Eine kleine Spende ...

@ctmagazin | Editorial

Eine kleine Spende ...

"Papa, Papa, da ist schon wieder ein Mann an der Tür, der will Geld!" Aufgeregt springt David durch die Wohnung - der dritte Besucher heute. Sarah ist da weniger enthusiastisch: “Warum gibst Du denen denn soviel Geld?” Kein Wunder: Die anfängliche Begeisterung für ihr Handy hat sich doch sehr gelegt, nachdem sie die Rechnung selbst bezahlen muss ...

Dieses Mal ist es der Mann von der Telekom: "Guten Tag, mein Name ist Som..." "Ich hatte Sie schon erwartet", unterbreche ich ihn gleich: "Moment, ich hole mein Scheckbuch ..." Dem armen Kerl treten vor Dankbarkeit fast die Tränen in die Augen. Dabei ist es doch meine staatsbürgerliche Pflicht und Schuldigkeit, den Not leidenden Telefon-Gesellschaften mit einer mildtätigen Spende unter die Arme zu greifen.

Ich will schließlich nicht riskieren, dass die UMTS-Versteigerung mangels Beteiligung ins Wasser fällt. Geldmangel lässt die Zahl der Bieter sinken und sinken. Bald gibt es weniger Mitsteigerer als Lizenzen, bald muss der Auktionator die Mobilfunkfrequenzen wie sauer Bier anpreisen. Eine Horror-Vorstellung: Kaum noch Interessenten für UMTS-Lizenzen - viel zu teuer. Und die übrig gebliebenen Konzerne ringen verzweifelt die Hände, weil sie nicht wissen, wie sie die Umrüstung ihrer Netze bezahlen sollen.

Hans, mir graut vor Dir. Unser Finanzminister hat einfach kein Einsehen. So hohe Ausgaben für die nächste Mobilfunkgeneration, dass jahrelang keine Gewinne zu machen sind, nur um das Loch im Staatssäckel ein wenig zu stopfen. Da kann ich die Konzerne schon verstehen. Schließlich haben sie schon genug für das Gemeinwohl getan, indem sie sich überhaupt auf freien Wettbewerb eingelassen haben. Wie schön könnte doch das Leben für die Telekom in Deutschland oder die BT in Großbritannien sein ohne die lästige Konkurrenz - die verdirbt nicht nur die Preise, sondern treibt auch noch die Investitionskosten in die Höhe.

Aber Telekom, BT, KPN, Telefonica, Vodafone und wie sie alle heißen sind schließlich nicht auf den Kopf gefallen. Gemeinsam sind sie stark, eine gute Kooperation ist die halbe UMTS-Lizenz - da beißt auch Hans Eichel keinen Faden dran ab. Da wird es dann wohl nichts mehr mit der "Unvermuteten Mehreinnahme zur Tilgung der Staatsschulden". Hauptsache, so ein unverschämter Newcomer treibt nicht quer und hintertreibt die friedliche Einigung der Carrier. Darauf heißt es, (finanziell) vorbereitet zu sein. Außerdem: Kooperationen, Fusionen und feindliche Übernahmen kosten auch einen schönen Batzen Geld. Also machen Sie es wie ich: Spenden Sie! Brot für die Telekom!

Nur eins ist seltsam: Gestern noch meinte der Telekom-Mann im Fernsehen, er habe genug Geld, um jede andere Firma aufzukaufen. Aber da hat er sich bestimmt nur versprochen. Oder er hat schon genug Spenden gesammelt.

Jürgen Kuri

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