Eindrücke von der ISE 2019: LED-Displays setzen Akzente

Eindrücke von der ISE 2019

@ctmagazin | Blog

Bild: Meko

Die ISE 2019 in Amsterdam bot Besuchern einige spektakuläre Hingucker in Sachen Displays – echte technische Neuerungen musste man dagegen suchen.

Nach einigen Tagen voller Business-Gespräche mit Anbietern und deren Zulieferern blicke ich nun zurück auf die Integrated Systems Europe (ISE) in Amsterdam. Ich dachte, es könnte interessant sein, einige Highlights herauszupicken – was sich jetzt allerdings als kleine Herausforderung erweist.

Um sowohl den dort getroffenen Verkäufern, Technologieexperten und Marketingfachleuten als auch ihren PR-Evangelisten gerecht zu werden, muss man Folgendes konstatieren: Viele von ihnen waren wirklich begeistert von ihren neuen Entwicklungen (oder zumindest schien es so – man sagt bekanntlich, dass das Wichtigste im Leben darin besteht, Ehrlichkeit vortäuschen zu können). Als langjähriger Beobachter der Display-Szene muss ich jedoch sagen, dass es auf der Messe nur sehr wenig Bedeutendes in Sachen neue Displaytechniken gab. Die Veranstaltung ist die vorletzte ISE im RAI-Kongresszentrum in Amsterdam, 2021 wird die Show nach Barcelona verlegt (in unseren Gesprächen mussten wir etliche Leute enttäuschen, weil diese davon ausgingen, dass die ISE schon im nächsten Jahr umzieht).

Kurz gesagt, es gab nicht wirklich viel Aufregendes. Das heißt aber nicht, dass es keinerlei spektakuläre Displays gab. Ein echter Hingucker war Sonys Crystal LED Display, das einige der großartigen 8K-Inhalte von Sony auf einer 9,7 x 5,4 Meter großen Fläche zeigte (das ergibt eine Diagonale von etwa 440 Zoll beziehungsweise 11,1 Meter). Es war jedoch nur eine größere Version der Technik, die bereits seit über anderthalb Jahren auf dem Markt ist. Dennoch wurde das LED-Display weithin als spektakuläres Statement für Sonys Produktionsfertigkeiten angesehen. Ich hatte den Eindruck, dass das Crystal LED Display weniger stark reflektierte, als ich es letztes Mal gesehen habe.

Eindrücke von der ISE 2019 (5 Bilder)

Epson leitete die ISE-Besucher durch einen Lichttunnel mit 360-Grad-Projektion auf den Stand.
(Bild: ISE)

LEDs waren die faszinierendsten Displays auf der Messe, und wir waren ebenfalls beeindruckt von den aktuellen Demos von Samsung, Philips, SiliconCore, Unilumin, Absen, Leyard, NEC und anderen Herstellern. Es gab auch eine ganze Menge Displays, die weniger hochwertig, aber dennoch hell und auffällig waren.

Bob Raikes

Bob Raikes ist Gründer der Meko Ltd., ein Marktforschungsunternehmen aus Großbritannien. Dort ist Bob Herausgeber und Chefredakteuer diverser Publikationen, darunter Large Display Monitor, Mobile Display Monitor und Display Daily sowie spezifische Reports zur europäischen Displayindustrie.

Die einzige echte technische Neuentwicklung schien von Unilumin zu kommen. Das chinesische Unternehmen hat ein eigenes "Flip-Chip"-Konzept entwickelt, das die LEDs in kleine Module zusammenfasst, um im Gegenzug viel Geld für die individuelle Verpackung der einzelnen LEDs zu sparen und einige Nachteile der Chip-on-Board-Technik zu umgehen. Chip-on-Board für LEDs war im vergangenen Jahr das Buzzwort der Messe, hat sich aber letztendlich als weniger erfolgreich erwiesen als viele dachten. Ein Hersteller sagte zu uns: "Die CoB-Montage funktioniert sehr gut bei Strukturen von 2,5 mm, aber bei 2,5 mm braucht man sie nicht wirklich".

Nach Angaben etlicher Anbieter verkaufen sich LED-Displays mit einem Pixelpitch von etwa 1,2 bis 1,5 mm am besten; die meisten Unternehmen bewerben bereits 0,9 mm-Pitch als "the next big thing". In den letzten Jahren gab es einen Trend unter den Hersteller, "monolithische" Displays anzubieten, beispielsweise 130 Zoll mit Full-HD-Auflösung. Die Chinesen haben meines Erachtens damit angefangen, aber das bekannteste stammt von Samsung mit dem "Wall"-Konzept – für Fernseher und professionelle Anwendungen. Auf der diesjährigen ISE hatten fast alle Hersteller eine Version dieses Konzepts auf Lager. Bisher wurde LED als Sonderprodukt angesehen; ein LED-Hersteller sagte mir noch vor einigen Jahren auf der Infocomm: "Ich habe nie das gleiche Angebot zweimal gemacht". Das wird sich in Zukunft wahrscheinlich ändern, wenngleich die Klientel bei einem Marktpreis von rund 100.000 US-Dollar für ein 130-Zoll-Display abgesehen von renommierten Großkunden wahrscheinlich überschaubar sein wird.

