Einbeziehung von Usability-Experten in Open-Source-Community-Projekte: Erfahrungen aus dem OpenUsability-Projekt

Wissen | Hintergrund

Einfache und intuitive Bedienung eines Programms ist nicht immer die Hauptpriorität von Entwicklern. In Open-Source-Projekten fehlt zudem häufig eine klare Definition der Anwender-Zielgruppe. Usability-Experten wollen Open-Source-Software anwenderfreundl

Vorabdruck aus dem Open Source Jahrbuch 2007. Der Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5) und darf unter Nennung der Autorin und Beibehaltung der Lizenz auch in veränderter Form weitergegeben werden.

"Mit intuitiver Bedienung", "Jetzt noch einfacher" , "Einfach wie nie!" – In der Werbung oder in Pressemitteilungen zum Release einer neuen Software gewinnt neben der Funktionalität auch die Einfachheit der Bedienung immer stärker an Bedeutung. Damit ist die Popularität von Usability, also von Methoden, welche die Benutzerfreundlichkeit einer Software erhöhen, in den letzten Jahren stark angestiegen.

Dieser Trend macht auch vor Open-Source-Projekten nicht halt: Mit dem wachsenden Anteil von Open-Source-Software (OSS) auf dem Desktop gilt in vielen Projekten nicht mehr der Grundsatz von Geeks (3) für Geeks . Die Frage, was der Desktop-Nutzer versteht und was nicht, bleibt jedoch oft reine Spekulation. Um Entscheidungshilfen zu geben, steigt die Nachfrage nach Usability-Experten (4) , die User Interfaces nach Nutzungshindernissen durchforsten. Häufig zeigt sich jedoch ein grundsätzliches Missverständnis, was Usability ausmacht. Benutzungsfreundlichkeit wird oft als yet another feature wahrgenommen, das einfach zur Liste der Neuerungen beim nächsten Release hinzugefügt werden kann.

Um Software tatsächlich benutzungsfreundlich zu machen, muss Usability jedoch von Anfang an in den Entwicklungsprozess integriert werden. Dieses Prinzip wird in Form der ISO-Norm "13407 Human-Centred Design Process for Interactive Systems" manifestiert und auch als usability engineering bezeichnet. Usability wird hier nicht als punktueller Eingriff definiert, in dem ein bestehendes System auf Nutzungshindernisse überprüft wird, sondern als ein den gesamten Entwicklungszeitraum umspannender Prozess, der mit der Erfassung des Nutzungskontexts und der Definition von Nutzeranforderungen noch vor der technischen Planung beginnt. In einem iterativen Prozess werden auf Basis der Nutzer-Anforderungen Design-Entwürfe entwickelt und anhand von Usability-Methoden überprüft. Das Methoden-Repertoire ist an die jeweilige Phase des Entwicklungsprozesses gebunden. (5) Zur Erfassung der Anforderungen werden beispielsweise Aufgabenanalyse oder Personas (6) eingesetzt, in der Phase der Konzeption werden Design-Entwürfe anhand von Papierprototypen verifiziert oder die Informationsstruktur wird mit Hilfe von Card Sorting ermittelt. Nutzungshindernisse werden so schon frühzeitig aufgedeckt und können schnell und kostengünstig korrigiert werden.

Die Durchführung einer solchen nutzerorientierten Entwicklung setzt voraus, dass Usability-Spezialisten entscheidend in die Entwicklung einbezogen werden. Ihre Aufgabe ist nicht nur das Design der grafischen Nutzungsoberfläche, sondern auch das Erstellen von Entscheidungshilfen bei der Priorisierung von Funktionalität: Durch Usability-Methoden werden Funktionalitäten identifiziert, die von den Nutzern dringend benötigt werden, und es wird überprüft, wie diese Funktionalitäten am besten in die bestehende Software integriert werden können.

Das Bewusstsein von Usability als Prozess fehlt sowohl in der proprietären als auch in der Open-Source-Entwicklung noch zu großen Teilen. In der proprietären Software-Welt ist Usability oft ein externer Dienstleister, der zwar zu bestimmten Zeitpunkten den Pfad der Entwicklung kreuzt, jedoch wenig konzeptionelle Arbeit leistet. Erfreuliche Ausnahmen bilden hier Groß-Firmen wie Microsoft (7) , SAP (8) oder IBM (9), die schon seit Jahren user-centered design propagieren und durch eigene Abteilungen aktiv betreiben.

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