Statistik, Ausblick auf 2.6.27

Trends & News | Kernel-Log

Seite 5: Statistik, Ausblick auf 2.6.27

Linux-
Version
Anzahl
Dateien¹
Zeilen
Quelltext²
Entwicklungs-
zeitraum
Anzahl
Commits
Diffstat⁴
2.6.20 21280 8102486
(7400843)
66 Tage 4768 5825 files changed,
262475 insertions(+),
136162 deletions(-)
2.6.21 21614 8246470
(7522286)
80 Tage 5016 6568 files changed,
319232 insertions(+),
175247 deletions(-)
2.6.22 22411 8499363
(7744727)
74 Tage 6526 7620 files changed,
519591 insertions(+),
266699 deletions(-)
2.6.23 22530 8566554
(7818168)
93 Tage 6662 7203 files changed,
406268 insertions(+),
339071 deletions(-)
2.6.24 23062 8859629
(8082358)
107 Tage 9836 10209 files changed,
776107 insertions(+),
483031 deletions(-)
2.6.25 23810 9232484
(8396250)
83 Tage 12243 9738 files changed,
777371 insertions(+),
404514 deletions(-)
2.6.26 24270 9411724
(8535933)
88 Tage 9941 8676 files changed,
595393 insertions(+),
416143 deletions(-)
¹ find . -type f -not -regex '\./\.git/.*' | wc -l
² find . -type f -not -regex '\./\.git.*' | xargs cat | wc -l (find . -name *.[hcS] -not -regex '\./\.git.*' | xargs cat | wc -l)
³ git-log --no-merges --pretty=oneline v2.6.(x)..v2.6.(x+1)| wc -l
⁴ git diff --shortstat v2.6.(x)..v2.6.(x+1)| wc -l

Linux-Kernel herunterladen

Neue Linux-Versionen sind über die in Amerika und Europa stationierten Server von Kernel.org erhältlich; deren Inhalte spiegeln auch zahlreiche deutsche Mirror-Server . Als Linux-Anwender sollte man neue Linux-Treiber und -Kernel aber normalerweise nicht eigenhändig einspielen sondern auf die Vorarbeit der Linux-Distributoren zurückgreifen. (...mehr...)

Auch 2.6.26 bringt wieder eine Fülle von Neuerungen – im Vergleich zu den vorangegangenen vier oder fünf Versionen sind diesmal allerdings etwas weniger Änderungen dabei, von denen auch reine Linux-Anwender direkt profitieren, die sich mit dem Kernel normalerweise nicht näher auseinander setzen. Für diese Anwenderklientel dürfte die neue Kernel-Version auf Notebooks noch am ehesten interessant sein, da dort die Verbesserungen für WLAN und die Stromspartechniken spürbare Vorteile bringen.

Die Entwicklungsgeschwindigkeit hat sich nach den beiden Rekord-Kerneln 2.6.24 und 2.6.25 aber nicht nennenswert verlangsamt, denn die Zahl der Commits und der Zahl der geänderten Zeilen Quellcode ist auch bei 2.6.26 noch deutlich größer, als es bei den vor ein oder zwei Jahren veröffentlichten Kernel-Versionen üblich war. Dazu trägt nicht zuletzt das von Linus Torvalds selbst initiierte und von Torvalds und vielen anderen Kernel-Hackern genutzte Quellcodeverwaltungssystem Git bei. Das benutzt der Linux-Vater nun ebensolange wie zuvor die proprietäre Software Bitkeeper.

Direkt nach der Freigabe von 2.6.26 beginnt nun die erste, normalerweise zirka zwei Wochen lange Phase im Entwicklungszyklus des Linux-Kernels, in der Torvalds die umfangreicheren Änderungen für die nächsten Version in den von ihm betreuten Hauptentwicklungszweig aufnimmt. Nachdem sich der im Februar gestartet Entwicklerzweig linux-next in den vergangenen drei Monaten an Fahrt aufgenommen hat und mittlerweile praktisch alle wichtigen Subsysteme zusammenführt, sollten die Patches der verschiedenen Entwickler diesmal besser als früher aufeinander abgestimmt sein.

Ein genauerer Blick in linux-next und die dort eingepflegten Subsystem-Entwicklerzweige gibt zudem bereits einen recht guten Ausblick auf 2.6.27. Die größte dort zu findende Änderung ist bei der Entstehung dieses Artikels die Abschaffung des Verzeichnisses arch/ppc/. Die dortigen Dateien sind obsolet, da sich der Code aus arch/powerpc/ nun um die verschiedenen derzeit unterstützten Power- und PowerPC-Architekturen kümmert. Größere Verschiebungen im Quellcode stehen auch bei KVM an, sodass der Patch von 2.6.27 vermutlich wieder recht umfangreich werden dürfte.

