Endstation Reset

@ctmagazin | Editorial

Da schimpft Kollege Windeck in seinem Editorial in c’t 6/11 doch die Linux-Entwickler dafür aus, dass die ihre Zeit mit Dingen verbringen, die ihnen Spaß machen.

Endstation Reset

Da schimpft Kollege Windeck in seinem Editorial in c’t 6/11 doch die Linux-Entwickler dafür aus, dass die ihre Zeit mit Dingen verbringen, die ihnen Spaß machen. Er mokiert sich darüber, dass sie es versäumen, ihre Plattform DAU-freundlich aufzubrezeln. Ich finde: Man kann ihnen dafür gar nicht genug danken, deswegen: Danke, danke, danke ...

Sie haben es erraten, ich ärgere mich gerade über Windows: Ein Testrechner soll den neuesten Small Business Server von Microsoft bekommen. Dank USB-Stick ist die Installation im Nu erledigt – der erste Teil jedenfalls, der zweite strapaziert meine Nerven wie ein Karamellbonbon einen kariösen Zahn.

Der Installationsvorgang stockt. Der PC hängt sich ganz weg. Das Problem ist auch auf anderer Hardware reproduzierbar, die Diagnosemöglichkeiten sind bescheiden: Manchmal darf ich den Maus-Cursor verschieben, Num-Lock ein- und ausschalten. Auch nach stundenlangem Warten erscheint keine Fehlermeldung. Es gibt kein Protokoll und keine Shell zum Nachsehen. Endstation Reset.

Windows hat es auch gemerkt: Der letzte Systemstart ist gescheitert. Die angebotenen Optionen helfen nicht. Der Versuch, im abgesicherten Modus zu starten, endet mit einem toten PC, der zuletzt classpnp.sys geladen hat. Das Netz ist voll von Leidensgenossen - aber eine Google-Diagnose an Hand der Symptome führt nur zu unbeantworteten Forenfragen.

Mit Linux könnte ich nachforschen. Ein Modul weglassen, mit lsof oder file schauen, welcher Prozess welche Datei offenhält und hängt. Notfalls hilft mir strace, die Systemaufrufe zu verfolgen und zu sehen, welche fehlschlagen. Selbst ein minimal laufendes System ließe mich nachsehen.

Würden die Windows-Entwickler nicht ständig ihren Spieltrieb in Animationen und anderem Schnickschnack ausleben, läge schon längst brauchbares Diagnosewerkzeug bei und ich hätte weniger Tastaturen und Mäuse auf dem Gewissen. Ich glaube, daran liegt es auch, dass mich beim längeren Nutzen von Windows immer schlechte Laune befällt: Alles hübsch und nett zu bedienen, aber untenrum zubetoniert, damit der Benutzer auch ja nicht auf dumme Gedanken kommt.

So bleibt es unter Windows beim Blindflug. Das war schon so, als ich damals ohne Kernel-Debugger auf die Windows-3.1-Speicherverwaltung losgegangen bin und es hat sich bis heute nicht geändert. Ist doch schön, wenn die Dinge konstant sind: Windows bleibt, wie es ist, und Linux befreit niemand aus der Freak-Ecke. Und Kollege Windeck und ich werden immer etwas zu schreiben haben. (ps)

Kommentare