Eingebaute Selbstheilung

Was Windows 7 für den Notfall mitliefert

Praxis & Tipps | Praxis

Wenn Windows 7 nicht mehr startet, nehmen Sie doch einfach Ihr zweites. Haben Sie nicht? Doch: Es ist nur ein bisschen versteckt und auch nicht alltagstauglich, aber es birgt wertvolle Werkzeuge, um dem eigentlichen Windows auf die Sprünge zu helfen.

Auf jedem Windows-7-PC schlummert im versteckten Ordner c:\recovery noch ein zweites Betriebssystem: Ein Mini-Windows namens Windows PE („Preinstallation Environment“). PE ist an sich nicht neu: die erste Version entstand noch zu Windows-XP-Zeiten, und seit Vista bootet von jeder Windows-DVD zuerst ein PE, unter dem das eigentliche Setup-Programm seine Arbeit verrichtet. Doch erst die mit Windows 7 ausgelieferte Version 3.0 von PE landet bei der Installation zusammen mit umfangreichen Reparatur-Werkzeugen gleich mit auf der Festplatte und erübrigt so im Ernstfall die Suche nach einer Rettungs-CD.

PE 3.0 können Sie zwar von Hand von der Festplatte starten (dazu später mehr), doch ist das in den meisten Fällen gar nicht nötig. Denn es bringt einen Assistenten mit, der vollautomatisch versucht, die Ursachen für einen missglückten Start aufzuspüren und zu beseitigen – was erstaunlich oft funktioniert. Der Clou: In vielen Fällen muss man nicht einmal wissen, was überhaupt kaputt ist. Die weiteren Werkzeuge, die das Mini-Windows für den Fall an Bord hat, dass es mal nicht vollautomatisch klappt, sind zwar nicht so komfortabel zu bedienen wie bei ausgefeilten Rettungsmedien wie Desinfec’t [1] oder dem c’t-Notfall-Windows [2] . Doch dafür sind sie jederzeit zur Hand, und mit den richtigen Tricks kommt man fast genauso weit damit. Das Nachfolgende beschreibt den Einsatz von PE 3.0 anhand einiger Beispiele, angefangen bei fehlerhaften Einträgen im Bootmenü und demoliertem Bootloader über fehlgeschlagene Anmeldungen bis hin zu vergessenen Kennwörtern.

Wenn das Bootmenü falsch konfiguriert ist (also Einträge in der Datei c:\boot\bcd fehlerhaft sind), mag Windows nicht starten. Das gilt selbst dann, wenn nur ein Windows auf der Festplatte installiert ist und man das Bootmenü daher nie zu sehen bekommt. Probleme damit können etwa nach dem Umpartitionieren der Festplatte auftreten, wenn ein Eintrag danach auf die falsche Partition zeigt, oder wenn die Datei, in der die Bootmenü-Einträge stecken, nach einer übereifrigen System-Aufräumaktion ganz fehlt. Solche Probleme sind mit PE 3.0 jedoch keine mehr.

Manche Boot-Probleme repariert das bei Windows 7 eingebaute Mini-Windows vollautomatisch.

Der Windows-7-Bootmanager bemerkt nämlich, dass es beim Zugriff auf das Bootmenü ein Problem gibt und versucht daraufhin das auf der Festplatte mitinstallierte Windows PE automatisch zu starten. Wenn das klappt, läuft direkt danach ein Assistent los, der diverse Systemdateien und -einstellungen überprüft und gegebenenfalls zu reparieren versucht. Im Idealfall meldet er schon nach wenigen Sekunden einen Erfolg und Windows 7 startet wieder – komplett ohne Mausklicks oder Tastendrücke und ohne dass man selbst mühsam nach der Ursache hätte suchen müssen. Manchmal braucht der Assistent zum Reparieren aus unerfindlichen Gründen allerdings mehrere Anläufe, geben Sie also nicht gleich auf.

Mitunter klappt das Booten von PE von der Festplatte jedoch nicht (etwa wenn der Eintrag für Windows 7 im Bootmenü komplett fehlt). Trotzdem bemerkt der Bootmanager dann den Fehler und verlangt in einer englischsprachigen Meldung nach der Windows-7-DVD. Davon bootet ebenfalls ein PE 3.0 mit allen Notfall-Werkzeugen. Legen Sie also einfach Ihre DVD ein und booten Sie davon. PE fragt Sie zuerst nach der Sprache (klicken Sie auf „Weiter“). Der nächste Dialog wird von einer großen Schaltfläche „Windows installieren“ beherrscht – klicken Sie stattdessen aber unten links auf den Link „Computer reparieren“. Daraufhin erkennt PE „Probleme mit den Startoptionen des Computers“. Klicken Sie auf „Reparieren und neu starten“ und Windows 7 sollte wieder hochfahren.

Sie besitzen einen PC mit vorinstalliertem Windows 7, dem der Hersteller lediglich Recovery-DVDs beigelegt hat? Es besteht eine gewisse Chance, dass davon ebenfalls ein Windows PE startet – am einfachsten finden Sie das durch simples Ausprobieren aus (mehr zum Thema in [3] ). Sonst brennen Sie sich eine PE-CD einfach selbst mit Hilfe des eingebauten Assistenten, tunlichst bereits vor dem Auftreten von Problemen oder danach eben bei Nachbarn/Bekannten/im Büro. Tippen Sie unter Windows 7 ins Suchfeld des Startmenüs „sichern“ und wählen Sie dann „Sichern und Wiederherstellen“ aus. Oben links finden Sie dann einen Link namens „Systemreparaturdatenträger erstellen“. Ein Klick darauf öffnet den Assistenten, Sie brauchen nur noch einen Rohling (ob CD oder DVD ist egal) einzulegen und auf „Datenträger erstellen“ zu klicken. Von der fertigen Scheibe bootet das gleiche Windows PE wie auf einer Windows-Setup-DVD (nur die Setup-Dateien für Windows 7 fehlen). Das Restaurieren braucht noch einen Mausklick weniger: Tastaturbelegung auswählen, „Reparieren und neu starten“ anklicken, fertig. (axv)

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 13/2011.

Und was ist mit Vista?

Windows Vista bringt ebenfalls Windows PE mit, allerdings noch in der Vorgängerversion 2.0. Es bietet weniger Rettungswerkzeuge als PE 3.0, die zudem mit Windows 7 teilweise inkompatibel sind. PE 2.0 startet ausschließlich von DVD („Computer reparieren“ statt „Jetzt installieren“ auswählen“). Wer keine Vista-DVD besitzt, geht leer aus: Auf der Festplatte ist PE nicht mitinstalliert, einen Assistenten zum Selberbrennen sucht man vergebens.

Kommentare