David Woodhouse hat derweil einen Haufen Patches für 2.6.27 vorbereitet, durch den viele der im Kernel enthaltene Treiber den Firmware-Loader nutzen, statt die Firmware direkt mit in den Kernel oder das jeweilige Kernel-Module einzubinden. Dadurch sollen Linux-Distributoren langfristig die Firmware-Dateien unabhängig vom Kernel und auf Wunsch in neueren Versionen ausliefern können. Woodhouse wollte die Firmware sogar unabhängig von den Kernel-Quellen ausliefern – von diesem Plan sind einige Kernel-Maintainer allerdings nicht sonderlich begeistert.

Entwicklungszyklus des Linux-Kernels

[...] Durch den öffentlichen Entwicklungsprozess und einen tiefen Blick in den Kaffeesatz ist heise online/open und der von der Linux-Foundation gewartete Radarschirm des Linux Weather Forecast bereits bei der Vorstellung einer neuen Kernel-Version in der Lage, einige Neuerungen zu benennen, die die darauf folgende Version enthalten dürfte. [...] (...mehr...)

In linux-next findet sich ferner mit UBIFS ein neues Dateisystem. Es setzt auf UBI auf und ist nicht für Festplatten gedacht, sondern auf die Besonderheiten von einfachen Flash-Speichermedien abgestimmt, die etwa kein Wear-Leveling in Hardware beherrschen. Auch die bisher unvollständige Unterstützung für Wireless-USB soll ein Patch für 2.6.27 komplett machen.

Nach den bereits erwähnten Diskussionen und Performance-Problemen rund um das Big Kernel Lock (BKL) haben sich zahlreiche Entwickler dessen Eliminierung auf die Fahnen geschrieben (siehe auch 1, 2). Das Umzusetzen wird einige Zeit dauern – für erste größere Schritte in diese Richtung sorgen allerdings zahlreiche Patches in linux-next, die aller Wahrscheinlichkeit in 2.6.27 einziehen dürften.

Nicht schlecht stehen auch die Aufnahmechancen auch für die Renovierung des Rfkill-Frameworks, das die Unterstützung von Schaltern und Funktionstasten zum Ein- und Ausknipsen von WLAN, Bluetooth und Co. bei Notebooks verbessern soll. Genau wie größere Änderungen am Virtual-Memory-Subsystem scheint es aber derzeit wahrscheinlicher, dass diese Änderungen erst in 2.6.28 einfließen.

Viel Diskutiert, bisher aber nicht für 2.6.27 auf den Weg gebracht wurden Änderungen, durch die der Kernel in der Lage ist, ungenutzte SATA-Ports von AHCI-Controllern aus Stromspargründen zu deaktivieren. Das soll laut dem Intel-Entwickler auf "den meisten" Notebooks 0,75 Watt einsparen – über das beste Vorgehen scheinen sich die Kernel-Entwickler aber bislang nicht so recht einig geworden zu sein. Auch beim Patch zur Unterstützung des Intel Management Engine Interface (HECI/Host Embedded Controller Interface) ist noch unklar, ob die Kernel-Entwickler diesen für 2.6.27 akzeptieren.

Verschiedene Kernel- und X-Entwickler arbeiten derweil weiter an den erstmals während der 2.6.22-Entwicklung auf der LKML diskutierten Patches, durch die der Linux-Kernel zentrale Aufgaben bei der Grafikkarten-Initialisierung und der Bildschirmansteuerung übernimmt ("Kernel-based Modesetting"). Ob diese Erweiterungen nach verschiedenen Verzögerungen nun in 2.6.27 aufgenommen werden ist noch unklar; es sieht derzeit ein wenig so aus, als ob die Patches die Aufnahme erneut verfehlen.

Wie üblich wird das regelmäßig in c't und unregelmäßig auf heise open erscheinende Kernel-Log in den kommenden Wochen über die wichtigsten in die Hauptentwicklungslinie von Linux integrierten Neuerungen und andere Entwicklungen im Umfeld des Linux-Kernels berichten. Dazu zählen auch neue Versionen der Stable-Kernel-Series (2.6.x.y), die in den nächsten Wochen den ein oder anderen Fehler korrigieren dürften, den die Kernel-Hacker und Tester bei der Entwicklung von 2.6.26 übersehen haben.

Ungefähr Mitte oder Ende September dürften dann die Linux-Version 2.6.27 erscheinen. Deren Änderungen wird dann wie üblich ein längeres Kernel-Log wie dieses auf heise open detailliert beschreiben. (thl/c't)

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