofachunternehmen hätte die Installation einer Wallbox bevorzugt, die Verteilung gab allerdings nur eine einphasige Anbindung mit 16A-Absicherung her. Nach etwa sechs Stunden hängt die abschließbare Schukosteckdose an der Wand – das Fahrzeug kann kommen.

Endlich steht der E-NV200 Evalia vor der Tür. Wie bei E-Fahrzeugen üblich, hat er es nicht aus eigener Kraft in die Redaktion geschafft sondern kommt auf einem Anhänger. Nach einem Fototermin geht es ans Umrüsten. Drei Kindersitze suchen einen neuen Platz. Leider verhält es sich beim E-NV200 wie bei den meisten Mini-Vans: In der zweiten Reihe passen maximal zwei Kindersitze. Das ist zwar kein elektrisches Problem, aber ein Problem ist es allemal. Ein Kind wandert also auf den Vordersitz, und ein Erwachsener muss sich mit den Notsitzen in der dritten Reihe begnügen. Nicht besonders komfortabel, aber machbar. Am Abend dann das erste Laden in der Garage. Der Akku zeigt zwar noch 90% Restkapazität, aber was man hat, hat man.

Die Aktion Autotausch werden wir parallel auch auf Google+ unter unserem Account "ctonwheels" dokumentieren. Dort nehmen wir Ihre Fragen zum Fahrzeug auf – gerne auch per Whatsapp 01711469456. (sha)

Beim Pendeln auf kurzen Strecken verhält sich der E-NV200 auch nach Wochen angenehm unauffällig. Kein Wunder: Schließlich stehen nun daheim und auf der Arbeit Lademöglichkeiten bereit. Doch bei der ersten etwas längeren Strecke zeigten sich kleinere Schwächen. Ein Grund also genauer hinzusehen und mal wieder auf "große Fahrt" zu gehen. Der Weg von Hannover zur IFA nach Berlin sollte statt mit dem ICE nun mit dem Nissan bestritten werden. Doch ganz so entspannt wie mit dem Nissan Leaf wollte es diesmal nicht klappen.

In Berlin angekommen erhofften wir uns Besserung. Wo sollte es leichter sein, passende Ladesäulen zu finden als in der Hauptstadt? Und tatsächlich versprachen Apps wie Wattfinder paradiesische Zustände für E-Auto-Fahrer. Doch schnell mussten wir feststellen, dass der Schein trügt.

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