WLAN, Infrastruktur

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Seite 2: WLAN, Infrastruktur

Informationsquelle Quellcodeverwaltung Viele der Links im Artikel und die an dessen Ende gelisteten Kurzbeschreibung zu durchaus interessanten, aber weniger wichtigen Änderungen verweisen auf den oder die für die Neuerung jeweils relevanten Commit im Web-Frontend des von Linus Torvalds mit Git verwalteten Linux-Quellcodes. Dort finden sich viele weitere Informationen zu den einzelnen Änderungen und ihren Hintergründen. Auch die im Rahmen des jeweiligen Commit angewendeten Patches sind im Web-Frontend über den Link Commitdiff abrufbar und durch Kommentare und Dokumentationsänderungen häufig auch für Interessierte ohne Programmierkenntnisse eine gute Quelle für weitere Informationen. Das Web-Frontend von Git zeigt im unteren Bereich eine Liste der im Rahmen des jeweiligen Commit veränderten Dateien an. Hinter den Dateinamen finden sich Links, über die sich die Änderungen an den einzelnen Dateien separat anzeigen lassen; so kann man etwa Änderungen an der Dokumentation oder den für die Kernel-Konfiguration zuständigen Kconfig-Dateien einzeln betrachten.

Nach der Aufnahme des WLAN-Stacks MAC80211 in 2.6.22 und dem Einpflegen zahlreicher darauf aufbauender Treiber bei 2.6.24 und 2.6.25 gab es erneut eine Menge Verbesserungen an der Infrastruktur und den Treibern für WLAN-Hardware. So erhielt die mit 2.6.25 erstmals integrierte, aber noch recht rudimentäre Unterstützung für schnelle WLAN-Übertragungen nach IEEE-Standardentwurf 802.11n ordentlich Feinschliff, sodass die Kernel-Hacker die schnellen Übertragungsmodi im für neuere Centrino-WLAN-Module zuständigen Iwlwifi-Treiber iwl4965 nun auch aktivieren.

Bei den beiden Iwlwifi-Treibern funktioniert nun die bei vielen Notebooks zu findende WLAN-LED korrekt – ein kleines, aber nicht zu unterschätzendes Detail. Ganz erheblich überarbeiteten die Kernel-Entwickler das noch recht junge WLAN-Konfigurationsinterface cfg80211. Das schickt sich langfristig an, die bislang zur WLAN-Konfiguration genutzten Wireless-Extensions zu ersetzen.

Dank der Arbeit des Open80211s-Projekts und der Treiber-Entwickler beherrschen der WLAN-Stack und die Treiber zd1211rw und b43 nun auch Mesh-Netzwerke nach Draft 2.0 des IEEE-Standardentwurf 802.11s – bislang gelang Mesh nur dem WLAN-Treiber für OLPC-Notebooks. Der für Broadcom-WLAN-Chips zuständige Treiber b43 unterstützt erstmals PCMCIA-Hardware sowie QoS (Quality of Service). Weichen musste der ältere, von den Treiber b43 und b43legacy abgelöste Broadcom-Treiber Treiber bcm43xx; das gleiche Schicksal ereilte auch den alten IEEE80211-Softmac-WLAN-Stack.

Die Infrastruktur für das bei Ad-hoc-Netzwerken genutzte IBSS (Independent Basic Service Set) erhielt an vielen Stellen Optimierungen und unterstützt nun IBSS merging. Zahlreiche Verbesserungen an der WLAN-Infrastruktur gab es auch für den Betrieb als Access-Point – abgeschlossen ist die Arbeit jedoch noch nicht, sodass dies bislang nur für experimentierfreudige Entwickler und Nutzer von Bedeutung ist, die weitere Komponenten und Patches einbinden. Diese Klientel dürften unter Umständen auch Interesse am PDF "The mac80211 subsystem for kernel developers" finden, dass WLAN-Kernel-Hacker Johannes Berg kürzlich veröffentlichte.

Am noch recht jungen Completely Fair Scheduler (CFS) gab es erneut zahlreiche kleinere Verbesserungen; diese verbessern den für die CPU-Zeitzuteilung der Prozesse und Tasks zuständigen Scheduler erneut auf verschiedenste Weise. Auf Desktop-Systemen dürfte man davon aber zumeist wenig zu spüren bekommen, da die Optimierungen sich eher bei komplexeren Konfiguration zeigen dürften – dazu zählen insbesondere Umgebungen, wo es auf Echtzeit-Eigenschaften (Realtime) ankommt.

Das UDF-Dateisystem erweiterten die Kernel-Hacker bei 2.6.26 um Unterstützung zum Lesen der häufig bei Blu-ray Discs verwendete UDF-Version 2.50. Zahlreiche Patches (etwa 1, 2, 3) erweitern ferner den CIFS-Code um Unterstützung für Microsofts Distributed File System (DFS). Beim Mounten einer Freigabe eines Windows- oder Samba-Servers folgt CIFS somit in Zukunft den DFS-Angaben zu den eigentlichen, häufig von anderen Servern aus betreuten Freigaben – bislang musste man diese manuell direkt einbinden oder auf andere Client-Software zurückgreifen. Der Kernel reagiert zudem in Zukunft anders beim Ändern von Dateiattributen bei CIFS-Dateisystemen, sofern der Server die Unix Externsions oder Cifsacl nicht nutzt; über einen speziellen Mount-Parameter lässt sich aber auch das bisherige Verhalten wieder aktivieren.

Versierte Anwender und Kernel-Entwickler können bei der Fehlersuche auf x86-Systemen in Zukunft auf den Kernel-Debugger KGDB (Kern, x86-Unterstützung, Dokumentation, Kernel-Parameter) zurückgreifen. Diesen nahm Torvalds – ursprünglich strikter Gegner eines im Kernel integrierten Debuggers – für 2.6.26 schließlich ohne (öffentliches) Murren auf, nachdem er ihn bei 2.6.25 noch außen vor gelassen hatte. Zwischenzeitlich hatten die Kernel-Hacker aber noch verschiedene Änderungen vorgenommen, um einige Kritikpunkte am Code und dem Aufbau auszuräumen. Durch diese und bereits zuvor durchgeführte Änderungen wurde der ursprünglich von LinSysSoft Technologies gepflegte Debugger erheblich umgebaut und stark abgespeckt; die Kernel-Entwickler sprechen daher vielfach von KGDB-light, dem derzeit noch Funktionen wie KGDB-over-ethernet fehlen.

Den bereits mit 2.6.25 kurzzeitig in der Hauptentwicklungslinie aufgenommenen Code zur Unterstützung von Active State Power Management (ASPM) integrieren die Kernel-Entwickler nun in einer überarbeiteten Fassung erneut. Dadurch vermag 2.6.26 auf modernen Notebooks ein wenig stromsparender zu arbeiten als seine Vorgänger – da die Kernel-Hacker allerdings noch Schwierigkeiten mit ASPM erwarten, ist die PCI-Express-Stromspartechnik in der Standard-Konfiguration vorerst deaktiviert.

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