Im LCD-Bereich zeigte LG Electronics Monitore, die auf den In-Cell-Touchdisplays basieren, die LG Display auf der CES vorgestellt hat; ich habe vor einigen Wochen darüber berichtet. LG Electronics zeigte auf der ISE nun neue interaktive Displays auf Basis dieser Panels. Ich schaute am FlatFrog-Stand vorbei, um sie ein bisschen aufzuziehen und mit ihnen genau darüber zu sprechen. Sie teilten mir mit, dass die In-Cell-Technik bisher bis zu einer Größe von 55" erhältlich war, was mir bis dahin nicht bewusst war. Das Unternehmen zeigte sich sehr zuversichtlich, weil es für seine "inGlass"-Technik zunehmend Neukunden gewinnt (es gab neue Dell-Geräte, die wir auf der BETT gesehen hatten, und ein neues Display von Sharp – dies war besonders beeindruckend, weil Sharp seine eigene PCap-Technik besitzt).

FlatFrog räumte ein, dass das Unternehmen je nach Preisgestaltung potenzielle Anteile an PCap verlieren könnten. Dennoch waren sie der Meinung, dass es immer noch einen ausreichend großen Markt gibt, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Die FlatFrog-Leute wiesen auch darauf hin, dass 8K wahrscheinlich eine Herausforderung für den In-Cell-Touch sein wird, während ihre Fineliner-Performance tatsächlich dazu beiträgt, das Beste aus Panels mit höherer Auflösung herauszuholen.

Wir sprachen auch mit den Panelherstellern Samsung und AUO sowie mit BOE, der erstmals auf der ISE vertreten war. Es gab indes nicht viel Neues, aber im Gegensatz zu einigen Gerüchten zeigte Samsungs Display-Bereich eine Reihe neuer Panels für Videowände, darunter ein interessantes 65-Zoll-Panel. Es ermöglicht ein 2 × 2-Array in ungefähr derselben Größe wie ein 3 × 3-Array aus 46-Zöllern, aber mit weniger Rahmenfläche. BOE zeigte ein ungewöhnliches quadratisches LCD-Panel in 33 Zoll.

Die wichtigste Nachricht von AUO: Der taiwanische Hersteller hat einen Weg gefunden, überbreite Displays (ohne spezielle Nacharbeiten) zu produzieren, für die dank neuer Techniken individuelle Fotomasken entfallen können. Dadurch kann AUO eine viel größere Auswahl solcher überbreiter Panels produzieren und die Mindestbestellmenge für kundenspezifische Panels deutlich reduzieren.

Andernorts, im Markt für interaktive Displays, schienen die aktuellsten Innovationen von Windows Collaboration Displays auszugehen – wir haben sie bei Avocor, Sharp und Viewsonic gesehen, womöglich waren sie aber auch bei weiteren Herstellern zu finden.

LGs Wasserfall-Demo aus gebogenen OLEDs, hier die große Version von der CES

Im Bereich der Projektion haben wir eine sehr interessante technische Vorführung gesehen. Das Frustrierende dabei war jedoch, dass sie streng geheim gehalten wurde. Da wir die einzigen Vertreter der Presse waren, denen die Demo auf der ISE gezeigt wurde, können Sie sich darauf verlassen, dass wir einen verbindlichen und detaillierten Bericht veröffentlichen, sobald die Technik offiziell auftaucht.

Ansonsten gab es viele technische Innovationen und noch mehr Laser-Phosphor-Projektoren. Es sieht so aus, als ob lampenbasierte Einheiten bei den wichtigsten Anbietern in ein paar Jahren ausgemustert werden. Sony demonstrierte, dass nicht alle 3LCD-Geräte gleich sind – und betonte die Vorzüge seiner LCD-Lösung im Vergleich zu der des Konkurrenten Epson insbesondere bei den Grüntönen. (Ich hatte immer angenommen, dass die in LCD-Projektoren verwendeten drei Displays identisch sind, aber anscheinend werden sie für die jeweilige Farbe optimiert).

JVC zeigte eine beeindruckende Demo einer Planetariumskuppel mit zwei 4K-Projektoren und einer gut aussehenden 8K-DILA-Projektion – was noch beeindruckender gewesen wäre, wenn wir nicht direkt zuvor Sonys Crystal LED-Show gesehen hätten!

Samsung hatte seinen üblichen Riesenstand, zeigte aber nicht viel, was wir nicht bereits auf der CES oder anderen Messen gesehen hätten. Zum einen waren Outdoor-LCDs und Semi-Outdoor-LCDs zu sehen, zum anderen wurde die B2B-Version von 'The Wall' gezeigt; ein LED-Kino gab es diesmal nicht. Das Unternehmen warb für seine 8K-Skalierungstechik in Digital Signage-Anwendungen, wie es dies bereits auf der CES für TVs getan hat.

LG zeigte in einer beeindruckenden Demo nicht nur den aufrollbaren OLED-Fernseher, sondern auch seine Small-Pitch-LEDs, interaktive Displays und eine kleinere Version der OLED-Wasserfall-Installation von der CES. Das Unternehmen präsentierte auch seine transparente OLEDs und bewarb organische Displays für Videowände. Wir bleiben aber weiterhin skeptisch bei OLEDs für den Dauerbetrieb in Digital Signage-Anwendungen.

Es gab sehr wenig im Bereich AR und VR auf der Messe zu sehen. Epson zeigte immerhin seinen Moverio BT-350E, die aber vielmehr ein per HDMI angeschlossenes Display als ein vollwertiges Android-System ist. Die Brille verwendet die gleichen Mikro-OLEDs, die uns schon in der Vergangenheit beeindruckt haben. Der Listenpreis für die Moverio-Brille liegt bei nur 650 Euro. Da könnten sich etliche Systemintegratoren finden, die die Brille für B2B-Lösungen nutzen möchten. (uk)

Dieser Artikel erschien zuerst auf Display Daily

Kommentare

Anzeige