Eine Frage des Stils

Wegweiser zum optimalen PC

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Notebook oder Desktop-PC? Netbook versus iPhone? Die Frage nach dem optimalen PC oder nach dem idealen digitalen Begleiter liefert so viele Antworten wie es Frager mit speziellen Anforderungen gibt.

Ein ambitionierter Spieler mag auf seinen Desktop-PC im Big-Tower-Gehäuse mit High-End Grafikkarte, einem RAID und 1000-Watt-Netzteil schwören. Im Wohnverschlag des Studentenheims bleibt für eine solche Heizung kein Platz, dafür muss das Notebook auch mal mit in die Vorlesung und abends als Blu-ray-Player herhalten. Der Ingenieur behält auf zwei großen Displays auch komplizierte Konstruktionen im Auge und bearbeitet dank der Rechenpower seiner Workstation komplexe Maschinenteile in 3D. Auf dem Empfangstresen in der Arztpraxis minimiert ein All-in-One-Gerät den Kabelsalat. Ein flaches und leichtes Netbook passt hingegen locker mit in die Aktentasche und reicht aus, um auf der Zugfahrt die Korrespondenz abzuarbeiten. Twitter-Junkies können dank iPhone und Co. selbst aus den vorderen Reihen eines Konzerts noch die Netzwelt mit brandaktuellen Belanglosigkeiten versorgen.

Bereits diese Handvoll an Beispielen zeigt, dass es einen optimalen PC für alle Anwendungsfälle nicht geben kann. Jede Geräteklasse geht Kompromisse ein, sei es bei Mobilität, Akkulaufzeit, Displaygröße, Ergonomie oder dem Kabelknäuel auf dem Schreibtisch. Die gute Nachricht lautet jedoch, dass die Auswahl an attraktiven Spezialisten wächst.

Besonders wichtig, aber leider nicht leicht zu beantworten ist die Frage nach der benötigten Mobilität. Smartphones wie iPhone, Blackberry oder Palm Pre passen in die Hosentasche und gewähren nahezu überall Zugriff auf E-Mail, Chat-Dienste und Web. Allerdings machen winzige oder teils nur per Touchscreen eingeblendete Tasten sowie Displays im Scheckkartenformat bereits die Eingabe von E-Mails zur Qual; von längeren Texten, Tabellen oder Präsentationen ganz zu schweigen.

Netbooks mit 9" bis 12" Bildschirmdiagonale zeigen bereits deutlich mehr an, wiegen aber mehr und beulen selbst große Manteltaschen aus. Egal ob Netbook oder Smartphone, aufgrund der geringen Rechen- und Grafikleistung schließt man sich von einer ganze Reihe von Applikationen aus. Wer oft stundenlang auf einen Bildschirm starren muss, sollte sich ein Display ab 14" Diagonale gönnen und auch auf Kriterien wie Entspiegelung und Helligkeit achten. Brillante und farbtreue Displays, die auch zur Bildbearbeitung taugen und dafür mit 16" und mehr auch genug Platz bieten, finden sich erst in der Klasse der mehrere Kilogramm schweren Desktop-Replacement-Geräte. Diese kann man zwar auch gelegentlich mal mitnehmen – etwa zum alljährlichen Besuch bei der Schwiegermutter – weiter als bis zum Auto schleppt keiner diese Boliden freiwillig.

Wenn ein PC jedoch fast immer auf dem Schreibtisch residiert, so hat auch der klassische Desktop-Rechner wieder seinen Charme. Der hypothetischen Möglichkeit, ein Riesen-Notebook doch irgendwann einmal mitnehmen zu können, stehen erhebliche Ergonomie-Verluste und oft ein Gewirr von Kabeln gegenüber. Zum einen belegt das Notebook mehr Stellfläche auf der Tischplatte als selbst eine Kombination aus riesigem Flachbildschirm, Maus und Tastatur. Zum anderen erfüllen Notebooks – im stationären Betrieb – nicht die gesetzlichen Bestimmungen für Bildschirmarbeitsplätze: Tastatur und Display sollen sich unabhängig voneinander neigen und positionieren lassen. Zwar lösen externe Maus und Tastatur und vielleicht sogar noch ein (zusätzliches) Display dieses Problem, sorgen jedoch zusammen mit den Strippen für Netzteil, Drucker, Scanner, Kartenleser, Soundsystem und Co. für einen zünftigen Kabelsalat auf dem Schreibtisch.

Charmanter klingt da folgende Lösung: Unter dem Schreibtisch residiert ein klassischer Desktop-PC, mit dem Maus und Tastatur per Funk kommunizieren. So bleibt die Arbeitsfläche schön aufgeräumt und es steht dennoch der ganze Peripheriepark unmittelbar bereit. Die Dia-Show bei Oma oder den Zugriff auf die Mails im Zug übernimmt dann ein spezialisiertes Zweitgerät. Am klassischen Desktop-PC führt auch dann kaum ein Weg vorbei, wenn zwei oder gar mehr große Displays für Übersicht bei Videoschnitt, Bildbearbeitung oder Code-Entwicklung sorgen sollen.

Auch wenn der Wunsch nach einem Alleskönner verständlich ist, so führt er oft dazu, dass am Ende nur schale Kompromisse bleiben und man unterm Strich mehr bezahlt als nötig. Insbesondere dank Internet-Diensten, die überall Zugriff auf denselben Datenbestand – oder gar dieselben Applikationen – bieten, lohnt eine Verteilung der Aufgaben auf mehrere Spezialisten. Meine Freundin Lisa verbringt als Lehrerin viel Zeit an ihrem Desktop-PC, um ihre nächsten Unterrichtsstunden vorzubereiten. Nach Feierabend wirft sie die Bürotür zu und surft lieber mit einem Netbook vom Sofa aus, hat dabei aber Online-Zugriff auf ihre zentrale Bookmark-Sammlung. Zum Spielen hängt am Fernseher im Wohnzimmer eine Playstation und bezieht Spielfilme übers Heimnetzwerk vom NAS.

Leider gibt es Dockingstationen fast ausschließlich für teure Business-Notebooks, sodass dem Privatmann der Ansatz meines Kumpels Richard kaum offen steht: Beruflich tingelt er die Hälfte seiner Arbeitszeit mit einem leichten Business-Notebook durch halb Europa. Im Home-Office verbindet eine Dockingstation dieses nicht nur mit einem großen Display, Maus und Tastatur, sondern auch gleich mit Ladegerät, Drucker, Scanner, VPN-Router, Backup-Festplatte und so weiter.

Immerhin kann ein Display mit integrierten Lautsprechern und eigenem USB-Hub als Behelfs-Dockingstation dienen. Dann reichen drei Kabel (USB, HDMI, Strom) zum Notebook, denn das Tonsignal gelangt per HDMI ans Display. Peripherie wie externe Festplatten, Maus, Tastatur und Drucker hängen dauerhaft an den USB-Ports des Monitors.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 25/2009.

Artikel zum Thema "Der optimale PC" finden Sie in der c't 25/2009:
Typberatung: Vom Netbook bis zum Gaming-Boliden S. 82
Kriterien für den Notebook-Kauf S. 88
Aktuelle Technik für Desktop-PCs S. 96
Bauvorschläge für flotte, leise, sparsame PCs S. 102


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